Die EU-ETS-Reform rückt ins Zentrum der Stahlindustrie: ArcelorMittal, Thyssenkrupp Steel und Voestalpine fordern pragmatische Anpassungen am Emissionshandel.
ArcelorMittal Europe, Thyssenkrupp Steel und Voestalpine sehen die europäische Stahlindustrie gefährdet, sollte der Emissionhandel nicht angepasst werden.Thyssenkrupp
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Summary: ArcelorMittal Europe, Thyssenkrupp Steel und Voestalpine fordern eine Reform des EU-Emissionshandelssystems. Der Appell richtet sich auf eine Kostenpause, bessere Rahmenbedingungen für Dekarbonisierung und fairere Wettbewerbsbedingungen. Ohne Anpassungen sehen die Unternehmen Risiken für Stahlproduktion, Wertschöpfungsketten und Arbeitsplätze in Europa.
Warum die EU-ETS-Reform für Stahlhersteller drängt
Was ist ETS?
„ETS“ steht für das Emissions Trading System, also den europäischen Emissionshandel. Dabei bekommen Unternehmen eine begrenzte Anzahl von CO2-Zertifikaten; wer mehr ausstößt, muss zusätzliche Rechte kaufen.
Das System ist ein Klimaschutzinstrument nach dem Prinzip „Cap and Trade“: Es gibt eine Obergrenze für Emissionen, und diese Rechte werden handelbar gemacht. So soll es wirtschaftlich attraktiver werden, Emissionen zu senken.
ArcelorMittal Europe, Thyssenkrupp Steel und Voestalpine haben gemeinsam eine dringende und pragmatische Reform des EU-Emissionshandelssystems gefordert. Wie Thyssenkrupp Steel mitteilt, warnen die Unternehmen, dass der derzeitige Kurs ohne Anpassungen die industrielle Basis Europas zu zerstören drohe.
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Die drei Stahlhersteller verweisen dabei auf ihre Rolle in der europäischen Industrie. Zusammen stehen sie nach eigenen Angaben für rund 60 % der integrierten Stahlproduktion in Europa und damit für einen erheblichen Teil industrieller Wertschöpfungsketten in der EU. Alle drei Unternehmen bekennen sich zur Dekarbonisierung ihrer Produktion, fordern aber einen politischen Rahmen, der diesen Umbau ermöglicht und nicht behindert.
ETS-Kosten treffen energieintensive Industrie
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Nach Einschätzung von ArcelorMittal, Thyssenkrupp Steel und Voestalpine hat das EU-ETS im Energiesektor bereits zu deutlichen Emissionsminderungen geführt. Für energieintensive Industrien wie die Stahlindustrie biete das System aus Sicht der Unternehmen jedoch noch keinen tragfähigen Weg zur wirtschaftlichen Dekarbonisierung.
Als zentrale Voraussetzungen nennen die Hersteller wettbewerbsfähige Strompreise, erschwinglichen grünen Wasserstoff, Klimaschutzverträge, CO2-Abscheidung und -Speicherung sowie Leitmärkte für emissionsarmen Stahl. Diese Rahmenbedingungen seien weiterhin unzureichend entwickelt oder noch nicht in großem Maßstab verfügbar.
Unter den aktuellen Bedingungen erwarten die Unternehmen, dass die Kosten für die Stahlproduktion in der EU bis Anfang der 2030er Jahre um rund 50 % steigen. Da stahlintensive Importe keinen entsprechenden CO2-Kosten unterliegen und EU-Stahlexporte keine Erstattung zur Deckung dieser Kosten erhalten, sehen die Hersteller erhebliche Folgen für Produktion und Wertschöpfungskette.
Die Unternehmen rechnen ohne Reformen des EU-ETS mit einem Rückgang der stahlintensiven Produktionstätigkeit um 30–40 %. Dadurch könnten nach ihrer Einschätzung bis zu 5 Millionen Arbeitsplätze entlang der gesamten Wertschöpfungskette gefährdet sein.
Ein solches Szenario stünde aus Sicht der Stahlhersteller im Widerspruch zum Ziel der EU, den Anteil des verarbeitenden Gewerbes am BIP auf 20 % zu erhöhen. Zugleich würde es die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit Europas in einer Phase verschärften globalen Wettbewerbs schwächen.
Was die Unternehmen bei der EU-ETS-Reform fordern
ArcelorMittal , Thyssenkrupp Steel und Voestalpine fordern eine vorübergehende Aussetzung der Kostensteigerungen im ETS. Das derzeitige Niveau solle beibehalten werden, bis die wesentlichen Voraussetzungen für eine wirtschaftlich tragfähige Dekarbonisierung geschaffen sind.
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Zudem verlangen die Unternehmen einen Rahmen, der Vorreiter der Dekarbonisierung unterstützt. Frühe Projekte sollen demnach weiter vorangetrieben werden können. Die Einnahmen aus dem ETS sollten nach Auffassung der Hersteller in die industrielle Dekarbonisierung reinvestiert werden, damit die Mittel den Übergang beschleunigen.
Auch bei Importen und Exporten fordern die Unternehmen einen ausgewogenen Ansatz für die Wettbewerbsfähigkeit. Die Einführung des CO2-Grenzausgleichsmechanismus CBAM und die bevorstehenden Zollkontingente bewerten sie als wichtige Schritte hin zu faireren Wettbewerbsbedingungen. Die EU-ETS-Reform bezeichnen sie jedoch als letztes erforderliches Puzzleteil, damit Europa dekarbonisieren und zugleich eine starke industrielle Basis erhalten kann.
Marie Jaroni, CEO von Thyssenkrupp Steel, sagte: „Das ETS braucht einen Realitätscheck. Es reflektiert nicht die industrielle Gegenwart Europas, in der Wettbewerbsfähigkeit und Transformation immer weniger vereinbar sind. Deshalb brauchen wir beim ETS eine Kostenpause, um die Transformation abzusichern und „First Mover“ wie uns nicht zu benachteiligen. Die Reform muss dazu beitragen, Klimaschutz und industrielle Entwicklung für die Zukunft Europas erfolgreich zusammenzubringen.“
Herbert Eibensteiner, Vorstandsvorsitzender der Voestalpine AG, sagte: „Voestalpine trägt im Rahme des Greentec Tteel-Programms erhebliche Investitionen und wird die Emissionen in den kommenden Jahren deutlich reduzieren. In einem herausfordernden wirtschaftlichen Umfeld führt jedoch der schrittweise Wegfall der freien Zuteilung bereits dazu, dass finanzielle Mittel, die für die entscheidende Phase der Transformation benötigt werden, gebunden werden.
Eine Aussetzung im ETS Rahmen, bis die notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen sind, ist entscheidend, um diese Investitionen abzusichern und weitere Dekarbonisierungsschritte zu ermöglichen."
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Lakshmi Mittal, Executive Chairman von ArcelorMittal, sagte: „Es muss eine Zukunft für das ETS gefunden werden, die Anreize für die Dekarbonisierung schafft, ohne die Wettbewerbsfähigkeit zu beeinträchtigen. Das ist kein leicht zu lösendes Problem, aber eine Reform des ETS ist unerlässlich, und wir begrüßen es, dass die politischen Entscheidungsträger Europas das Thema wieder auf die Tagesordnung gesetzt haben.
Die Entscheidung, vor der sie stehen, ist nicht die zwischen Klimazielen und Wettbewerbsfähigkeit. Die Entscheidung ist die zwischen einer Klimastrategie, die Europas Widerstandsfähigkeit und wirtschaftliche Sicherheit stärkt, und einer, die diese untergräbt.“
Der Appell der drei Stahlhersteller zielt auf eine Balance zwischen Klimaschutz, Transformationsfähigkeit und industrieller Wettbewerbsfähigkeit. Aus Sicht der Unternehmen muss das EU-ETS so angepasst werden, dass Investitionen in emissionsärmere Produktion nicht durch steigende Kosten und ungleiche internationale Wettbewerbsbedingungen belastet werden.
Damit rückt die EU-ETS-Reform in eine Schlüsselrolle für die europäische Stahlindustrie. Die Hersteller sehen sie als Voraussetzung dafür, Dekarbonisierung voranzutreiben und gleichzeitig Wertschöpfung, Produktion und Beschäftigung in Europa zu sichern.
• Was fordern die Unternehmen bei der EU-ETS-Reform? – ArcelorMittal, Thyssenkrupp Steel und Voestalpine fordern eine pragmatische Reform mit einer vorübergehenden Kostenpause im ETS.
• Warum ist die EU-ETS-Reform für die Stahlindustrie wichtig? – Die Unternehmen sehen steigende ETS-Kosten, fehlende Rahmenbedingungen und Risiken für Wettbewerbsfähigkeit und Dekarbonisierung.
• Welche Rolle spielt die EU-ETS-Reform für die Dekarbonisierung? – Sie soll nach Ansicht der Hersteller Investitionen absichern, First Mover unterstützen und ETS-Einnahmen in industrielle Dekarbonisierung lenken.
• Welche Folgen drohen ohne EU-ETS-Reform? – Die Unternehmen warnen vor einem Rückgang stahlintensiver Produktion um 30–40 % und vor Risiken für bis zu 5 Millionen Arbeitsplätze.
• Wer fordert die EU-ETS-Reform? – ArcelorMittal Europe, Thyssenkrupp Steel und Voestalpine haben den gemeinsamen Appell veröffentlicht.