Schluss mit Insellösungen

SE Tylose: Radikaler Neuanfang in der Instandhaltung

Über 30.000 Anlagen, höchste GMP-Anforderungen und fragmentierte IT: SE Tylose modernisiert seine Instandhaltung grundlegend. Mit SAP PM und dem argvis; Maintenance Portal entsteht eine durchgängige CMMS-Plattform.

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Am Traditionsstandort von SE Tylose in Wiesbaden laufen hochvernetzte Produktions- und Versorgungsanlagen rund um die Uhr – gesteuert und abgesichert durch eine digitalisierte Instandhaltung.

SE Tylose stand vor einer zentralen Herausforderung: Die Instandhaltung war über Jahre hinweg von Insellösungen, papierbasierten Prozessen und redundanten Daten geprägt. Eine echte Steuerung auf Basis belastbarer Kennzahlen war kaum möglich. Der Entschluss fiel daher bewusst radikal aus - ein kompletter Neuanfang mit einer durchgängigen, SAP-integrierten CMMS-Plattform.

Komplexe Prozesse unter hohem Regulierungsdruck

Das Unternehmen SE Tylose gehört zur japanischen Shin-Etsu-Gruppe und zählt weltweit zu den führenden Herstellern von Celluloseethern. Die Produktion basiert auf hochkomplexen chemischen Verfahren und unterliegt strengen regulatorischen Vorgaben, insbesondere in den Bereichen Pharma und Food. In sechs Produktionsbetrieben betreibt das Unternehmen mehr als 30.000 instandhaltungsrelevante Anlagenkomponenten. Rund 70 Fachkräfte aus Mechanik, Elektro-, Mess- und Regeltechnik sowie Reliability verantworten zentral die Instandhaltung. Neben Störungsbeseitigung und Wartung gehören gesetzlich vorgeschriebene Prüfungen, GMP-konforme Dokumentationen und anspruchsvolle Stillstandsplanungen zum Alltag. Die Anforderungen an Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Effizienz sind hoch.

Fragmentierte Systeme und fehlende Transparenz

Trotz dieser Komplexität war die IT-Unterstützung lange Zeit unzureichend. Excel-Listen, Access-Datenbanken, eigenentwickelte Tools, IBM Notes für Prüfprozesse sowie Insellösungen externer Prüfdienstleister liefen parallel. SAP PM wurde lediglich rudimentär genutzt, vor allem für externe Aufträge und grobe Kostenkontrollen. Die Folgen: redundante Stammdaten, Medienbrüche, fehlende Schnittstellen und kaum auswertbare Informationen. „Wir sind auf Sicht gefahren – ohne verlässliche Datenauswertung war keine echte Steuerung möglich“, beschreibt Tobias Oehler, Abteilungsleiter Reliability bei SE Tylose, die Situation. Eine konsistente Dokumentation und Analyse der Instandhaltungsprozesse war praktisch nicht umsetzbar.

Zielsetzung: Einheitliche digitale Plattform, vollständig in SAP integriert

Angesichts steigender Anlagenkomplexität, demografischem Wandel und wachsender regulatorischer Anforderungen entschied sich SE Tylose für einen grundlegenden Systemwechsel. Ziel war eine einheitliche digitale Plattform für alle instandhaltungsrelevanten Prozesse – eng integriert in das bestehende SAP-Ökosystem. Nach einem strukturierten Auswahlprozess fiel die Entscheidung auf eine Kombination aus SAP PM als technisches Rückgrat und dem argvis; Maintenance Portal als modernes, nutzerfreundliches Frontend. Ausschlaggebend waren neben Skalierbarkeit und SAP-Tiefe vor allem die Usability. „Ein CMMS lebt von Daten. Und Daten liefern nur motivierte User“, so Oehler. Die Akzeptanz im Team wurde bewusst zum zentralen Entscheidungskriterium.

Moderne Prozessanlage bei SE Tylose

Über 30.000 Aggregate werden zentral, transparent und GMP-konform über ein integriertes CMMS aus SAP PM und dem argvis; Maintenance Portal gesteuert – das digitale Rückgrat der Instandhaltung. (Bild: SE Tylose)

Agile Umsetzung mit starker Nutzerbeteiligung

Gemeinsam mit argvis arbeitete SE Tylose in iterativen Sprints, mit regelmäßigen Feedbackschleifen und klar definierten Inkrementen. Mitarbeitende aus der Instandhaltung waren von Beginn an aktiv eingebunden, testeten Funktionen und gestalteten Prozesse mit. „Unsere Leute waren keine Statisten – sie waren Mitentwickler. Das hat die Motivation enorm gesteigert“, betont Oehler.

Erweiterung und funktionaler Ausbau von SAP PM

Parallel wurde SAP PM umfassend erweitert und funktional ausgebaut. Damit bildet das System vollständige Instandhaltungsprozesse ab – von Störmeldungen über Auftrags- und Ressourcenplanung bis hin zu Prüfzyklen, Lebenslaufakten und Stillstandsmanagement. Besonders im regulierten Umfeld erwies sich die enge Abstimmung zwischen IT, Fachabteilung und Softwarepartner als entscheidend.

Daten, die endlich Wirkung zeigen

Seit dem Go-Live am 8. Dezember 2025 ist das neue System im täglichen Einsatz – mit spürbaren Effekten. Störmeldungen werden mobil direkt an der Anlage erfasst, Prüfpläne laufen automatisiert, GMP-Dokumentationen sind lückenlos und revisionssicher nachvollziehbar. Statt Insellösungen existiert nun eine zentrale Datenbasis, die Transparenz schafft und fundierte Entscheidungen ermöglicht. Die Akzeptanz im Team ist hoch. Die Bereitschaft zur digitalen Erfassung von Meldungen ist deutlich gestiegen, Prozesse wie Ersatzteilmanagement, Prüfmittelverfolgung und Stillstandsplanung laufen strukturierter und effizienter. 

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Greifbare Erfolge in kurzer Zeit

Techniker arbeiten mobil mit Tablet oder Smartphone, relevante Informationen stehen jederzeit zur Verfügung. Papierformulare und doppelte Datenpflege gehören der Vergangenheit an. Bereits wenige Monate nach dem Go-Live zeigen sich klare Mehrwerte: zentrale und auswertbare Instandhaltungsdaten, effizientere Abläufe, verbesserte Planbarkeit und eine vollständig digitale Compliance-Dokumentation. Gleichzeitig ist die Lösung skalierbar und für den Rollout auf weitere Werke der Shin-Etsu-Gruppe vorbereitet.

Ausblick: Predictive Maintenance und globaler Rollout

Mit der neuen CMMS-Plattform hat SE Tylose das digitale Fundament geschaffen – doch die nächsten Schritte sind bereits definiert. Geplant sind die Integration von IoT-Systemen zur Zustandsüberwachung, der Ausbau von Predictive-Maintenance-Ansätzen sowie eine weitere Automatisierung von Wartungs- und Prüfprozessen. Auch ein internationaler Rollout, insbesondere an US-Standorten der Gruppe, ist vorgesehen. „Wir haben jetzt das digitale Fundament – ab jetzt denken wir groß“, fasst Tobias Oehler zusammen. SE Tylose zeigt damit eindrucksvoll, wie sich Instandhaltung mit SAP PM und argvis; Maintenance Portal praxisnah, regulatorisch sicher und zukunftsorientiert transformieren lässt – als echter Hebel für Effizienz, Qualität und Anlagenverfügbarkeit.

Quelle: SE Tylose

FAQs zum CMMS-Projekt bei SE Tylose

1. Warum hat sich SE Tylose für einen radikalen Neuanfang entschieden?

Die bestehende Instandhaltungs-IT war stark fragmentiert, fehleranfällig und kaum auswertbar. Ohne durchgängige Datenbasis war keine verlässliche Steuerung möglich. Ziel war daher eine integrierte, zukunftsfähige CMMS-Plattform.

2. Welche Rolle spielen SAP PM und argvis; Maintenance Portal im neuen CMMS?

SAP PM bildet das technologische Rückgrat für alle Instandhaltungsprozesse. Das argvis; Maintenance Portal fungiert als nutzerfreundliches, mobiles Frontend und sorgt für hohe Akzeptanz und effiziente Datenerfassung.

3. Welche Herausforderungen musste das Projekt besonders berücksichtigen?

Neben der hohen Anlagenkomplexität standen strenge GMP- und FDA-Anforderungen im Fokus. Prozesse, Dokumentationen und Workflows mussten vollständig digital, revisionssicher und regulatorisch konform umgesetzt werden.

4. Wie wurden die Mitarbeitenden in das Projekt eingebunden?

Die Einführung erfolgte agil mit Scrum-Elementen. Mitarbeitende aus der Instandhaltung waren aktiv in Tests, Feedbackschleifen und Prozessgestaltung eingebunden und wirkten als Mitentwickler des Systems.

5. Welche konkreten Verbesserungen zeigt der Produktivbetrieb?

Störmeldungen werden mobil erfasst, Prüfpläne automatisiert ausgeführt und alle Instandhaltungsdaten zentral ausgewertet. Prozesse laufen schneller, transparenter und ohne Medienbrüche.

6. Wie wirkt sich das neue System auf Akzeptanz und Arbeitsalltag aus?

Die hohe Usability und mobile Nutzung haben die Akzeptanz deutlich gesteigert. Techniker arbeiten direkt an der Anlage mit Tablet oder Smartphone, Papierformulare und doppelte Dateneingaben entfallen.

7. Welche nächsten Schritte plant SE Tylose?

Geplant sind die Integration von IoT-Systemen, der Ausbau von Predictive-Maintenance-Ansätzen sowie ein internationaler Rollout, insbesondere an weiteren Standorten der Shin-Etsu-Gruppe.