Mittelstand verliert wirtschaftlichen Boden

Insolvenzen belasten kleine Unternehmen schwer

Deutschlands Mittelstand verliert an wirtschaftlichem Gewicht. Eine neue Untersuchung offenbart sinkende Anteile an Umsatz, Beschäftigung – und eine steigende Zahl an Insolvenzen.

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KMU geraten zunehmend unter wirtschaftlichen Druck.
KMU geraten zunehmend unter wirtschaftlichen Druck.

Strukturelle Verschiebungen im wirtschaftlichen Gefüge

Die kleinen und mittelständischen Unternehmen galten jahrzehntelang als tragendes Fundament der deutschen Wirtschaft. Nach Angaben des Nürnberger Daten-Dienstleisters Datev geraten sie jedoch zunehmend unter Druck. Die aktuelle Untersuchung zeigt deutliche strukturelle Veränderungen: Insolvenzen nehmen zu, während gleichzeitig der Anteil des Mittelstandes am Gesamtumsatz und am Arbeitskräftepotenzial rückläufig ist.

Über 99 Prozent der mehr als drei Millionen Unternehmen in Deutschland gehören in die Kategorie der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). In der Regel sind das Betriebe mit bis zu 500 Beschäftigten und einem Jahresumsatz von maximal 50 Millionen Euro. Laut Datev blieb der Anteil dieser Unternehmen an der Gesamtzahl in den letzten Jahren stabil. Doch die wirtschaftliche Bedeutung dieser Unternehmen nimmt ab. Zwischen 2018 und 2023 sank ihr Anteil am Umsatz von 30,2 auf 26,2 Prozent und an der Beschäftigung von 57,3 auf 53,3 Prozent. Auch der Beitrag zur Bruttowertschöpfung reduzierte sich im gleichen Zeitraum um zwei Prozentpunkte auf 40,9 Prozent.

Deutlich steigende Zahl an Unternehmensinsolvenzen

Besonders alarmierend ist die Entwicklung bei den Unternehmensinsolvenzen. Datev berichtet, dass sich die Zahl der Pleiten im vergangenen Jahr in einzelnen Branchen stark erhöht habe. Am stärksten betroffen sind dabei sehr kleine Betriebe ohne Angestellte sowie größere Mittelständler mit mehr als 100 Beschäftigten. In der Datev-Erhebung heißt es dazu: «Die klassischen KMU mit bis zu 100 Mitarbeitern, die 2024 noch die höchsten Zuwachsraten verzeichneten, zeigen 2025 eine leichte Beruhigung».

Ein erhöhtes Insolvenzgeschehen wird insbesondere im Baugewerbe, im Gastgewerbe sowie im verarbeitenden Gewerbe festgestellt. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen treffen diese Bereiche offenbar besonders stark und wirken sich direkt auf die Unternehmensstabilität aus.

Breite Datengrundlage für fundierte Analyse

Für die Auswertung hat Datev auf umfangreiches Datenmaterial zurückgegriffen. Dabei kamen insbesondere Informationen zum Einsatz, die über die angeschlossenen Steuerkanzleien zur Verfügung stehen. Hierzu zählen unter anderem Daten aus Lohnabrechnungen sowie Unfallversicherungsmeldungen. Ergänzt wurde diese Datengrundlage durch Informationen des Statistischen Bundesamtes. So ergibt sich ein detailliertes Bild über die wirtschaftliche Lage des Mittelstandes, das sowohl kurzfristige Entwicklungen als auch strukturelle Tendenzen abbildet.

Druck auf breiter Front

Die Untersuchung verdeutlicht, wie vielfältig und tiefgreifend die Herausforderungen für kleine und mittelständische Unternehmen derzeit ausfallen. Die rückläufigen Zahlen bei Umsatz, Beschäftigung und Bruttowertschöpfung sowie der Anstieg von Insolvenzen zeigen, dass die Belastungen längst nicht nur temporärer Natur sind. Vielmehr deuten sie auf eine strukturelle Erosion hin, die das wirtschaftliche Fundament des Mittelstandes schwächt.

Mit Material der dpa

FAQ zu den Insolvenzen im Mittelstand

Wer hat die Untersuchung durchgeführt? - Die Analyse stammt vom Nürnberger Datendienstleister Datev.

Welche Daten wurden ausgewertet? - Verwendet wurden Daten aus Lohnabrechnungen und Unfallversicherungsmeldungen, die über Steuerkanzleien verfügbar sind, sowie Daten des Statistischen Bundesamtes.

Welche Unternehmen zählen zum Mittelstand? - In der Regel zählen Betriebe mit bis zu 500 Beschäftigten und bis zu 50 Millionen Euro Jahresumsatz dazu.

Wie hat sich der Anteil des Mittelstands verändert? - Zwischen 2018 und 2023 sank der Anteil am Gesamtumsatz auf 26,2 Prozent, an der Beschäftigung auf 53,3 Prozent und an der Bruttowertschöpfung auf 40,9 Prozent.

Wo treten vermehrt Insolvenzen auf? - Besonders betroffen sind das Baugewerbe, das Gastgewerbe und das verarbeitende Gewerbe.

Welche Unternehmen sind besonders insolvenzgefährdet? - Vor allem sehr kleine Betriebe ohne Angestellte sowie größere Mittelständler mit über 100 Beschäftigten.