IG Metall: Immer mehr Produktionsverlagerungen ins Ausland
Produktionsverlagerungen ins Ausland nehmen weiter zu. Eine Befragung der IG Metall zeigt, dass besonders Produktion, Entwicklung und Leitwerkfunktionen der Autoindustrie unter Druck stehen.
Die IG Metall Bayern beklagt immer mehr Verlagerungen ins Ausland. Fast jeder zweite von insgesamt 325 Betrieben, deren Betriebsräte die Gewerkschaft befragt hat, hat in den vergangenen zwölf Monaten demnach Tätigkeiten in der Produktion ins Ausland verlagert.
Symbolbild - KI-generiert
Summary: Die IG Metall Bayern hat Betriebsräte aus 325 Unternehmen zu Produktionsverlagerungen befragt. 48 % der Betriebe verlagerten binnen zwölf Monaten Produktion ins Ausland, 36 % verlagerten Entwicklungsaufgaben. Arbeitgebervertreter führen die Entwicklung auf die Standortkrise und hohe Arbeitskosten zurück.
Wie stark nehmen Produktionsverlagerungen zu?
Fast jeder zweite der 325 befragten Betriebe hat innerhalb der vergangenen zwölf Monate Teile seiner Produktion ins Ausland verlagert. Wie aus der Befragung der IG Metall Bayern hervorgeht, lag der Anteil bei 48 % und damit 3 Prozentpunkte über dem Vorjahreswert.
Auch Entwicklungsaktivitäten werden zunehmend außerhalb des bisherigen Standorts angesiedelt. Der Anteil der Unternehmen mit entsprechenden Verlagerungen stieg ebenfalls um 3 Prozentpunkte auf 36 %. Eine Entspannung der Entwicklung zeichnet sich nach Einschätzung der Gewerkschaft nicht ab.
IG-Metall-Bezirksleiter Horst Ott kritisiert, Unternehmen reagierten mit Einsparungen und Verlagerungen, anstatt bestehende Potenziale auszuschöpfen und stärker in Innovationen zu investieren. Die Entscheidungen schwächten aus Sicht der Gewerkschaft den Industriestandort.
Warum ist die Autoindustrie besonders betroffen?
In der Autoindustrie fallen die Verlagerungsquoten noch höher aus. Von den 43 in der Befragung erfassten Betrieben haben knapp drei Viertel Produktion ins Ausland verlagert. Knapp zwei Drittel verlagerten Tätigkeiten aus der Entwicklung.
Beide Werte liegen deutlich über dem Niveau des Vorjahres. Damit verschärft sich die Lage insbesondere in einem Industriebereich, der stark von technologischer Entwicklung, komplexen Lieferketten und industrieller Wertschöpfung geprägt ist.
Welche Bedeutung haben Leitwerkfunktionen?
Besondere Sorgen bereitet der IG Metall der zunehmende Verlust sogenannter Leitwerkfunktionen. In Leitwerken werden neue Produkte und Produktionstechnologien erstmals eingesetzt. Sie übernehmen damit eine zentrale Funktion bei der Einführung neuer Fertigungsprozesse und industrieller Innovationen.
Nach Einschätzung der Gewerkschaft gefährdet die Verlagerung solcher Funktionen die technologische Führungsrolle der betroffenen Standorte. Mit den Leitwerken könnten nicht nur Produktionskapazitäten, sondern auch wichtiges Know-how und zentrale Aufgaben bei der Industrialisierung neuer Produkte verloren gehen.
Wie reagieren die Arbeitgeber?
Der Arbeitgeberverband vbm weist die Kritik der Gewerkschaft zurück. Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt sieht Stellenabbau und Verlagerungen als Folge einer tiefgreifenden Standortkrise.
Der Verband kritisiert, dass sich die Arbeitsentgelte zwischen 2015 und 2025 deutlich schneller entwickelt hätten als die Unternehmenseinkommen. Hohe Arbeitskosten seien demnach ein wesentlicher Treiber für Verlagerungsentscheidungen.
Aus Sicht des Verbands müssen die Kosten sinken, damit Unternehmen wieder über ausreichende Mittel für Investitionen und Innovationen verfügen. Die Arbeitgeberseite fordert daher, stärker gemeinsam an Lösungen für die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandorts zu arbeiten.
Wie entwickelt sich die Metall- und Elektroindustrie?
Die Metall- und Elektroindustrie befindet sich seit Jahren in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage. Auch im laufenden Jahr ist die Industrieproduktion nach Angaben des zuständigen Landesamts für Statistik bislang zurückgegangen.
Die Arbeitgeberverbände bayme und vbm rechnen für das laufende Jahr mit dem Abbau von rund 20.000 Stellen. Gleichzeitig sollen Unternehmen im Saldo nur noch im Ausland zusätzliche Beschäftigung aufbauen, während die Zahl der Arbeitsplätze im Inland sinkt.
Zur Metall- und Elektroindustrie gehören unter anderem Automobilhersteller und Zulieferer, der Maschinenbau, die Elektroindustrie und Rüstungsunternehmen. Produktionsverlagerungen betreffen damit zentrale Bereiche der industriellen Wertschöpfung.
Mit Material der dpa
FAQ Produktionsverlagerungen
• Warum nehmen Produktionsverlagerungen zu? – Arbeitgebervertreter verweisen auf eine Standortkrise und hohe Arbeitskosten, während die IG Metall fehlende Investitionen und Innovationsanstrengungen kritisiert.
• Wie viele Unternehmen melden Produktionsverlagerungen? – 48 % der 325 befragten Betriebe haben innerhalb von zwölf Monaten Produktion ins Ausland verlagert.
• Welche Rolle spielt die Autoindustrie bei Produktionsverlagerungen? – In der Autoindustrie haben knapp drei Viertel der befragten Betriebe Produktion und knapp zwei Drittel Entwicklungsaufgaben verlagert.
• Warum sind Leitwerke von Produktionsverlagerungen betroffen? – Leitwerke führen neue Produkte und Produktionstechnologien ein und besitzen deshalb eine hohe Bedeutung für Innovation und Industrialisierung.
• Welche Folgen haben Produktionsverlagerungen für die Beschäftigung? – Die Arbeitgeberverbände erwarten einen weiteren Stellenabbau im Inland, während neue Arbeitsplätze überwiegend im Ausland entstehen sollen.