Industrieumsatz zieht wieder an

Industrieumsatz wächst, Jobs gehen verloren

Der Industrieumsatz in Deutschland ist im ersten Quartal erstmals seit 2023 wieder gestiegen. Gleichzeitig setzt die Branche ihren Stellenabbau fort.

Beschäftigte in einer modernen Produktionshalle: Trotz erster Umsatzimpulse bleibt die Lage in der deutschen Industrie angespannt – viele Unternehmen prüfen weitere Sparprogramme, Kapazitätsanpassungen und Stellenabbau.
Trotz erster Umsatzimpulse bleibt die Lage in der deutschen Industrie angespannt. Viele Unternehmen prüfen weitere Sparprogramme, Kapazitätsanpassungen und Stellenabbau.

Summary: EY sieht im ersten Quartal ein Umsatzplus der deutschen Industrie auf gut 531 Mrd. EUR. Grundlage sind Daten des Statistischen Bundesamts, die der dpa vorliegen. Trotz Wachstum gingen binnen Jahresfrist 127.300 Industriearbeitsplätze verloren, besonders in Autoindustrie und Maschinenbau.

Die deutsche Industrie hat im ersten Quartal erstmals seit 2023 wieder mehr Umsatz erzielt. Wie aus einer Studie der Beratungsgesellschaft EY hervorgeht, die auf Daten des Statistischen Bundesamts basiert und der Nachrichtenagentur dpa vorliegt, stieg der Industrieumsatz um 1,7 % auf gut 531 Mrd. EUR.

Damit verzeichnete die Branche erstmals nach zehn Quartalen mit Rückgängen wieder ein Plus binnen Jahresfrist. Zuletzt war der Industrieumsatz im zweiten Quartal 2023 gewachsen. Für die schwächelnde Industrie ist das ein Signal der Stabilisierung, auch wenn die strukturellen Belastungen bestehen bleiben.

Industrie baut weiter massiv Arbeitsplätze ab

Parallel zum höheren Industrieumsatz sinkt die Beschäftigung weiter deutlich. Zum Ende des ersten Quartals waren in der deutschen Industrie 5,3 Millionen Menschen beschäftigt. Das entspricht einem Rückgang von 2,3 % oder 127.300 Beschäftigten gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Besonders stark betroffen war die Autoindustrie. Dort gingen unter dem Strich rund 32.000 Arbeitsplätze verloren. Im Maschinenbau sank die Beschäftigung um 22.000 Stellen, in der Metallerzeugung und -bearbeitung um 8.800.

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Warum die Metallbranche den Industrieumsatz stützt

Ein wesentlicher Treiber des jüngsten Umsatzanstiegs war die Metallbranche. Laut EY legte ihr Umsatz im ersten Quartal um 18 % zu. Besonders stark entwickelten sich die Exporte, die gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 28 % wuchsen.

Auch andere große Industriezweige konnten leichte Zuwächse verbuchen. Die Autobranche erreichte ein Umsatzplus von 2,1 %, die Elektroindustrie kam auf 1,4 %. Deutlich schwächer entwickelten sich dagegen die Papier- und Textilindustrie. Dort sank der Umsatz um rund 6 beziehungsweise 8 %.

"Die kommenden Monate werden zeigen, ob es sich beim Wachstum einiger weniger Branchen nur um ein Strohfeuer handelt oder um eine Trendwende", sagt Jan Brorhilker, Managing Partner bei EY Deutschland.

Welche Faktoren den Industrieumsatz beeinflussen

Rückenwind erhielt die Industrie im ersten Quartal sowohl aus dem Inland als auch von den Exporten. Zugleich hatte die deutsche Wirtschaft insgesamt überraschend stark zugelegt. Der Auftragsbestand in der Industrie stieg im März laut Statistischem Bundesamt um gut 8 % gegenüber dem Vorjahresmonat.

Dennoch bleiben die Rahmenbedingungen anspruchsvoll. Hohe Energie- und Arbeitskosten, Konkurrenz aus China und US-Zölle belasten weiterhin viele Unternehmen. Zusätzlich dämpft der Iran-Krieg die Aussichten. Die Bundesregierung hat ihre Wachstumsprognose für 2026 auf 0,5 % halbiert.

Warum weitere Jobverluste erwartet werden

Brorhilker rechnet mit weiterem Stellenabbau in der Industrie. In vielen Branchen bestünden erhebliche Überkapazitäten. Sorgen um Fachkräftemangel treten nach seiner Einschätzung zunehmend in den Hintergrund.

Die Bundesregierung habe zwar wichtige Maßnahmen ergriffen, darunter den Industriestrompreis und die Senkung der Körperschaftssteuer. Diese Maßnahmen wirkten jedoch erst zeitverzögert.

Bei vielen Unternehmen stehen laut Brorhilker nicht mehr nur Sparprogramme im Raum. Auch die Schließung ganzer Werke werde diskutiert. "Eine solche Situation hat es in der deutschen Industrie sehr lange nicht gegeben."

Mit Material von dpa.

FAQ zum Industrieumsatz

Warum ist der Industrieumsatz im ersten Quartal gestiegen? – Der Industrieumsatz stieg laut EY vor allem wegen eines starken Plus in der Metallbranche und höherer Exporte.

Wie hoch war der Industrieumsatz im ersten Quartal? – Der Industrieumsatz lag bei gut 531 Mrd. EUR und damit 1,7 % über dem Vorjahreswert.

Warum sinkt trotz höherem Industrieumsatz die Beschäftigung? – EY verweist auf Überkapazitäten in vielen Branchen und anhaltende Belastungen durch Kosten, Wettbewerb und Zölle.

Welche Branchen prägen den Industrieumsatz besonders? – Die Metallbranche trug mit einem Umsatzplus von 18 % stark zum Wachstum bei. Auch Autoindustrie und Elektroindustrie legten leicht zu.

Was bedeutet der Industrieumsatz für den Ausblick? – Ob der Anstieg eine Trendwende oder nur ein kurzfristiges Wachstum einzelner Branchen ist, bleibt laut EY offen.