Die Produktion von Jungheinrich in Lüneburg steht vor dem Aus. Bis Ende März 2027 soll der Standort die Fertigung einstellen. Nach intensiven Verhandlungen wurde nun ein umfassendes Maßnahmenpaket für die betroffenen Beschäftigten vereinbart.
Jungheinrich stellt seine Produktion in Lüneburg bis Ende März 2027 ein.Jungheinrich
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Der Gabelstaplerhersteller Jungheinrich stellt seine Produktion in Lüneburg bis Ende März 2027 ein. Für die 160 Beschäftigen, deren Jobs wegfallen, einigten sich Unternehmen und die IG Metall nach langem Ringen auf einen Interessenausgleich, einen Sozialplan und einen Sozialtarifvertrag, wie die Gewerkschaft mitteilte. Das Unternehmen bestätigte die Einigung.
Geregelt sind unter anderem Abfindungen sowie die Einrichtung einer Transfergesellschaft.Die IG Metall bezeichnete das Ergebnis als substanziell, hält die Schließung des Werks jedoch weiterhin für einen Fehler. "Wir sprechen bei Jungheinrich in Lüneburg nicht über einen Sanierungsfall, sondern über die Aufgabe einer profitablen Produktion", sagte Lennard Aldag von der IG Metall Celle-Lüneburg. "Die Entscheidung war nicht durch akute wirtschaftliche Zwänge getrieben, sondern Teil einer strategischen Neuausrichtung des Konzerns."
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Millionenpaket nach vier Tagen Verhandlung
Erst vergangene Woche hatten Gespräche über Interessenausgleich, Sozialplan und Sozialtarifvertrag begonnen. Nach einer "viertägigen, intensiven Verhandlungsphase" stand die Einigung. Nach Angaben der IG Metall hat das Paket ein Volumen im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich.
Vorgesehen ist den Angaben zufolge auch eine Transfergesellschaft, die den Übergang in neue Beschäftigung erleichtern soll. Am Standort selbst sollen Konstruktion und Verwaltung mit zusammen 125 Stellen erhalten bleiben. Die eigentliche Produktion solle jedoch vollständig eingestellt werden.
Mehr als 80 Tage Streik im Werk Lüneburg
Der Einigung war ein ungewöhnlich langer Arbeitskampf vorausgegangen. Seit dem 20. November befanden sich die Produktionsbeschäftigten nach Gewerkschaftsangaben in einem unbefristeten Streik, nachdem sich zuvor eine Mehrheit in einer Urabstimmung dafür ausgesprochen hatte. Die Fertigung stand in den mehr als 80 Tagen immer wieder still. Die IG Metall sprach von einem der längsten Arbeitskämpfe in Niedersachsen seit Jahrzehnten.
Jungheinrich hatte im vergangenen Sommer ein umfangreiches Sparprogramm angekündigt. Weltweit sollten demnach rund 1.000 Stellen abgebaut werden. Bereits damals stand die Schließung des Werks in Lüneburg bis 2027 im Raum. Die IG Metall hatte die Pläne als "Tabubruch" kritisiert und dem Unternehmen vorgeworfen, ehrgeizige Wachstumsziele "auf dem Rücken der Beschäftigten" zu verfolgen.
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Spezialfertigung mit Tradition
In Lüneburg werden bislang Sonder- und Kleinserien nach speziellen Kundenanforderungen gefertigt - etwa Hubwagen für besonders enge Lager oder für sehr schwere Lasten. Das Werk für diese Sonderbauten wurde 1989 neu errichtet. Damals investierte das Unternehmen rund zwölf Millionen D-Mark in die Produktionsstätte.
Im Geschäftsjahr 2024 erzielte Jungheinrich einen Überschuss von 289 Millionen Euro, 3,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Umsatz lag bei rund 5,4 Milliarden Euro. Bis 2030 strebt das Unternehmen einen Umsatz von zehn Milliarden Euro an. Die Ergebnisse für 2025 will der Konzern Ende März vorlegen.
Warum schließt Jungheinrich die Produktion in Lüneburg?
Laut IG Metall ist die Entscheidung Teil einer strategischen Neuausrichtung des Konzerns und nicht durch akute wirtschaftliche Zwänge bedingt.
Wie viele Beschäftigte sind von der Schließung betroffen?
160 Produktionsbeschäftigte verlieren bis Ende März 2027 ihre Arbeitsplätze. Konstruktion und Verwaltung mit 125 Stellen bleiben bestehen.
Welche Maßnahmen wurden für die Beschäftigten vereinbart?
Es gibt einen Interessenausgleich, einen Sozialplan, einen Sozialtarifvertrag sowie eine Transfergesellschaft. Das Gesamtpaket hat laut IG Metall ein Volumen im zweistelligen Millionen-Euro-Bereich.
Wie entwickelte sich Jungheinrich zuletzt wirtschaftlich?
2024 lag der Überschuss bei 289 Millionen Euro bei einem Umsatz von rund 5,4 Milliarden Euro. Bis 2030 peilt das Unternehmen zehn Milliarden Euro Umsatz an.