Fritz Mayr ist im Alter von 96 Jahren gestorben.

Fritz Mayr ist im Alter von 96 Jahren gestorben. (Bild: Mayr Antriebstechnik/Eddie Wölfl)

Im Alter von 96 Jahren und nach mehr als einem halben Jahrhundert als Geschäftsführer der Mayr Antriebstechnik ist Fritz Mayr am 18. Januar gestorben. Das Familienunternehmen trauert um seinen geschätzten Seniorchef. „Er hatte ein erfülltes Leben und ein stolzes Alter, trotzdem bin ich tieftraurig", sagt eine Mitarbeiterin, die Fritz Mayr in seinem Alltag unterstützt hat - zum Beispiel beim Aussteigen aus dem Taxi, das ihn bis zuletzt jeden Morgen in die Firma brachte. „Er hat mich wirklich jeden Morgen, auch wenn es ihm nicht gut ging, mit einem Lächeln begrüßt – jeden Tag“, erinnert sie sich.

Ein Kollege aus dem technischen Büro sagt: „Die Termine bei ihm waren nicht immer angenehm. Aber mehr als einmal habe ich mich beim Bearbeiten einer seiner neuen Aufgaben gefragt, warum ich nicht selbst darauf gekommen bin." Eigentlich habe er als viel jüngerer Mensch den Vorschlag machen müssen. Er habe den Blick aufs Ganze gehabt und ohne es vorher zu wissen, den Trend der Zeit getroffen. „Ich durfte so viel von ihm lernen", sagt er weiter.

Mitarbeiter erinnern sich an Fritz Mayr

Spontan gefragt erzählt ein Kollege aus der Produktion: „Wenn ich an Herrn Fritz Mayr denke, dann in erster Linie folgendes: Herr Mayr hat mich nie als Arbeiter, sondern als Mensch gesehen; ein Mensch der gemeinsam mit ihm Erfolg hat." Der persönliche Umgang miteinander habe bei Mayr an erster Stelle gestanden, gegenseitiger Respekt hatte höchste Priorität.

„Wenn ich rückblickend betrachte, welchen Einfluss Herr Mayr auf die weltweiten Märkte der Antriebstechnik, auf die Entwicklung der Firma und auch meine persönliche Entwicklung hatte, dann hat er meinen höchsten Respekt und Anerkennung verdient", sagt der Produktions-Mitarbeiter.

So prägte Fritz Mayr das Familienunternehmen

Fritz Mayr (geb. 3. April 1926) begann nach seiner Rückkehr aus russischer Kriegsgefangenschaft (1947) im Jahr 1948 sein Maschinenbaustudium an der Technischen Universität in München. Dieses schloss er im Jahr 1952 als Diplom-Ingenieur ab. Nach Anfangsjahren als Jung-Ingenieur bei der Württembergischen Metallwarenfabrik (WMF), trat er im Jahr 1956 in dritter Generation in den Familienbetrieb in Kaufbeuren ein. Das Unternehmen war Ende des 19. Jahrhunderts als Mühlschreinerei gegründet worden. Und auch in den 1950er Jahren produzierte die Firma weiter Komponenten für die damalige Antriebstechnik.

In der direkten Nachkriegszeit kam mit der Gablonzer Industrie zudem eine neue Kundengruppe auf die Firma Mayr zu. Diese war einstmals im nordböhmischen Gablonz beheimatet und dort ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Kernprodukte waren Schmuck, Accessoires und dekorative Elemente aus verschiedensten Materialien wie Glas, Stein oder unedlen Metallen.

 

Der Bedarf an industriellen Komponenten war groß, nachdem der Großteil der Unternehmen bei null anfing. Die Firma Mayr belieferte die Firmen mit allem, was sie brauchten, zum Beispiel Schleifscheiben für die Bearbeitung von Glassteinen, und Hebel- und Spindelpressen mit bis zu zehn Tonnen Druckkraft.

Aber auch schon erste zukunftsweisende Innovationen entstanden in dieser Zeit. So automatisierte Fritz Mayr, der als Enkel des Firmengründers neben seinem Vater damals bereits geschäftsführend tätig war, den vorherrschenden Handspritzguss.

Ein Durchbruch im Bereich der Antriebstechnik gab dem Unternehmen in dieser Zeit einen entscheidenden Impuls: die Entwicklung der Sicherheitskupplung. Es gab bereits Lösungen zur Drehmomentbegrenzung auf dem Markt. Diese waren allerdings nicht das, was sich Fritz Mayr unter einer hochwertigen Kupplung vorstellte. Sicherheitskupplungen, wie sie heute üblich sind, gab es nicht – hier erkannte Fritz Mayr seine Chance für eigene, qualitativ überlegene Lösungen. Mit Sicherheitskupplungen für Gehäuselüfter gelang der Firma Mayr ein erfolgreiches Debüt in diesem Bereich. 1963 kamen die EAS-Sicherheitskupplungen auf den Markt und entwickelten sich schnell zum stärksten Umsatzbringer der Firma. Im Jahr 1965 übernahm Fritz Mayr offiziell die Geschäftsführung von seinem Vater und war bis zuletzt Teil der Geschäftsführung.

 

Die Ausgangsbasis in Kaufbeuren war durch das stetige Wachstum in der Nachkriegszeit bald zu beengt: Lediglich 1.400 Quadratmeter Fläche hatte der Firmensitz in Kaufbeuren, den das Unternehmen seit der Gründung 1897 nutzte. Im Jahr 1972 erfolgte schließlich der Umzug nach Mauerstetten, wo sich der Firmensitz bis heute befindet. Inzwischen erstreckt sich das Firmengelände auf einer Fläche von rund 33.000 Quadratmetern. Rund 750 Beschäftigte gehen hier ihrer Arbeit nach.

International ausgerichtet ist die Firma Mayr bereits seit den 1960er Jahren. Vertretungen und Niederlassungen in immer mehr Ländern sorgten für Präsenz in den Märkten.

Stabilität steht beim Unternehmen im Fokus

Wichtigster Bestandteil der Firmenphilosophie war für Fritz Mayr die Stabilität. Dieses Prinzip charakterisiert den Betrieb von Beginn an und zieht sich durch alle Bereiche: Vom Produkt über die Lieferung, den Service, die Innovationen sowie allgemein die Anpassungsfähigkeit und Beständigkeit des Unternehmens. Und auch die Arbeitsplätze sind stabil.

Selbst in Zeiten von Rezession konnte das Unternehmen immer alle Arbeitsplätze erhalten und musste nie Personal entlassen. Die Stabilität steht an erster Stelle. Dies zeigt sich auch durch die Gründung der Beteiligungsgesellschaft „Mayr Familien KG“ im Jahr 2015, mit der eine solide Basis für die zukünftige Gesellschafterstruktur geschaffen wurde. In diesem Zuge übernahm Ferdinand Mayr, der Enkel von Fritz Mayr, die Firma und rückte schließlich 2018 in die Geschäftsleitung auf. Im Jahr 2022 hat Ferdinand Mayr die Funktion des CEO von Günther Klingler, der in den Ruhestand eintrat, übernommen.

Wichtigster Bestandteil der Firmenphilosophie war für Fritz Mayr die Stabilität. Dieses Prinzip charakterisiert den Betrieb von Beginn an und zieht sich durch alle Bereiche: Vom Produkt über die Lieferung, den Service, die Innovationen sowie allgemein die Anpassungsfähigkeit und Beständigkeit des Unternehmens. Und auch die Arbeitsplätze sind stabil. Selbst in Zeiten von Rezession konnte das Unternehmen immer alle Arbeitsplätze erhalten und musste nie Personal entlassen. Die Stabilität steht an erster Stelle. Dies zeigt sich auch durch die Gründung der Beteiligungsgesellschaft „Mayr Familien KG“ im Jahr 2015, mit der eine solide Basis für die zukünftige Gesellschafterstruktur geschaffen wurde. In diesem Zuge übernahm Ferdinand Mayr, der Enkel von Fritz Mayr, die Firma und rückte schließlich 2018 in die Geschäftsleitung auf. Im Jahr 2022 hat Ferdinand Mayr die Funktion des CEO von Günther Klingler, der in den Ruhestand eintrat, übernommen.

Seit der Gründung steht die Familie Mayr hinter dem Unternehmen. „Wir betrachten unser Unternehmen mit allen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen als gewachsene Mayr-Familie“, erklärt Ferdinand Mayr. Dementsprechend traurig sind jetzt viele, gerade langjährige Kolleginnen und Kollegen und Weggefährten von Fritz Mayr und die Anteilnahme ist groß.

(Quelle: Mayr)

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