Industriepotenziale: Ifo fordert neue Innovationspolitik
Die deutsche Wirtschaft kann die Transformation bewältigen, muss dafür aber ihre Industriepotenziale gezielter nutzen. Darauf verweist eine Studie des ifo Instituts.
Eine Ifo-Studie sieht Chancen im momentanen Wandel und fordert eine neue Innovationspolitik.Funtap - stock.adobe.com
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Summary: Das ifo Institut hat am 23.04.2026 in München Ergebnisse einer Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung vorgestellt. Demnach entfallen 76 % der Bruttowertschöpfung des Verarbeitenden Gewerbes auf Branchen mit mehr stark wachsenden als stark schrumpfenden Produkten. Für den weiteren Wandel fordern die Experten bessere Rahmenbedingungen für disruptive Innovationen, wachstumsstarke Gründungen und einen flexibleren Strukturwandel.
Die deutsche Wirtschaft verfügt nach Einschätzung des ifo Instituts grundsätzlich über das Potenzial, die Herausforderungen der Transformation zu bewältigen. Voraussetzung sei jedoch eine Änderung der Innovationspolitik, wie aus der Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung hervorgeht.
Im Zentrum der Analyse steht die Aussage, dass ein großer Teil der deutschen Industrie bereits auf Zukunftskurs ist. „Unsere Analyse zeigt, dass ein Großteil der deutschen Industrie bereits auf dem Weg in die Zukunft ist. Jetzt braucht es eine Politik, die diesen Wandel unterstützt und nicht bremst“, sagt Oliver Falck, Leiter des ifo Zentrums für Innovationsökonomik und Digitale Transformation.
Im Rahmen der Studie wurde erstmals eine Growth-Share-Matrix für die deutsche Industrie erstellt. Demnach entfallen rund 76 % der Bruttowertschöpfung des Verarbeitenden Gewerbes auf Branchen, in denen der Produktionswertanteil der in der Industrie am stärksten wachsenden Produkte den Anteil der am stärksten schrumpfenden Produkte übersteigt.
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Damit verfügt die deutsche Industrie laut Studie grundsätzlich über das Potenzial, die multidimensionale Transformation zu bewältigen. Die Untersuchung stellt damit nicht den Mangel an industrieller Substanz in den Vordergrund, sondern die Frage, wie vorhandene Stärken besser genutzt werden können.
Besonders gut aufgestellt sind den Experten zufolge Hochtechnologie-Branchen wie die Pharma- und IT-Industrie. Diese weisen hohe Anteile wachsender Produkte auf und verzeichnen zugleich deutliche Zuwächse bei Investitionen und Exporten.
„Aber auch Mitteltechnologie-Branchen wie der Maschinenbau und Teile der chemischen Industrie haben ihr Produktportfolio bereits in Richtung Zukunftsmärkte weiterentwickelt“, sagt ifo-Forscher Christian Pfaffl.
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Auch jenseits der großen Leitbranchen sieht die Studie positive Signale. Der weit überwiegende Teil der Branchen mit einem aktuell unterdurchschnittlichen Anteil an der Bruttowertschöpfung hat demnach deutlich mehr stark wachsende als stark schrumpfende Produkte im Portfolio. Genannt werden in der Mitteilung unter anderem Glaswaren oder die Metallerzeugung.
Warum steht die Automobilindustrie unter Anpassungsdruck?
Anders stellt sich die Lage laut Studie in der Leitindustrie Automobil dar. Hier sei der Anpassungsdruck hoch, weil der Anteil der Verbrenner mit einem schrumpfenden Produktionswert größer sei als der von Wachstumsträgern wie Elektroautos.
Die Studie verweist damit auf unterschiedliche Transformationsgeschwindigkeiten innerhalb der Industrie. Während einige Branchen ihr Portfolio bereits stärker in Richtung Zukunftsmärkte verschoben haben, steht die Automobilindustrie vor größeren strukturellen Anpassungen.
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Ifo-Institut
Wie sollte die Politik auf die Industriepotenziale reagieren?
Nach Ansicht der Experten sollte der Strukturwandel gezielt vorangetrieben und nicht durch strukturerhaltende Politik verzögert werden. „Es wäre nötig, die Rahmenbedingungen für disruptive Innovationen und wachstumsstarke Gründungen deutlich zu verbessern“, sagt Falck.
Zu den aus Sicht der Autoren wichtigen Hebeln zählen ein innovationsfreundlicher Kapitalmarkt, steuerliche Regeln, die riskante Investitionen nicht benachteiligen, sowie ein flexiblerer Arbeitsmarkt, der Anpassungen erleichtert. Die Studie plädiert damit für eine Innovationspolitik, die stärker auf Dynamik und Erneuerung setzt.
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Einordnung des Produktionswerts in der Studie
Für das Verständnis der Ergebnisse verweist die Mitteilung auf eine Definition des Statistischen Bundesamts. Demnach gibt der Produktionswert den „Wert der zum Absatz bestimmten Produktion“ an und nicht den Umsatz.
Dieser Hinweis ist für die Interpretation der Growth-Share-Matrix relevant, weil sich die Analyse auf die Entwicklung von Produkten und deren Produktionswertanteilen innerhalb der Industrie stützt.
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Quelle: Ifo Institut München
Industriepotenziale
• Was bedeutet Industriepotenziale in der ifo-Studie? – Industriepotenziale beschreibt in der Studie die Fähigkeit der deutschen Industrie, die Transformation auf Basis wachsender Produkte und zukunftsfähiger Branchen zu bewältigen.
• Warum sind Industriepotenziale für den Maschinenbau relevant? – Industriepotenziale sind für den Maschinenbau relevant, weil die Studie die Branche zu den Mitteltechnologie-Bereichen zählt, die ihr Produktportfolio bereits in Richtung Zukunftsmärkte weiterentwickelt haben.
• Welche Rolle spielen Industriepotenziale für den Strukturwandel? – Industriepotenziale zeigen laut Studie, dass der Strukturwandel vorangetrieben werden sollte, statt bestehende Strukturen politisch zu konservieren.
• Wie lassen sich Industriepotenziale besser nutzen? – Industriepotenziale lassen sich laut den Experten durch bessere Bedingungen für disruptive Innovationen, wachstumsstarke Gründungen, einen innovationsfreundlichen Kapitalmarkt und mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt besser nutzen.
• Welche Kennzahl stützt die Aussage zu den Industriepotenzialen? – Zentral ist der Wert von 76 % der Bruttowertschöpfung des Verarbeitenden Gewerbes, der auf Branchen mit mehr stark wachsenden als stark schrumpfenden Produkten entfällt.