Wirtschaftliche Partnerschaften
Indien als Zukunftsmarkt für die deutsche Industrie?
Indien entwickelt sich zu einem zunehmend relevanten Partner für die deutsche Wirtschaft. Fachkräftepotenzial, Wirtschaftswachstum und strategische Projekte eröffnen neue Perspektiven für Investitionen, Technologieexport und Standortdiversifizierung.
Bundeskanzler Friedrich Merz ist nach Indien gereist. Es soll vor allem um einen Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen gehen.
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Die Deutsche Industrie- und Handelskammer sieht Indien als strategisch bedeutenden Zukunftsmarkt für die deutsche Wirtschaft. "Indien ist für die deutsche Wirtschaft ein zunehmend wichtiger Handelspartner", sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier der Deutschen Presse-Agentur. "Angesichts seiner wirtschaftlichen Dynamik, der jungen Bevölkerung und der wachsenden industriellen Basis gewinnt Indien für unsere Unternehmen rasant an Relevanz – insbesondere für die Diversifizierung von Lieferketten und den Ausbau internationaler Wertschöpfung."
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) reiste am Sonntag nach Indien. Bei dem Besuch bis Dienstag wird er von einer Wirtschaftsdelegation begleitet. Vor allem die frühere Ampel-Regierung hatte betont, es müssten durch den Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen mit anderen Ländern einseitige Abhängigkeiten von China verringert werden.
Treier sagte, bislang rangiere Indien trotz seiner Größe nur auf Platz 23 unter Deutschlands Handelspartnern. Umgekehrt liege Deutschland unter den EU-Handelspartnern Indiens auf Platz 1. Das Handelsvolumen lag 2024 bei 31 Milliarden Euro - wobei Deutschland mehr exportierte als importierte. Zu den wichtigsten Exportgütern nach Indien zählen Maschinen, chemische Erzeugnisse sowie Flugzeuge, Schiffe oder Züge. Wichtige Importgüter aus Indien sind pharmazeutische Produkte, Waren der indischen Chemieindustrie sowie Maschinen und Bekleidung.
Warum Indien strategisch wichtig ist
In den vergangenen zehn Jahren habe sich das Handelsvolumen verdoppelt. Der Bestand deutscher Direktinvestitionen lag 2023 bei 27 Milliarden Euro. Zum Vergleich: In China hätten deutsche Unternehmen Produktionsanlagen und Fertigungskapazitäten in Höhe von 100 Milliarden Euro aufgebaut.
"Indien ist für die deutsche Wirtschaft vor allem auch aus strategischer Sicht von hoher Bedeutung", sagte Treier. Deutsche Unternehmen seien schon stark in zentralen Industriebereichen wie Maschinenbau, Automobilindustrie und Chemie vertreten.
"Diese Branchen profitieren von Indiens Industrialisierung, Modernisierung und wachsender Nachfrage nach hochwertiger Technologie. Weitere Zukunftsfelder liegen in den Energie‑ und Klimatechnologien, der industriellen Digitalisierung, der Infrastrukturentwicklung sowie in der Aus‑ und Weiterbildung der Fachkräfte, wo deutsche Expertise stark nachgefragt wird." In Indien seien etwa 2.000 deutsche Unternehmen mit Niederlassungen vertreten, die insgesamt mehr als 500.000 Mitarbeiter beschäftigten.
Freihandelsabkommen mit Indien
Der Weg für eine riesige EU-Freihandelszone mit den südamerikanischen Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Uruguay und Paraguay ist mehr als ein Vierteljahrhundert nach Verhandlungsbeginn frei. Es werden aber noch andere Abkommen verhandelt, zum Beispiel mit Indien.
Der Großteil der deutschen Wirtschaft unterstütze ein EU-Indien-Handelsabkommen, welches die Marktzugänge und den Abbau von Handelshürden für indische Märkte nennenswert voranbringe, sagte der DIHK-Außenwirtschaftschef. "Angesichts der geopolitischen Entwicklungen, aber vor allem angesichts der Größe und Dynamik der indischen Wirtschaft und Bevölkerung wäre dies im großen strategischen Interesse der deutschen Wirtschaft."
Im Vordergrund stünden signifikante Zollsenkungen bis hin zu null Prozent in allen Industriebereichen und insbesondere im Automobil-, Maschinenbau und Chemiesektor. Für deutsche Unternehmen sei außerdem wichtig, dass Indien technische Handelshemmnisse etwa bei bürokratischen Zertifizierungsvorgaben abbaue.
Quelle: dpa
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FAQ: Indien als Zukunftsmarkt für die deutsche Wirtschaft?
1. Warum gilt Indien als strategischer Zukunftsmarkt für die deutsche Wirtschaft?
Indien zeichnet sich durch eine hohe wirtschaftliche Dynamik, eine junge Bevölkerung und eine wachsende industrielle Basis aus. Diese Faktoren machen das Land zunehmend attraktiv für deutsche Unternehmen – insbesondere im Hinblick auf die Diversifizierung von Lieferketten und den Ausbau internationaler Wertschöpfung.
2. Welche Branchen sind bereits besonders in Indien engagiert?
Deutsche Unternehmen sind in Indien vor allem in den Bereichen Maschinenbau, Automobilindustrie und Chemie stark vertreten. Weitere Potenziale werden in den Feldern Energie- und Klimatechnologien, industrieller Digitalisierung, Infrastruktur sowie in der Aus- und Weiterbildung von Fachkräften gesehen.
3. Wie entwickelt sich das Handelsvolumen zwischen Deutschland und Indien?
Das Handelsvolumen lag im Jahr 2024 bei rund 31 Milliarden Euro. Deutschland exportiert vor allem Maschinen, chemische Erzeugnisse sowie Transportmittel nach Indien. Im Gegenzug werden pharmazeutische Produkte, Textilien und Maschinen aus Indien importiert. Das Volumen hat sich innerhalb von zehn Jahren verdoppelt.
4. Welche Erwartungen hat die deutsche Wirtschaft an ein EU-Indien-Handelsabkommen?
Die deutsche Wirtschaft unterstützt ein Freihandelsabkommen mit Indien, das den Abbau von Handelshürden und eine Verbesserung des Marktzugangs ermöglichen soll. Im Fokus stehen vor allem Zollsenkungen bis auf null Prozent in den Industriebereichen Maschinenbau, Automobil und Chemie sowie der Abbau technischer Handelshemmnisse.