Globaler Wettbewerb

Mittelstand unter Druck aus China

Ein Spannungsfeld zwischen Absatzchancen und Wettbewerbsdruck prägt zunehmend die Beziehungen zwischen dem deutschen Mittelstand und China. Eine KfW-Befragung zeigt: Konkurrenz aus Fernost trifft Industrie und Handel besonders hart – nicht nur über den Preis.

Einst brachte China deutschen Unternehmen glänzende Geschäfte, heute wächst der Druck aus Fernost. Einen harten Wettbewerb mit China spürt auch der Mittelstand.
Einst brachte China deutschen Unternehmen glänzende Geschäfte, heute wächst der Druck aus Fernost. Einen harten Wettbewerb mit China spürt auch der Mittelstand.

Wettbewerbsdruck gewinnt an Intensität

Einst war China für viele deutsche Unternehmen ein Garant für dynamisches Wachstum. Inzwischen hat sich das Bild gewandelt. Wie aus einer Sonderbefragung der staatlichen Förderbank KfW hervorgeht, sieht sich fast jeder fünfte der 3,9 Millionen Mittelständler in Deutschland einem steigenden Wettbewerbsdruck durch chinesische Anbieter ausgesetzt. «Dabei konkurrieren die chinesischen Wettbewerber nicht nur mit günstigen Preisen, sondern auch mit einer steigenden Qualität ihrer Produkte und Dienstleistungen», heißt es in der Analyse.

Die Zahlen verdeutlichen die Dimension: 19 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen spüren wachsende Konkurrenz aus Fernost. Besonders ausgeprägt ist der Druck dort, wo Wertschöpfungstiefe und internationale Vergleichbarkeit hoch sind.

Industrie und Handel besonders betroffen

In der Industrie berichten 28 Prozent der Unternehmen von zunehmendem Druck durch Qualitätsprodukte aus China, 34 Prozent sehen sich vor allem über den Preis herausgefordert. Auch der Groß- und Einzelhandel nimmt die Wettbewerbsdynamik deutlich wahr, wie die Sonderbefragung zum KfW-Mittelstandspanel zeigt, an der im September 2025 rund 2.500 Unternehmen teilnahmen.

Insgesamt betrachten 13 Prozent aller Mittelständler die Konkurrenz aus China als eine ihrer zentralen Herausforderungen. In der Industrie steigt dieser Wert auf 29 Prozent, im Handel auf 24 Prozent.

Zugleich offenbart die Untersuchung eine differenzierte Lage: Rund 19 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen profitieren vom Handel mit China, indem sie chinesische Importe nutzen, um Kosten zu senken oder das eigene Produkt- und Dienstleistungsportfolio zu erweitern.

Pessimismus bei direktem Wettbewerb

Die KfW verweist zudem auf eine psychologische Komponente im Standortwettbewerb. «Die Wahrscheinlichkeit, dass Unternehmen ihre Zukunft pessimistisch beurteilen, steigt stark, wenn sie direkte Wettbewerber in China haben oder wenn sie besonders energieintensiv produzieren», schreibt die Förderbank.

Als strukturelle Risiken für die eigene Wettbewerbsfähigkeit nennen international aktive Unternehmen vor allem die Bürokratie in Deutschland. 65 Prozent halten sie für problematisch. Es folgen hohe Steuern mit 60 Prozent und hohe Energiekosten mit 41 Prozent – jeweils deutlich höhere Werte als noch 2023.

China bleibt Schlüsselpartner

Trotz wachsender Konkurrenz bleibt China ein zentraler Handelspartner. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) setzt auf einen Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen und betonte dies jüngst bei einem Treffen mit Ministerpräsident Li Qiang in Peking. China ist weiterhin Deutschlands wichtigster Handelspartner, noch vor den USA.

Gleichzeitig ist die Volksrepublik in Schlüsselindustrien wie Maschinenbau, Chemie und Automobilindustrie zu einem ernstzunehmenden Wettbewerber avanciert. Die wirtschaftlichen Verschiebungen sind messbar: Laut Statistischem Bundesamt gingen die deutschen Exporte nach China im Jahr 2025 um gut neun Prozent zurück, während die Importe aus Fernost kräftig anzogen. Ökonomen führen dies unter anderem darauf zurück, dass China im Zuge des Zollstreits mit den USA verstärkt Waren nach Deutschland umlenkt.

Mit Material der dpa

FAQ zum Mittelstand und China

Wie stark ist der Wettbewerbsdruck durch China im Mittelstand? – 19 Prozent der Mittelständler berichten von steigendem Druck durch chinesische Anbieter, insbesondere in Industrie und Handel.

Welche Branchen sind besonders betroffen? – Vor allem die Industrie (29 Prozent) und der Handel (24 Prozent) sehen China als zentrale Herausforderung.

Wodurch konkurrieren chinesische Anbieter? – Neben günstigen Preisen zunehmend auch durch höhere Produkt- und Dienstleistungsqualität.

Welche Standortfaktoren belasten international aktive Unternehmen zusätzlich? – Bürokratie (65 Prozent), hohe Steuern (60 Prozent) und hohe Energiekosten (41 Prozent) gelten als zentrale Risiken.