Deutsche Unternehmen

Kampfjet-Entwicklung: Acht Firmen formieren sich zu Team Gen 6

Die Kampfjet-Entwicklung nach dem FCAS-Aus nimmt neue Formen an: Acht deutsche Rüstungsunternehmen formieren sich als Team Gen 6.

Nach dem FCAS-Aus werden neue Allianzen für einen neuen Kampfjet gesucht. Einige deutsche Unternehmen unterzeichneten dafür nun ein strategisches Positionspapier - und setzen auf Hilfe aus Spanien.
Nach dem FCAS-Aus werden neue Allianzen für einen neuen Kampfjet gesucht. Einige deutsche Unternehmen unterzeichneten dafür nun ein strategisches Positionspapier - und setzen auf Hilfe aus Spanien.

Summary: Acht Unternehmen aus Deutschland wollen nach dem Ende des FCAS-Kampfjet-Projekts ein neues Kampfflugzeug mitentwickeln. Auf der ILA in Berlin veröffentlichten sie ein strategisches Positionspapier und betonten die multinationale Zusammenarbeit. Parallel formiert sich eine spanische Industrieallianz; offen ist, wie die Kooperation im Detail weitergeht.

Wie die Kampfjet-Entwicklung nach FCAS neu startet

Nach dem Aus des gemeinsamen französisch-deutschen Kampfflugzeug-Projekts FCAS suchen Industrie und Politik nach neuen Allianzen. Acht Rüstungsunternehmen haben sich nun als „Team Gen 6“ positioniert, um ein neues Kampfflugzeug mitzuentwickeln.

Zu dem Zusammenschluss gehören die Rüstungssparte von Airbus, MTU, Hensoldt, MBDA, Autoflug, Diehl Defence, Liebherr sowie Rohde und Schwarz. Die Unternehmen veröffentlichten im Rahmen der Internationalen Luft- und Raumfahrtausstellung ILA in Berlin ein strategisches Positionspapier.

Darin heißt es: „Wir dürfen keine Zeit verlieren, müssen von deutscher Seite Verantwortung übernehmen sowie Handlungsfähigkeit zeigen und den Weg zu einem luftgestützten vernetzten Waffensystem mit einem starken Führungsanspruch konsequent weiter beschreiten“.

Team Gen 6 setzt auf neue industrielle Aufstellung

Mit dem Positionspapier macht das Team Gen 6 deutlich, dass die deutsche Industrie nach dem FCAS-Aus eine aktive Rolle bei der Entwicklung eines neuen Kampfjets übernehmen will. Im Mittelpunkt steht dabei nicht nur ein einzelnes Flugzeug, sondern ein luftgestütztes, vernetztes Waffensystem.

Wie aus der Mitteilung der Unternehmen hervorgeht, betonen die beteiligten Firmen zudem ihren Willen zur multinationalen Zusammenarbeit. Damit rückt neben der deutschen Industrie auch die europäische Partnerstruktur wieder in den Fokus.

Welche Rolle Spanien bei der Kampfjet-Entwicklung spielen soll

Parallel zur deutschen Allianz bildet sich auch in Spanien ein industrieller Zusammenschluss. In der Pressemitteilung heißt es: „Eng verzahnt mit den deutschen Partnern formiert sich auch die spanische Industrie mit den Unternehmen Indra, Airbus Defence and Space, Grupo Oesia, GMV, ITP und Sener“.

Damit könnten deutsche und spanische Unternehmen künftig enger zusammenarbeiten. Wie diese Zusammenarbeit im Detail ausgestaltet wird, ist nach derzeitigem Stand jedoch noch offen.

Warum FCAS gescheitert ist

FCAS steht für „Future Combat Air System“. Deutschland und Frankreich hatten das Projekt 2017 vereinbart. Der gemeinsame Kampfjet sollte in Deutschland den Eurofighter und in Frankreich die Rafale-Jets ablösen.

In den Verhandlungen konnten sich Dassault und Airbus jedoch nicht auf eine gemeinsame Linie verständigen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron verkündeten daraufhin das Ende des milliardenschweren Kampfjet-Projekts.

Was von FCAS weitergeführt werden soll

Ganz abgeschlossen ist FCAS dennoch nicht. Merz betonte am Mittwoch auf der ILA, dass ein Teil des Projekts weitergeführt werde: die sogenannte Combat Cloud.

Über diese Combat Cloud sollen unterschiedlichste Waffensysteme vernetzt werden. Damit bleibt ein technologischer Kern des ursprünglichen FCAS-Konzepts erhalten, auch wenn der gemeinsame Kampfjet in der bisherigen Form nicht weiterverfolgt wird.

Wie es mit der neuen Kampfjet-Allianz weitergehen könnte

Wie es nun konkret weitergeht, ist offen. Als wahrscheinlichste Möglichkeit gilt, dass Airbus und die sieben Kooperationspartner gemeinsam mit der spanischen Allianz eine Zusammenarbeit mit dem schwedischen Hersteller Saab anstreben.

Damit würde sich nach dem Ende des deutsch-französischen FCAS-Projekts eine neue europäische Konstellation in der Kampfjet-Entwicklung abzeichnen. Für die beteiligten Unternehmen geht es dabei um industrielle Handlungsfähigkeit, technologische Vernetzung und die künftige Rolle Europas bei luftgestützten Waffensystemen.

Mit Material der dpa

FAQ zur Kampfjet-Entwicklung nach FCAS

• Was bedeutet die Kampfjet-Entwicklung nach FCAS? – Nach dem Aus des deutsch-französischen FCAS-Projekts wollen acht deutsche Unternehmen als Team Gen 6 ein neues Kampfflugzeug mitentwickeln.

• Welche Unternehmen sind an der Kampfjet-Entwicklung beteiligt? – Beteiligt sind Airbus, MTU, Hensoldt, MBDA, Autoflug, Diehl Defence, Liebherr sowie Rohde und Schwarz.

• Welche Rolle spielt Spanien bei der Kampfjet-Entwicklung? – In Spanien formiert sich parallel eine Allianz aus Indra, Airbus Defence and Space, Grupo Oesia, GMV, ITP und Sener.

• Was bleibt von FCAS für die Kampfjet-Entwicklung erhalten? – Weitergeführt werden soll die Combat Cloud, über die unterschiedliche Waffensysteme vernetzt werden sollen.

• Wie geht die Kampfjet-Entwicklung weiter? – Details sind offen; als wahrscheinlich gilt eine Zusammenarbeit von Airbus, den sieben Partnern und der spanischen Allianz mit Saab.