Industrie unter Handlungsdruck

Digital Product Passport: Jetzt handeln für 2027

Ab 2027 wird der Digital Product Passport (DPP) für erste Produktgruppen Pflicht. Viele Industrieunternehmen sind noch nicht vorbereitet. Wer jetzt Daten, Systeme und Compliance ausrichtet, sichert Transparenz und Wettbewerbsfähigkeit.

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Hersteller und Zulieferer der ersten betroffenen Produktgruppen sind ab 2027 verpflichtet, einen digitalen Produktpass (DPP) bereitzustellen. Für viele Industrieunternehmen wird der DPP zum zentralen Faktor für regulatorische Konformität und internationale Wettbewerbsfähigkeit.

Der aktuelle Stand der Vorbereitung ist ernüchternd – insbesondere in Branchen mit komplexen Materialströmen und hohen Compliance-Anforderungen. Das zeigt das Industriebarometer 2025 von Forterro: Nur 42 Prozent der befragten Unternehmen wissen, was der DPP konkret umfasst. 49 Prozent geben an, die Anforderungen zu kennen und zu verstehen. Rund ein Viertel weiß nicht einmal, ob es überhaupt vorbereitet ist. Angesichts der näher rückenden Fristen ist diese Unsicherheit alarmierend.

Was ist der Digital Product Passport?

Der DPP ist eine strukturierte Sammlung produktbezogener Daten mit definiertem Umfang sowie klar geregelten Zugriffs- und Eigentumsrechten. Über eine eindeutige Kennung stellt er zentrale Informationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette bereit – von Herkunft und Materialien über Wartung bis hin zu Wiederverwendung und Recycling. Damit schafft der DPP Transparenz, Rückverfolgbarkeit und unterstützt den Übergang zu zirkulären Geschäftsmodellen in der EU. Unabhängig von ihrer Position in der Lieferkette sind Unternehmen verpflichtet, die Vorgaben einzuhalten.

Besondere Herausforderungen für den Mittelstand

Vor allem kleine und mittlere Unternehmen stehen vor großen Hürden.

Laut Studie fehlen häufig Ressourcen für Compliance (42 Prozent), die Anforderungen gelten als zu komplex (42 Prozent) und Orientierungshilfen als unzureichend (37 Prozent). Zusätzlich befindet sich die Verordnung technisch noch in der Entwicklung – was die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt zum Handeln offenlässt. Für KMU bedeutet die Umsetzung zudem eine erhebliche finanzielle Belastung: Die erwarteten Investitionen liegen im Schnitt zwischen 21.500 € und 42.999 €.

Schritte zur erfolgreichen DPP-Vorbereitung

Um Transparenz, Nachhaltigkeit und Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern, sollten Unternehmen frühzeitig aktiv werden:

1. Datenbasis prüfen und absichern – Überprüfung von Stamm- und Produktdaten auf Vollständigkeit und Aktualität

2. Interoperabilität herstellen – Analyse aller eingesetzten Systeme, Schnittstellen und Datenformate – Identifikation redundanter und inkonsistenter Datenflüsse

3. Compliance und Nachhaltigkeit integrieren – Einbindung regulatorischer Anforderungen in bestehende ERP- und PLM-Systeme

4. Standards etablieren – Einführung interoperabler Datenformate und standardisierter Reporting-Prozesse

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Compliance als strategischer Vorteil

Der Regulierungsdruck nimmt entlang der gesamten industriellen Wertschöpfungskette zu. Gleichzeitig erkennen immer mehr Unternehmen den strategischen Nutzen: 51 Prozent sehen Compliance bereits als klaren Wettbewerbsvorteil und investieren gezielt in entsprechende Technologien. Ebenso viele geben an, dass Compliance ihre operativen und technologischen Entscheidungen maßgeblich beeinflusst. Der Digital Product Passport ist damit weit mehr als ein reines Regulierungsinstrument. Er gilt als Schlüssel zu datengetriebener Nachhaltigkeit – und zu einer zukunftssicheren Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie.

Quelle: Forterro

FAQs zum Digital Product Passport

1. Was kommt ab 2027 auf Industrieunternehmen zu?

Ab 2027 führt die EU schrittweise neue produktbezogene Transparenzpflichten ein. Hersteller und Zulieferer müssen für bestimmte Produktgruppen strukturierte digitale Produktinformationen bereitstellen, um regulatorische Anforderungen zu erfüllen.

2. Welche Unternehmen sind betroffen?

Betroffen sind Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette – unabhängig davon, ob sie Hersteller, Zulieferer oder Dienstleister sind. Sobald eine Produktgruppe reguliert ist, gelten die Vorgaben für alle beteiligten Marktakteure.

3. Warum ist der Vorbereitungsgrad aktuell so gering?

Viele Unternehmen unterschätzen die Komplexität der Anforderungen oder verfügen nicht über ausreichende Compliance-Ressourcen. Hinzu kommt, dass sich die technischen Details der Regulierung noch in der Entwicklung befinden und Orientierungshilfen fehlen.

4. Welche Informationen müssen künftig digital verfügbar sein?

Erforderlich sind strukturierte Produktdaten wie Herkunft, Materialzusammensetzung, Wartungsinformationen, Reparierbarkeit sowie Angaben zu Wiederverwendung und Recycling. Diese Daten müssen über standardisierte Formate zugänglich sein.

5. Welche Herausforderungen bestehen besonders für den Mittelstand?

KMU stehen vor organisatorischen, technischen und finanziellen Hürden. Die Umsetzung erfordert Investitionen, die im Durchschnitt zwischen 21.500 Euro und 42.999 Euro liegen, sowie den Aufbau einheitlicher Daten- und Systemlandschaften.

6. Welche ersten Schritte sollten Unternehmen jetzt gehen?

Unternehmen sollten ihre bestehende Datenbasis prüfen, Systemlandschaften analysieren, Redundanzen abbauen und Compliance- sowie Nachhaltigkeitsanforderungen in bestehende ERP- und PLM-Systeme integrieren.

7. Warum lohnt sich frühes Handeln über die Pflicht hinaus?

Frühzeitige Vorbereitung schafft Transparenz, reduziert Risiken und stärkt die Wettbewerbsfähigkeit. Viele Unternehmen sehen konsequente Compliance inzwischen als strategischen Vorteil und investieren gezielt in entsprechende Technologien.