Wie Plansee Abhängigkeiten in Lieferketten aufbricht
Rohstoffabhängigkeiten, volatile Märkte und fragile Lieferketten rücken die Versorgungssicherheit in den Fokus. Recycling und Partnerschaften werden zu Schlüsselfaktoren. 3 Fragen an Dr. Andreas Lackner, Mitglied des Vorstands der Plansee Holding AG.
Maximilian FestusMaximilianFestus
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Dr. Andreas Lackner erklärt: „Erst jetzt - angesichts einer dramatischen Verknappung kritischer Rohstoffe - beginnt Europa sich mit dem Gedanken zu beschäftigen, kritische Rohstoffe durch die EU zu bevorraten. Für diesen Aspekt der Versorgungssicherheit hat die Plansee Group bereits vor fast 20 Jahren die Weichen gestellt – ohne jede staatliche Unterstützung.“Plansee)
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Welche
zentralen Schwachstellen in globalen Lieferketten hat Plansee in den letzten
Jahren identifiziert und welche strategischen Entscheidungen wurden
getroffen, um daraus die richtigen Konsequenzen zu ziehen?
Dr. Andreas Lackner:China verfügt über
52 Prozent der weltweiten Wolfram-Rohstoffvorkommen. Dagegen kommen 83 Prozent
der weltweiten Wolframproduktion aus Minen aus China. Günstig produzierte
Wolframvorprodukte haben viele Jahre die weltweiten Märkte geflutet und damit
Minenprojekte in der westlichen Welt unrentabel gemacht. Die Plansee Group hat
früh erkannt, dass eine stabile, unabhängige und nachhaltige Wolframversorgung
in allen großen Wirtschaftsräumen ein wesentlicher Erfolgsfaktor für ihre
Kunden ist.
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Wolfram wird in beiden
Unternehmensbereichen verarbeitet. Bei Plansee Hochleistungswerkstoffe als
Wolframmetall für Industrien wie Medizintechnik, Unterhaltungselektronik oder
Sicherheit/Verteidigung. Bei Ceratizit als Wolframkarbid (Hartmetall), das in allen
Bereichen der industriellen Produktion sowie Bearbeitung/Zerspanung zum Einsatz
kommt (Werkzeug, Verschleißlösungen).
Im Jahr 2008 hat die Plansee Group die
strategische Entscheidung getroffen, sich stark rückwärts zu integrieren
Richtung Eigenversorgung mit Wolfram. Parallel dazu haben wir die
Wolframversorgung in allen großen Wirtschaftsräumen sichergestellt. In unseren
chinesischen Werken wird Wolfram aus China verarbeitet. In den USA und in
Europa kommt der Großteil des eingesetzten Wolframs (rund 90 Prozent) aus dem
Recycling. Der restliche Wolframbedarf wird über langfristige
Abnahmevereinbarungen mit Wolframminen gedeckt. Für diesen Schritt waren
strategischer Weitblick, unternehmerischer Mut und die Inkaufnahme hoher
Risiken notwendig.
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Wie kann ein Hochtechnologieunternehmen im internationalen Wettbewerb seine
Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen – etwa aus China – minimieren, ohne
Kompromisse bei Qualität und Kosten einzugehen?
Lackner: Um die Versorgung ihrer Kunden mit
Wolfram langfristig zu sichern, setzt die Plansee Group auf drei Säulen:
Einsammeln von Wolframschrotten
Entwicklung und Optimierung von
Recyclingtechnologien sowie
langfristige Abnahmevereinbarungen mit Betreibern
von Wolframminen.
Weil wir Wolframschrotte sehr sorgfältig sortieren und unsere
Recyclingverfahren ständig verbessern, erreichen Produkte aus recyceltem
Wolfram die gleiche Qualität wie Produkte aus Primärmaterial.
Versorgung mit Wolfram bei Plansee
Vor 20
Jahren setzte sich die Plansee Group das Ziel einer stabilen, unabhängigen
Wolframversorgung. Kern der Strategie sind Recycling, eigene Technologien und
langfristige Minenpartnerschaften. Heute stammen bis zu 90 Prozent der
Wolframprodukte aus recyceltem Material.
Als größter Hersteller außerhalb
Chinas sichert Plansee die Versorgung vom Pulver bis zum Hartmetallwerkzeug –
nachhaltig, regional diversifiziert und langfristig abgesichert.
Welche
Rolle spielen Partnerschaften, Eigenförderung und Recyclingstrategien im Umgang
mit volatilen Rohstoffmärkten und wo stößt ein Unternehmen wie Plansee an
politische oder regulatorische Grenzen?
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Lackner: Wichtiger Schritt
bei der Ausweitung unserer Recyclingquote war der Kauf des größten
Schrotthändlers für Wolframschrotte in Europa. Wichtig sind auch exklusive
Abnahmevereinbarungen mit Minen, um den langfristigen Wolframbedarf zu decken.
Für die Reaktivierung und weiteren
Erschließung der Wolframvorkommen in der Sangdong-Mine in Südkorea hat die
Plansee Group zusammen mit zwei Banken in Österreich und Deutschland ein
Finanzierungspaket geschnürt, um die Anschubfinanzierung für die lange Erschließungsphase
einer Wolframmine (im Durchschnitt 10 bis 15 Jahre) zu garantieren.
Politische Grenzen: Erst jetzt - angesichts
einer dramatischen Verknappung kritischer Rohstoffe - beginnt Europa sich mit
dem Gedanken zu beschäftigen, kritische Rohstoffe durch die EU zu bevorraten.
Für diesen Aspekt der Versorgungssicherheit hat die Plansee Group bereits vor
fast 20 Jahren die Weichen gestellt – ohne jede staatliche Unterstützung. Zudem
belasten Zölle die Ein- und Ausfuhr von recycelten Wolframwerkstoffen zwischen
den USA und der EU.
Regulatorische Grenzen: Es steht zu
befürchten, dass sich die hohen regulatorischen Anforderungen an Grenzwerte bei
der Verarbeitung von Wolframwerkstoffen zunehmend auf die
Standortentscheidungen von produzierender Unternehmen in der EU auswirken
werden.
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Kommen Sie zum European Summit!
Nach Wien
und Amsterdam findet der VDMA European Summit 2026 erstmals in Rom statt. Die
Veranstaltung am 12. und 13. März 2026 zählt zu den zentralen Treffen des
europäischen Maschinen- und Anlagenbaus.
Auf dem Programm stehen aktuelle
Branchenthemen sowie Beiträge internationaler Speaker. Zudem bietet das Treffen
umfangreiche Möglichkeiten für Austausch und Networking.