Rheinmetall und Telekom entwickeln gemeinsam Drohnenabwehr
Drohnenabwehr rückt für kritische Infrastruktur in Deutschland stärker in den Fokus. Rheinmetall und Telekom wollen dafür Kompetenzen bündeln und einen Schutzschirm gegen Drohnen und Sabotage entwickeln.
Spionage-Drohnen sind eine reale Gefahr – Firmen mit Werksgeländen sollten sich schützen.Kadmy - stock.adobe.com
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Summary:
Rheinmetall und die Deutsche Telekom wollen Städte und kritische Infrastrukturen in Deutschland gegen Drohnen und Sabotage schützen. Die Zusammenarbeit wurde im Vorfeld der Sicherheitsmesse AFCEA in Bonn ab 12. Mai 2026 angekündigt. Geplant ist ein Multi-Threat-Protection-Ansatz, der Cybersicherheit, Perimeter-Schutz, Sensorik, Effektoren und sichere Kommunikationsnetze verbinden soll.
Warum Drohnenabwehr für kritische Infrastrukturen wichtiger wird
Rheinmetall und die Telekom wollen gemeinsam einen Abwehrschirm gegen Drohnen und Sabotage entwickeln. Ziel ist es, Städte und kritische Infrastrukturen in Deutschland besser zu schützen. Darauf verständigten sich die Unternehmen im Vorfeld der Fachausstellung für Sicherheitstechnik AFCEA in Bonn.
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Wie aus der Mitteilung hervorgeht, rückt der Schutz kritischer Infrastrukturen, kurz KRITIS, durch die aktuelle geopolitische Lage stärker in den Fokus. Hybride Bedrohungen durch Sabotage oder Drohnenflüge nehmen demnach kontinuierlich zu. In diesem Umfeld wollen Rheinmetall und Telekom ihre jeweiligen Kompetenzen zusammenführen.
Der Ansatz zielt auf Schutz vor vielfältigen Angriffsmöglichkeiten auf KRITIS-Standorte. Die Unternehmen sprechen von Multi-Threat-Protection. Dazu zählen Technologien für Cybersicherheit ebenso wie physischer Schutz von Liegenschaften, also Perimeter-Sicherheit. Details der Zusammenarbeit sollen zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben werden.
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Armin Papperger, Vorsitzender des Vorstands der Rheinmetall AG, sagt: „Die Bedrohung durch Drohnen ist hochgradig digital. Deshalb braucht ihre Abwehr die Verbindung aus Sensorik, Effektoren und sicheren Kommunikationsnetzen. Rheinmetall und die Deutsche Telekom bündeln genau diese Fähigkeiten.“
Auch Tim Höttges, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Telekom AG, betont den strategischen Anspruch der Kooperation: „Souveränität entsteht nicht nur durch Diskussionen, sondern durch Taten. Die Telekom übernimmt hier Verantwortung: Mit unserer Kompetenz bei Konnektivität, Cloud und Datenanalyse bringen wir Drohnenabwehr auf ein neues Level. Gemeinsam mit Rheinmetall stärken wir so die Souveränität und leisten unseren Beitrag dazu, Sorgen in der Bevölkerung zu reduzieren.“
Die Telekom ist seit 2017 Systempartner von Behörden und Unternehmen bei der Drohnensicherheit. Der Konzern hat nach eigenen Angaben im In- und Ausland bereits kritische Infrastrukturen, Liegenschaften und Großevents gegen Drohnen gesichert. Im Auftrag der Polizei detektierte die Telekom bei der Fußball-Europameisterschaft 2024 illegale Drohnenflüge.
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Technisch gilt Drohnendetektion und -abwehr als komplex. Je nach Ort und Gelände eignen sich unterschiedliche Sensoren. Die Telekom hat deshalb seit 2017 in Kundenprojekten und Feldtests verschiedene Sensoren internationaler Hersteller erprobt und in ihr Angebot aufgenommen. Getestet wurde unter anderem an internationalen Flughäfen sowie an kleinen Regionalflughäfen wie Tannheim in Baden-Württemberg.
Heute kommen in Kundenprojekten Video-, Audio-, Radiofrequenz-, Remote-ID-Sensoren oder Drohnenradar zum Einsatz. Der Konzern entwickelt seine technischen Fähigkeiten zur Drohnenabwehr und den Sensoren-Mix kontinuierlich weiter.
Warum RF-Detektion in Stadtgebieten eine wichtige Rolle spielt
Ein Großteil der Drohnen am Markt wird über eine Funk-Fernsteuerung in Sichtweite bedient. Drohne und Fernsteuerung kommunizieren dabei über eine Funkfrequenz, auf Englisch Radio Frequency oder RF. Die Funksignale von Fernbedienung und Drohne sowie deren Position lassen sich mit RF-Sensoren ermitteln.
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RF gilt als weit verbreitete Methode in der Drohnenerkennung. Laut Mitteilung machen RF-Sensoren derzeit mehr als 90% aller Drohnen im unteren Luftraum sichtbar. Die von der Telekom eingesetzten RF-Sensoren arbeiten passiv. Sie senden also kein aktives Suchsignal aus.
Dadurch können sie an Funkmasten installiert werden, ohne sensible Mobilfunktechnik beim Funken zu stören. Hoch an Funkmasten angebrachte RF-Sensoren haben sich nach Kundenerfahrungen der Telekom besonders in Stadtgebieten mit dichter Bebauung bewährt.
Rheinmetall bringt Expertise aus Flugabwehr und autonomen Systemen ein
Rheinmetall zählt nach Unternehmensangaben zu den weltweit führenden Systemhäusern bei der Flugabwehr, auch im Nah- und Nächstbereich. Effektoren des Düsseldorfer Technologiekonzerns befinden sich aktuell sowohl in der Ukraine als auch im Nahen und Mittleren Osten im Einsatz.
Darüber hinaus ist Rheinmetall selbst Spezialist für autonome Systeme in allen Domänen: zu Land, zu Wasser und in der Luft. Dazu gehören unter anderem Drohnen und luftgestützte Aufklärungssysteme. Der Konzern entwickelt außerdem Sensor- und Datenverarbeitungstechnologien, die sowohl im zivilen als auch im sicherheitsrelevanten Bereich eingesetzt werden.
Im Dezember 2025 vereinbarten Rheinmetall, die Polizei Hamburg und die Hamburg Port Authority eine strategische Partnerschaft zur Weiterentwicklung von Drohnendetektions- und Abwehrkonzepten im Hamburger Hafen. Im Fokus steht die konzeptionelle Entwicklung zukunftsweisender Technologien zum Schutz maritimer, ziviler und kritischer Infrastruktur.
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Technisch gilt der Hamburger Hafen als besonders anspruchsvolles Umfeld. Unterschiedliche Funkquellen, maritime Bedingungen und dichte Infrastruktur stellen hohe Anforderungen an Detektionssysteme. Rheinmetall bringt in dieser Allianz seine Expertise ein, um maßgeschneiderte Lösungen für komplexe Bedrohungsszenarien zu erarbeiten. Die Kooperation ist Teil einer überregionalen Sicherheitsstrategie.
Wie Mobilfunk Drohnenabwehr verändert
Eine neue Herausforderung sind Drohnen, die über Mobilfunknetze gesteuert werden. Während die Masse der Piloten Drohnen über Funkfrequenz und Fernbedienung steuert, nimmt die Zahl der Piloten zu, die Mobilfunk zur Steuerung nutzen.
Die Einsatzrealität im In- und Ausland zeigt laut Mitteilung: Sowohl handelsübliche als auch selbstgebaute Drohnen werden immer häufiger über Mobilfunknetze gesteuert. Wie solche Drohnen erkannt werden können, erforscht die Telekom gemeinsam mit der Helmut-Schmidt-Universität/Universität der Bundeswehr Hamburg.
Dabei soll das Mobilfunknetz künftig selbst zum Sensor werden. Es erfasst Veränderungen und Auffälligkeiten im Datenverkehr, die auf die Steuerung oder Kommunikation von Drohnen hinweisen können. So sollen Drohnen etwa in temporären Flugbeschränkungsgebieten für Einsatzkräfte sichtbar werden.
Basis dafür ist ein von der Telekom auf dem Campus der Universität der Bundeswehr Hamburg installiertes 5G-Standalone-Hochleistungsnetzwerk. Dieses basiert auf Technik von Ericsson.
Warum Drohnenverstöße kein Kavaliersdelikt sind
Das Steuern von Drohnen per Mobilfunk ist in Deutschland bislang wenig verbreitet. Piloten müssen laut Gesetz die Drohne stets im Blick haben, also line of sight einhalten. Wer außerhalb der Sichtweite steuert, verfolgt häufig kommerzielle Absichten, etwa beim Abfliegen von Stromtrassen oder Pipelines nach Beschädigungen.
Solche Flüge müssen bei den Behörden beantragt werden. Wer nicht beantragt, aber dennoch über Mobilfunk steuert, begeht eine Straftat. Drohnenflüge in Sperrgebieten sind nach Darstellung der Telekom kein Kavaliersdelikt wie eine Geschwindigkeitsübertretung, sondern ein gefährlicher Eingriff in den Flugverkehr.
Die Polizei warnt immer wieder vor solchen Verstößen. Dennoch fliegen viele unbedarft hinter dem Piloten-Horizont weiter und riskieren unerwartet harte Strafen. Systeme der Telekom haben im Kundenauftrag bereits in großem Umfang verbotene Drohnenflüge punktgenau lokalisiert. Einsatzkräfte konnten Piloten dadurch schnell finden.
FAQ Drohnenabwehr
• Was planen Rheinmetall und Telekom bei der Drohnenabwehr? – Die Unternehmen wollen einen Schutzschirm gegen Drohnen und Sabotage entwickeln, um Städte und kritische Infrastrukturen in Deutschland zu sichern.
• Warum ist Drohnenabwehr für KRITIS relevant? – Hybride Bedrohungen durch Sabotage und Drohnenflüge nehmen zu, wodurch der Schutz kritischer Infrastrukturen stärker in den Fokus rückt.
• Welche Technologien umfasst die Drohnenabwehr? – Genannt werden Sensorik, Effektoren, sichere Kommunikationsnetze, Cybersicherheit, Perimeter-Sicherheit sowie Video-, Audio-, RF-, Remote-ID-Sensoren und Drohnenradar.
• Welche Rolle spielt Mobilfunk bei der Drohnenabwehr? – Mobilfunknetze sollen künftig Veränderungen im Datenverkehr erkennen, die auf Drohnensteuerung oder Drohnenkommunikation hinweisen.
• Was bedeutet Drohnenabwehr für Einsatzkräfte? – Detektionssysteme können verbotene Drohnenflüge lokalisieren und Einsatzkräften helfen, Piloten schneller zu finden.