Power Systems geht an 

Defence only: Rheinmetall verkauft zivile Power-Sparte

Rheinmetall Power Systems wird verkauft: Aequita übernimmt die zivile Sparte. Der Konzern richtet sich damit voll auf Defence, Sicherheitsbehörden und neue militärische Domänen aus.

Deutschlands größte Rüstungsschmiede Rheinmetall wächst und wächst. Seit kurzem ist der Panzerbauer auch Schiffsbauer. Nun nimmt er die nächste Werft ins Visier.
Rheinmetall verkauft seine Power-Sparte an Aequita.

Summary: Rheinmetall und Aequita haben einen Kaufvertrag für die Division Power Systems unterzeichnet. Die Transaktion soll im vierten Quartal 2026 abgeschlossen werden und steht noch unter regulatorischem Vorbehalt. Rheinmetall fokussiert sich auf das militärische Geschäft, während Aequita die Sparte mit rund 6.250 Beschäftigten als eigenständige Organisation weiterführen will.

Warum Rheinmetall Power Systems verkauft wird

Rheinmetall trennt sich von einem wesentlichen Teil seines zivilen Geschäfts. Wie aus der Mitteilung hervorgeht, haben der Düsseldorfer Konzern und die in München ansässige Industriegruppe Aequita einen Kaufvertrag für die bisherige Division Power Systems unterzeichnet.

Der Schritt gilt innerhalb des Konzerns als Meilenstein der strategischen Neuausrichtung. Rheinmetall konzentriert sich seit geraumer Zeit stärker auf das Geschäft mit militärischen Kunden und Sicherheitsbehörden. Parallel erweitert das Unternehmen sein technologisches Portfolio auf die Domänen Air, Sea und Space.

Die Gespräche mit potenziellen Interessenten für das zivile Geschäft liefen laut Mitteilung seit dem vergangenen Jahr. Mit der Vereinbarung zum Verkauf an Aequita sind diese nun abgeschlossen.

Wie die Transaktion strukturiert ist

Der vorläufige Kaufpreis für 100 % der Anteile beträgt 350 MioEUR. Bis zum Closing unterliegt dieser Wert marktüblichen Anpassungsmechanismen. Der finale Kaufpreis kann daher vom vorläufig genannten Betrag abweichen.

Der Abschluss der Transaktion wird für das vierte Quartal 2026 angestrebt. Voraussetzung ist die Freigabe durch die zuständigen Aufsichtsbehörden. Damit steht der Verkauf noch unter regulatorischem Vorbehalt.

Power Systems war bereits seit der Berichterstattung für das vierte Quartal 2025 als „nicht fortgeführte Aktivität“ des Konzerns klassifiziert. Die Division erzielte 2025 einen Umsatz von rund 2 MrdEUR.

Rheinmetall vollzieht den Ausstieg aus dem Automotive-Geschäft

Mit dem Verkauf von Power Systems setzt Rheinmetall den angekündigten Ausstieg aus dem Geschäft mit der Zulieferung für Automobilhersteller fort. Bereits 2023/2024 hatte der Konzern Aktivitäten im Bereich der Groß- und Kleinkolben verkauft.

Die Division Power Systems erhält unter Aequita eine neue Eigentümerstruktur. Aequita will die bisherige Rheinmetall-Division als eigenständige Organisation führen. Die Markenrechte sollen im Unternehmen verbleiben. Der Marktauftritt soll weiterhin über die etablierten Marken Pierburg, Kolbenschmidt und Motorservice erfolgen.

Armin Papperger, CEO der Rheinmetall AG, ordnet den Schritt entsprechend ein: „Dies ist ein firmenhistorisch bedeutender Schritt. Wir konzentrieren uns auf das margenstarke Geschäft mit den militärischen Kunden, wo wir hervorragende Wachstumschancen haben. Es war das erklärte Ziel, unsere Aktivitäten im zivilen Geschäft in gute Hände zu geben. Mit Aequita haben wir einen sehr guten Käufer gefunden. Die international erfolgreiche Industrieholding vereint viel Erfahrung im Bereich Industrial und Automotive mit einem Fokus auf Unternehmertum, Transformation und langfristige Perspektive.“

Was mit den Beschäftigten von Power Systems passiert

Aequita will alle rund 6.250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der zu übernehmenden Unternehmen weiterbeschäftigen. Wie aus der Mitteilung hervorgeht, betrachtet die Industriegruppe die Kompetenzen der Beschäftigten als zentrales Kapital für die künftige Geschäftsentwicklung.

Damit übernimmt Aequita im vorgesehenen Rahmen die gesamte Belegschaft. Für die Division bedeutet dies eine Fortführung unter neuer Führung, jedoch mit etablierten Marken und bestehender industrieller Substanz.

Marcus Gerlach, Verhandlungsführer auf Seiten der Rheinmetall AG, erklärt dazu: „Damit ist Aequita der geeignete Partner, um gemeinsam mit dem Management-Team der Power Systems die entwickelte Strategie umzusetzen und langfristig erfolgreich mit den Marken Kolbenschmidt und Pierburg am Markt zu agieren.“

Wie Aequita Power Systems weiterentwickeln will

Aequita sieht in der Übernahme eine Ergänzung des eigenen Portfolios. Die Münchner Industriegruppe investiert nach eigenen Angaben in Sondersituationen, darunter Konzernabspaltungen, Nachfolgelösungen und Transformationssituationen in Europa.

Das aktuelle Portfolio erwirtschaftet in den Segmenten Automobil, Chemie und Industrie einen Umsatz von mehr als 10 MrdEUR. Mit der Akquisition von Power Systems soll insbesondere die Automotive-Division gestärkt werden.

Dr.-Ing. Axel Geuer, Chairman & Co-CEO von Aequita, sagt: „Wir sind sehr stolz, dass Rheinmetall Aequita als neuen Eigentümer der Division Power Systems ausgewählt hat. Das Unternehmen stellt eine hervorragende Ergänzung für unsere Automotive-Division dar, die nun einen Umsatz von etwa 5 Milliarden Euro erzielen wird. In den kommenden Jahren liegt unser Fokus darauf, die langfristig erfolgreiche und nachhaltige Weiterentwicklung des Unternehmens aktiv zu unterstützen. Dazu gehört auch, Synergien innerhalb unseres Automotive-Portfolios zu realisieren“.

Aequita verfolgt nach eigenen Angaben das Ziel, Entwicklungspotenziale freizusetzen und Unternehmen mit Innovationskraft, Agilität und Profitabilität den Weg in eine eigenständige Zukunft zu ermöglichen. Gerade im Automobilsektor inklusive Aftermarket verweist die Industriegruppe auf Erfahrung und Partnerschaften mit namhaften deutschen Herstellern.

Welche Einheiten vom Verkauf ausgenommen sind

Nicht alle Aktivitäten der zivilen Sparte gehen an Aequita. Vom Verkauf ausgenommen sind die drei deutschen Standorte der KS Huayu AluTech GmbH in Neckarsulm, Walldürn und Langenhagen. Das Joint Venture soll mittelfristig im Rheinmetall-Konzern verbleiben, weiterhin als „nicht fortgeführte Aktivität“.

Die Beteiligung an der Dermalog SensorTec GmbH bleibt dauerhaft bei Rheinmetall. Sie wird in die Division Weapon and Ammunition eingegliedert. Die Mitarbeiter sollen weiterhin am Standort Neuss tätig sein.

Auch das spanische Werk Abadiano der Pierburg S.A. bleibt mit Belegschaft und Sachwerten bei Rheinmetall. Für eine Übergangszeit soll der Standort als hybrider Standort zivile und militärische Produkte fertigen. Danach ist die vollständige Umstellung auf militärische Fertigung vorgesehen.

Was der Verkauf für Rheinmetall bedeutet

Mit dem Verkauf von Rheinmetall Power Systems verschiebt sich der Schwerpunkt des Konzerns weiter in Richtung Defence. Das zivile Geschäft wird an eine Industriegruppe abgegeben, die Power Systems eigenständig weiterführen und in ihr Automotive-Portfolio integrieren will.

Für Rheinmetall markiert die Transaktion den entscheidenden Schritt beim Rückzug aus dem Geschäft mit Automobilzulieferungen. Für Aequita bedeutet die Übernahme eine deutliche Erweiterung des Automotive-Portfolios und eine Stärkung der industriellen Basis in diesem Segment.

Mit Material von Rheinmetall

FAQ Rheinmetall Power Systems

• Was passiert mit Rheinmetall Power Systems? – Aequita übernimmt die bisherige Rheinmetall-Division Power Systems. Die Sparte soll als eigenständige Organisation weitergeführt werden.

• Warum verkauft Rheinmetall Power Systems? – Rheinmetall fokussiert sich stärker auf das Geschäft mit militärischen Kunden, Sicherheitsbehörden sowie die Domänen Air, Sea und Space.

• Wie hoch ist der Kaufpreis für Rheinmetall Power Systems? – Der vorläufige Kaufpreis für 100 % der Anteile beträgt 350 MioEUR und kann sich bis zum Closing noch ändern.

• Wann soll der Verkauf von Rheinmetall Power Systems abgeschlossen werden? – Der Abschluss der Transaktion wird für das vierte Quartal 2026 angestrebt und steht unter regulatorischem Vorbehalt.

• Welche Bereiche von Rheinmetall Power Systems sind ausgenommen? – Ausgenommen sind KS Huayu AluTech, Dermalog SensorTec sowie das spanische Werk Abadiano der Pierburg S.A.