Milliardensummen in Aussicht

Aufholjagd im All: Esa setzt auf europäische Lösung

Europa forciert den Ausbau seiner Weltrauminfrastruktur. Angesichts veränderter sicherheitspolitischer Rahmenbedingungen rückt die europäische Lösung in den Fokus – getragen von Milliardenbudgets, technologischer Exzellenz und engerer Kooperation der Staaten.

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Der Chef der europäischen Raumfahrtbehörde Esa, Josef Aschbacher, rät beim Ausbau der Infrastruktur im Weltraum zu verstärkter Zusammenarbeit.
Start einer Ariana-rakete der europäischen Weltraumbehörde Esa - deren Chef, Josef Aschbacher, rät beim Ausbau der Infrastruktur im Weltraum zu verstärkter Zusammenarbeit.

Europäische Lösung als strategischer Rahmen

Dr. Josef Aschbacher, Generaldirektor der Esa.
Dr. Josef Aschbacher, Generaldirektor der Esa.

Die europäische Raumfahrtbehörde Esa setzt beim Ausbau der Infrastruktur im All auf eine vertiefte Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten. «Wir bieten die europäische Lösung an. Das heißt, wir bieten den Staaten an, auch nationale Kapazitäten, die jetzt aufgebaut werden, einzufügen in ein europäisches System», sagte Esa-Generaldirektor Josef Aschbacher der Deutschen Presse-Agentur auf der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC).

Der Ansatz zielt darauf ab, nationale Programme nicht isoliert zu entwickeln, sondern sie in eine gemeinsame Architektur einzubetten. Ein deutscher Satellit etwa soll in einen europäischen Rahmen integriert werden können, der anschließend mit anderen Ländern geteilt wird. Dieses Prinzip des „pooling and sharing“ soll Effizienz heben, Synergien schaffen und strategische Abhängigkeiten reduzieren.

Sicherheit und Verteidigung rücken in den Fokus

Die veränderte Bedrohungslage fungiert als zusätzlicher Treiber für Investitionen in Raumfahrttechnologien. Diese sollen verstärkt auch für Verteidigung und Sicherheit genutzt werden. Wie Aschbacher erläuterte, sei auf der Ministerratskonferenz im November in Bremen geklärt worden, dass die Esa künftig auch im Bereich Verteidigung und Sicherheit arbeiten könne.

Damit erweitert sich das klassische Aufgabenspektrum der Behörde deutlich. Satellitenkonstellationen, Bodenstationen und gesicherte Transportfähigkeiten ins All werden zunehmend als Teil einer umfassenden Sicherheitsarchitektur verstanden.

Milliardenbudgets als Signal der Aufholjagd

Im November vergangenen Jahres verzeichnete die Esa nach eigenen Angaben ein Rekordbudget von fast 22,3 Milliarden Euro. Parallel dazu kündigte Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) an, Deutschland wolle bis 2030 insgesamt 35 Milliarden Euro für Weltraumprojekte und eine Sicherheitsarchitektur im All bereitstellen.

Diese Summen unterstreichen den politischen Willen, Europas Position im All zu stärken. Die Investitionen fließen in technologische Kapazitäten ebenso wie in operative Infrastruktur – von Satellitenverbünden bis hin zu gesicherten Start- und Transportmöglichkeiten.

Technologische Stärke – finanzielle Lücke

Trotz technologischer Exzellenz sieht Aschbacher strukturelle Defizite. «Wo Europa wirklich gut ist, ist in der Technologie, in den Ingenieuren, die wir haben, in der Industrie, die wir über 50 Jahre entwickelt haben. Die ist Weltklasse und die ist wirklich gut», stellte er fest.

Die Herausforderungen resultierten weniger aus fehlendem Know-how als aus ungleichen finanziellen Rahmenbedingungen. «In Amerika wird sechsmal so viel ausgegeben im Weltraum aus öffentlichen Mitteln wie in Europa. Wenn man sechsmal so viel Geld hat, natürlich kann man sechsmal so viel machen.»

Die europäische Lösung setzt daher auf gebündelte Ressourcen und abgestimmte Strategien. Ziel ist es, mit vereinten Kräften technologisch Schritt zu halten und die sicherheitsrelevante Infrastruktur im All resilient und wettbewerbsfähig auszubauen.

Mit Material der dpa

FAQ zur europäischen Lösung im All

Was bedeutet die europäische Lösung im All? – Die europäische Lösung beschreibt den Ansatz der Esa, nationale Raumfahrtkapazitäten in ein gemeinsames europäisches System zu integrieren und im Sinne von „pooling and sharing“ zu nutzen.

Welche Rolle spielt die Esa im Bereich Sicherheit? – Laut Beschluss der Ministerratskonferenz in Bremen kann die Esa künftig auch im Bereich Verteidigung und Sicherheit tätig werden.

Wie hoch sind die aktuellen Investitionen in die europäische Raumfahrt? – Die Esa verfügt über ein Rekordbudget von fast 22,3 Milliarden Euro; Deutschland plant bis 2030 Investitionen von 35 Milliarden Euro in Weltraumprojekte und Sicherheitsarchitektur.

Warum gilt Europa als Nachzügler im All? – Nach Aussage von Josef Aschbacher investieren die USA aus öffentlichen Mitteln etwa sechsmal so viel in den Weltraum wie Europa, was zu einem finanziellen Ungleichgewicht führt.