Strategie und IT-Infrastruktur

Fünf Thesen für echte digitale Souveränität

Digitale Souveränität ist für 80 Prozent der Unternehmen in Deutschland Toppriorität. Gregor von Jagow zeigt in fünf Thesen, warum Open Source, souveräne Cloudmodelle und klare Data Governance der Schlüssel zu mehr Unabhängigkeit sind.

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Ohne Open Source bleibt digitale Souveränität Fiktion.

Die digitale Souveränität zählt zu den zentralen strategischen Herausforderungen deutscher Unternehmen. Laut einer aktuellen Untersuchung von Red Hat hat sie für 80 Prozent der befragten Organisationen hierzulande höchste Priorität. Die wachsenden Bedenken hinsichtlich Kontrolle und Sicherheit digitaler Assets, Daten, Prozesse, Technologien und Lieferketten führen dazu, dass Unternehmen ihre IT-Strategien grundlegend neu ausrichten. Digitale Souveränität ist damit längst keine reine Compliance-Frage mehr, sondern eine geschäftskritische Anforderung.

Vier Dimensionen digitaler Souveränität

Doch wie lässt sich Souveränität in einer zunehmend cloudbasierten IT-Welt konkret erreichen? Vier Dimensionen sind dabei entscheidend:

  • Datensouveränität bedeutet, jederzeit die Kontrolle über Speicherung, Zugriff, Verarbeitung und Transfer von Daten zu behalten. Unternehmen müssen wissen, wo ihre Daten liegen, wer darauf zugreifen kann und nach welchen Regeln sie verarbeitet werden.
  • Technologische Souveränität umfasst unter anderem den Zugang zum Quellcode. Nur so lässt sich die Abhängigkeit von einzelnen Anbietern – und damit ein Vendor-Lock-in – wirksam reduzieren.
  • Operative Souveränität beschreibt die Fähigkeit, Workloads flexibel auf unterschiedlichen Infrastrukturen auszuführen – im eigenen Rechenzentrum, in der Public Cloud oder in hybriden Szenarien.
  • Regulatorische Souveränität stellt sicher, dass Integrität, Sicherheit und Compliance digitaler Systeme im Einklang mit nationalen und europäischen Vorgaben stehen.

These 1: Open Source konsequent einsetzen

Aus Sicht von Red Hat ist Open Source die zentrale Voraussetzung für echte digitale Souveränität. Offene Standards und quelloffene Plattformen schaffen Transparenz und Überprüfbarkeit – sowohl für Unternehmen als auch für Aufsichtsbehörden. Quelloffene Technologien legen offen, wie Daten verarbeitet werden. Gleichzeitig verhindern sie eine einseitige Abhängigkeit von proprietären Anbietern. Unternehmen gewinnen die Freiheit, eigene Services zu integrieren, Sicherheitslücken schneller zu schließen und Innovationen unabhängig voranzutreiben. Die Studie unterstreicht diese Einschätzung: 96 Prozent der Befragten sehen in einer Open-Source-Strategie den entscheidenden Hebel für mehr digitale Souveränität.

These 2: Souveräne Cloudumgebungen etablieren

Eine souveräne Cloud ist auf die rechtlichen, sicherheitsrelevanten und betrieblichen Anforderungen eines Landes zugeschnitten. Sie ermöglicht Unternehmen die vollständige Kontrolle über Daten, Workloads und Prozesse – technisch wie organisatorisch. Dabei sollte es möglich sein, Daten flexibel in der eigenen Infrastruktur, bei einem Provider oder in hybriden Modellen zu betreiben. Eine offene Hybrid-Cloud-Architektur verbindet interne Rechenzentren mit Public-Cloud-Angeboten und erlaubt es, Workloads bedarfsgerecht zu verschieben – ohne Bindung an einen einzelnen Anbieter. So lassen sich regulatorische Vorgaben einhalten und gleichzeitig lässt sich die Innovationskraft der Cloud nutzen.

These 3: Europäische Initiativen stärken

Initiativen wie Gaia-X spielen eine zentrale Rolle beim Aufbau souveräner Cloudinfrastrukturen in Europa. Sie definieren Standards für Datensouveränität und Interoperabilität. Auch branchenspezifische Projekte wie Catena-X in der Automobilindustrie tragen dazu bei, gemeinsame Datenräume auf Basis offener Standards zu etablieren. Offene Plattformen fungieren dabei als Brücke zwischen unterschiedlichen Cloudumgebungen. Sie ermöglichen es Unternehmen, heterogene IT-Landschaften zu integrieren und flexibel weiterzuentwickeln.

These 4: Interoperable Architekturen und offene Schnittstellen nutzen

Modulare IT-Architekturen mit standardisierten Schnittstellen sind ein weiterer Schlüssel zur Souveränität. Sie erleichtern den Austausch einzelner Komponenten und reduzieren die Abhängigkeit von monolithischen Komplettlösungen. APIs auf Basis offener Standards ermöglichen die Integration unterschiedlicher Systeme, verhindern neue Datensilos und schaffen technologische Entscheidungsfreiheit für die Zukunft. Unternehmen bleiben handlungsfähig, auch wenn sich Marktbedingungen oder regulatorische Anforderungen ändern.

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These 5: Data Governance systematisch ausbauen

Digitale Souveränität endet nicht bei der Infrastruktur. Sie erfordert klare Data-Governance-Modelle. Unternehmen müssen präzise definieren, wo Daten gespeichert werden, wie sie verschlüsselt sind und wie sie unternehmensweit genutzt werden dürfen. Technisch bedeutet das unter anderem:

  • Verschlüsselung von Daten im Ruhezustand (Data at Rest),
  • Verschlüsselung während der Übertragung (Data in Transit),
  • Schutz sensibler Informationen in der Verarbeitung (Data in Use),
  • Kontrolle über das eigene Encryption-Key-Management sowie
  • strikt geregelte Zugriffskonzepte.

Erst durch diese Maßnahmen lässt sich echte Datenhoheit gewährleisten.

Open Source als verbindendes Element

Die fünf Thesen zeigen: Digitale Souveränität entsteht nicht durch eine einzelne Maßnahme, sondern durch das Zusammenspiel von Technologie, Architektur, Governance und Regulierung. Das verbindende Element ist Open Source. Offene Technologien schaffen Transparenz, Interoperabilität und Innovationsfreiheit. Sie helfen Unternehmen, sich unabhängiger von geopolitischen Einflüssen und proprietären Softwareanbietern aufzustellen. Angesichts zunehmender regulatorischer Anforderungen, globaler Unsicherheiten und wachsender Cyberrisiken war digitale Souveränität vermutlich nie wichtiger als heute – und ohne Open Source bleibt sie reine Fiktion.

Quelle: Red Hat

FAQs zur digitalen Souveränität

1. Was bedeutet digitale Souveränität für Unternehmen konkret?

Digitale Souveränität beschreibt die Fähigkeit eines Unternehmens, die volle Kontrolle über seine Daten, Technologien, Prozesse und IT-Infrastrukturen zu behalten. Dazu gehören Transparenz über Datenflüsse, Unabhängigkeit von einzelnen Anbietern sowie die Einhaltung regulatorischer Vorgaben.

2. Warum ist digitale Souveränität aktuell so wichtig?

Geopolitische Unsicherheiten, strengere regulatorische Anforderungen und steigende Cyberrisiken erhöhen den Druck auf Unternehmen. Digitale Souveränität ist daher nicht mehr nur ein Compliance-Thema, sondern eine strategische Voraussetzung für Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit.

3. Welche Rolle spielt Open Source für die digitale Souveränität?

Open Source schafft Transparenz durch offenen Quellcode und reduziert das Risiko eines Vendor-Lock-ins. Unternehmen können Technologien prüfen, anpassen und unabhängig weiterentwickeln. Offene Standards fördern zudem Interoperabilität und Innovationsfähigkeit.

4. Was ist unter einer souveränen Cloud zu verstehen?

Eine souveräne Cloud ist eine Cloud-Infrastruktur, die rechtliche, sicherheitsrelevante und betriebliche Anforderungen eines Landes erfüllt. Unternehmen behalten die Kontrolle darüber, wo ihre Daten gespeichert sind, wie sie verarbeitet werden und wer Zugriff erhält – auch in hybriden Modellen.

5. Welche Bedeutung haben Initiativen wie Gaia-X oder Catena-X?

Europäische Initiativen wie Gaia-X setzen Standards für Datensouveränität und Interoperabilität. Branchenspezifische Projekte wie Catena-X schaffen sichere Datenräume und fördern die Zusammenarbeit entlang von Wertschöpfungsketten – auf Basis offener Standards.

6. Warum sind modulare IT-Architekturen entscheidend?

Modulare Architekturen mit offenen Schnittstellen ermöglichen es, einzelne Komponenten flexibel auszutauschen. Das reduziert Abhängigkeiten von monolithischen Komplettlösungen, verhindert neue Datensilos und erhöht die technologische Handlungsfreiheit.

7. Welche Maßnahmen gehören zu einer wirksamen Data Governance?

Eine wirksame Data Governance umfasst klare Regeln zur Datenspeicherung, -verarbeitung und -nutzung. Technisch zählen dazu Verschlüsselung (Data at Rest, in Transit und in Use), eigenes Schlüsselmanagement sowie strikte Zugriffskonzepte zur Sicherstellung der Datenhoheit.