Die Stahlproduktion in Deutschland ist im ersten Halbjahr 2026 gestiegen. Trotz des Zuwachses sieht die Stahlbranche jedoch weiterhin keine nachhaltige Trendwende.
In Deutschlands angeschlagener Stahlbranche geht es wieder etwas aufwärts, die Situation bleibt aber angespannt.gui yong nian - stock.adobe.com
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Summary: Die deutsche Stahlindustrie produzierte im ersten Halbjahr 2026 rund 18,6 Mio. t Stahl und damit 9 % mehr als im Vorjahreszeitraum. Nach Angaben der Wirtschaftsvereinigung Stahl reicht der Anstieg jedoch nicht für eine wirtschaftlich tragfähige Auslastung. Hoffnung setzt die Branche auf neue EU-Zollregeln und staatliche Infrastrukturinvestitionen.
Die deutsche Stahlindustrie hat ihre Stahlproduktion im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum gesteigert. Wie die Wirtschaftsvereinigung Stahl mitteilt, wurden rund 18,6 Mio. t Stahl produziert. Das entspricht einem Plus von 9 % gegenüber dem ersten Halbjahr 2025.
Trotz des Anstiegs bleibt das Produktionsniveau unter dem Wert des ersten Halbjahres 2024. Damals lag die Stahlproduktion bei 19,4 Mio. t. Im ersten Halbjahr 2025 war die Produktion um knapp 12 % zurückgegangen.
Warum spricht die Branche nicht von einer Trendwende?
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Nach Einschätzung der Wirtschaftsvereinigung Stahl lassen die aktuellen Zahlen keine nachhaltige Trendwende erkennen. Hochgerechnet auf das Gesamtjahr würde die Stahlproduktion 2026 bei rund 37 Mio. t liegen. Damit bliebe sie unter der Marke von 40 Mio. t, die nach Angaben des Verbandes für eine wirtschaftlich tragfähige Auslastung erforderlich ist.
Auch die Nachfrage aus wichtigen Abnehmerbranchen entwickelt sich weiterhin schwach. Vor allem Bau, Maschinenbau und Automobilindustrie bleiben hinter den Erwartungen zurück.
„Echte Erholung beginnt erst, wenn auch die reale Stahlnachfrage zurückkehrt“, sagt Kerstin Maria Rippel, Hauptgeschäftsführerin der Wirtschaftsvereinigung Stahl. „Die steigende Produktion darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Stahlindustrie weiterhin in einer schwierigen Lage befindet.“
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Die Produktionszuwächse seien laut Rippel vor allem Ausdruck einer technischen Gegenbewegung, etwa weil Firmenkunden ihre Lager wieder auffüllten.
Hoffnungen setzt die Branche auf die seit Juli geltenden EU-Regelungen für Stahlimporte. Unter bestimmten Voraussetzungen werden zusätzliche Zölle auf importierten Stahl erhoben. Damit sollen unter anderem Billigimporte aus Asien eingedämmt werden, die den europäischen Herstellern seit Jahren zusetzen.
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„Das Handelsschutzinstrument ist für den Stahlstandort Deutschland und Europa unverzichtbar“, sagt Rippel. „Es sorgt dafür, dass sich eine künftige Erholung der Nachfrage auch tatsächlich in einer höheren Kapazitätsauslastung der Stahlunternehmen in Deutschland und anderen EU-Mitgliedstaaten niederschlagen kann.“
Was fordert die Stahlindustrie von der Politik?
Die Wirtschaftsvereinigung Stahl fordert zusätzliche Nachfrageimpulse. Insbesondere die angekündigten staatlichen Infrastrukturinvestitionen in Höhe von 500 Mrd. EUR müssten möglichst rasch in konkrete Projekte umgesetzt werden.
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„Daraus kann ein entscheidender Konjunkturimpuls erwachsen“, erklärt Rippel.
Darüber hinaus spricht sich der Verband dafür aus, bei öffentlichen Vergabeverfahren ein verbindliches „Made-in-EU-Kriterium“ einzuführen, um heimische Stahlhersteller stärker zu berücksichtigen.
Die deutsche Stahlindustrie steht weiterhin unter erheblichem wirtschaftlichem Druck. Überkapazitäten, hohe Energiekosten und die schwache Nachfrage belasten die Unternehmen. Der größte deutsche Stahlhersteller Thyssenkrupp Steel Europe baut deshalb Tausende Arbeitsplätze ab.
Gleichzeitig gibt es auch positive Signale aus der Branche. So hat Salzgitter seine Prognose für das Jahr 2026 zuletzt angehoben.
• Warum steigt die Stahlproduktion in Deutschland? – Die Produktion legte im ersten Halbjahr 2026 gegenüber dem Vorjahr um 9 % zu. Nach Angaben der Wirtschaftsvereinigung Stahl ist dies vor allem auf eine technische Gegenbewegung und Lagerauffüllungen zurückzuführen.
• Warum gilt die höhere Stahlproduktion nicht als Trendwende? – Die hochgerechnete Jahresproduktion bleibt mit rund 37 Mio. t unter der für eine wirtschaftlich tragfähige Auslastung erforderlichen Marke von 40 Mio. t.
• Welche Branchen beeinflussen die Stahlproduktion besonders? – Vor allem die Nachfrage aus Bauwirtschaft, Maschinenbau und Automobilindustrie ist für die Stahlhersteller entscheidend.
• Welche Bedeutung haben die neuen EU-Zollregeln für die Stahlproduktion? – Die Branche erwartet, dass zusätzliche Schutzzölle auf bestimmte Stahlimporte die Auslastung europäischer Stahlunternehmen verbessern können.
• Welche politischen Maßnahmen fordert die Stahlbranche für die Stahlproduktion? – Gefordert werden schnell wirksame Infrastrukturinvestitionen sowie ein verbindliches „Made-in-EU-Kriterium“ bei öffentlichen Beschaffungen.