KSS-Filtration wird bei SHW Brake Systems zum Schlüsselfaktor für hartstoffbeschichtete Euro-7-Bremsscheiben. Knoll und Bantleon liefern dafür Filtertechnik und Kühlschmierstoff.
Wolfgang KlingaufWolfgangKlingauf
SHW Brake Systems plant, in der neu eingerichteten Halle eine Million hartstoffbeschichteter Bremsscheiben zu produzieren.Knoll
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Summary:
SHW Brake Systems fertigt in Neuhausen ob Eck hartstoffbeschichtete Bremsscheiben für die Anforderungen der Euro-7-Norm. Seit Anfang 2026 läuft die Produktion, unterstützt durch eine zentrale MicroPur-Filteranlage von Knoll und einen wassermischbaren KSS von Bantleon. Die Lösung reduziert Schaumbildung, filtert feinste Partikel aus dem Kühlschmierstoff und soll eine Serienkapazität von rund einer Million Low Emission Brakes pro Jahr ermöglichen.
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Die Euro-7-Abgasnorm, die ab dem 29. November
2026 für die Typgenehmigung neuer Pkw-Modelle und ein Jahr später für alle
Neuzulassungen in der EU eingeführt wird, verschärft nicht nur das zulässige
Limit für Motoremissionen. Erstmals werden auch Grenzwerte für
Bremsstaubpartikel eingeführt – eine Herausforderung für die Hersteller von
Bremssystemen. Sie reagieren darauf mit der Entwicklung beschichteter
Bremsscheiben, die deutlich weniger Korrosion und Verschleiß aufweisen.
So auch die SHW Brake Systems GmbH, Technologieführer
im Bereich Bremsscheiben für Fahrzeuge der Oberklasse, für Sportwagen und
Motorsportfahrzeuge. Der Premiumhersteller setzt sich schon seit Jahren mit den
neuen Anforderungen auseinander und steht derzeit auf der Schwelle zur
Serienfertigung von Bremsscheiben, die mit Titan-Karbiden beschichtet sind.
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Boris Memel, seit 30 Jahren bei SHW, derzeit Leiter
‚New Business Development Brake Discs‘, ist seit 2022 für das Projekt Low
Emission Brake (LEB) zuständig. Er berichtet: „Unser Standort Neuhausen ob Eck ist
das Kompetenzzentrum für einbaufertige Grauguss- und Verbundbremsscheiben. Hier
haben wir im letzten Jahr eine Halle eingerichtet, in der wir ausschließlich
hartstoffbeschichtete Bremsscheiben produzieren.“ Anfang 2026 ist die Produktion
bereits angelaufen und vier Monate später im Übergang in Ausbaustufe zwei. Ein
Jahr darauf soll der Endausbau abgeschlossen sein, so dass dann eine Produktionskapazität
von rund einer Million LEBs pro Jahr zur Verfügung steht.
Hohe Fertigungstiefe – vom
Grundkörper bis zur Beschichtung
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Ein Alleinstellungsmerkmal der SHW Brake
Systems GmbH ist die enorme Fertigungstiefe. In Tuttlingen werden die Bremsscheibenrohlinge
gegossen, im Werk Neuhausen fertigbearbeitet. Selbst die superleichten
Verbundbremsscheiben stellt SHW einbaufertig her – inklusive Aluminiumguss.
Die Knoll Zentralanlage ist zunächst für die KSS-Versorgung von drei Serienschleifanlagen ausgelegt. Im Bedarfsfall kann die Filterleistung noch erweitert werden.Knoll
Auf diesen Produkten basieren auch die neuen
emissionsarmen Bremsscheiben. Sie erhalten allerdings noch eine Veredelung on
top. In automatisierten ADCS-Anlagen (Advanced Disc Coating System) werden auf
beiden Seiten mittels Laserauftragsschweißen jeweils zwei Schichten
aufgebracht, die erste aus Edelstahl und nachfolgend eine aus einer Titan-Karbid-Mischung.
So entsteht beidseitig eine etwa 400 µm dicke Schicht, die anschließend –
ebenfalls vollautomatisiert – im Doppelplanschleifverfahren finalisiert wird.
Das sind anspruchsvolle Verfahren, die bei
SHW Brake Systems eine mehrjährige Entwicklungsarbeit erforderlich machten.
Zumal im Unternehmen bis dahin kaum Erfahrung in der Schleifbearbeitung bestand.
Gesamtprojektleiter Boris Memel erklärt: „Unsere Integral- und Verbundbremsscheiben
werden seit vielen Jahren auf Dreh-Fräszentren feingedreht – in
Trockenbearbeitung bzw. mit Minimalmengenschmierung. Damit erreichen wir die
benötigten engen Toleranzen und erzielen sehr feine Oberflächengüten. Für die harten
Oberflächen der LEB-Scheiben ist jedoch eine Schleifbearbeitung unerlässlich.“
Schleifbearbeitung – eine zentrale
Aufgabe
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Um die kümmerte sich federführend Siegmund
Tonn, ein erfahrener Fertigungsmitarbeiter, bereits seit 24 Jahren bei SHW
tätig. Vor drei Jahren übernahm er die Verantwortung für die Prozessentwicklung
Schleifen. „Wir haben zunächst eine Testanlage angeschafft, um Erfahrungen zu sammeln“,
berichtet Tonn. Diese für Kleinserienfertigung ausgelegte Schleifmaschine war
von Herstellerseite aus mit einem Standardschmierstoff (synthetische Lösung)
befüllt und mit einer Knoll-Filteranlage mit Verbrauchsvlies ausgestattet.
Bei den ersten Schleifversuchen traten jedoch
Probleme mit Schaumbildung im KSS auf. Um diese in den Griff zu bekommen wandte
sich Tonn an Knoll Maschinenbau, Bad Saulgau. Ralph Knobelspies, der für SHW
zuständige Knoll-Außendienstmitarbeiter half bei den Optimierungsmaßnahmen:
„Unsere Empfehlung war, zunächst mit dem Kühlschmierstoffspezialisten Bantleon
Kontakt aufzunehmen, mit dem uns eine jahrelange Partnerschaft verbindet. Er hat
spezielle synthetische Lösungen im Programm, die schon so manches Schaumproblem
lösen konnten.“
Gesagt, getan. Siegmund Tonn setzte sich mit
Leonard Knaus, Technischer Berater bei Bantleon, zusammen, der eine Befüllung
mit Avilub Metacool ETA vorschlug: „Mit Wasser gemischt bildet dieser synthetische
– also nicht mineralölhaltige – Kühlschmierstoff eine klarsichtige Lösung von
hoher Stabilität, selbst bei hoher Salzbelastung. Ihn zeichnen seine gute
Spülwirkung und lange Standzeit aus. Außerdem enthält der Avilub Metacool ETA spezielle
Zusätze, die es ermöglichen, dass die Schaumbildung schnell zerstört wird.“
Der gewünschte Effekt trat ein, die
Schaumbildung ging zurück. Doch der Verschmutzungsgrad des KSS nach der
Filtrierung ließ noch zu wünschen übrig. Das Problem: Bei der Beschichtung
werden Titan-Karbide aufgebracht, die beim Schleifen einen sehr feinen Schlamm
ergeben. Diese Partikel lassen sich mit normalen Bandfiltersystemen nicht
vollständig entfernen. Sie reichern sich an, schaden der Maschine und
verhindern zunehmend die gewünschten Oberflächen der Bremsscheiben.
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MicroPur – ein Feinstfilter für
wassermischbaren KSS
Für ein optimales Schleifergebnis sind bei SHW neben der Doppelplanschleifmaschine auch der Bantleon-KSS und die zentrale Filteranlage von Knoll verantwortlich.Knoll
Hier versprach Filterspezialist Knoll unmittelbar
Abhilfe. „Wir haben den Vliesfilter gegen unseren Feinstfilter MicroPur getauscht
– erst im Bypass, dann im Vollstrom“, berichtet Ralph Knobelspies und erklärt: „Der
MicroPur® ist ein Rückspülfilter zum Abscheiden feinster
Verunreinigungen aus Kühlschmierstoffen. Mit ihm sind wir in der Lage,
Verschmutzungen bis zu einer Partikelgröße von 1 bis 3 µm aus der synthetischen
Lösung herauszufiltern. So hat sich die Verunreinigung des Kühlschmiermediums auf
nahezu null verbessert.“
Das Knoll-Feinstfiltersystem MicroPur besteht
aus einzelnen Modulkästen, die mit Filterpatronen bestückt sind. Diese Elemente
erreichen durch eine sternförmige Faltung eine besonders große Filterfläche. Für
den Einsatz bei synthetischen Lösungen erhält das Filtermedium eine spezielle Beschichtung,
die das Eindringen des Wassers ins Gewebe verhindert.
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Eine weitere zentrale Eigenschaft des
MicroPur: Die Filterpatronen lassen sich einzeln mit der Lösung rückspülen,
ohne den Filterprozess zu unterbrechen. Um eine möglichst große
Rückspül-Effektivität zu erreichen, setzt Knoll eine eigene Spülpumpe ein, die
mit gereinigtem KSS zurückspült, anstatt mit teurer Druckluft. Das schlägt sich
in einer längeren Standzeit der Filterpatronen und geringeren Wartungskosten nieder. Der Rückspülvorgang dauert pro Filterpatrone
weniger als vier Sekunden, fällt dadurch in der Gesamtleistung nicht ins
Gewicht und erzeugt ein sehr geringes Rückspülvolumen.
Getestet und für gut befunden
Nach einem Jahr Betriebszeit der Testanlage
waren sich die Fertigungsverantwortlichen um Siegmund Tonn bei SHW Brake
Systems sicher: „Der Bantleon Schmierstoff ETA und der Knoll MicroPur-Filter
eignen sich optimal für die Schleifbearbeitung der hartstoffbeschichteten
Bremsscheiben. Damit starten wir in die Serienfertigung.“
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Sechs MicroPur-Filtermodule versorgen drei Doppelplanschleifmaschinen mit bis zu 1440 l/min gereinigtem KSS.Knoll
Tonn, seit 2025 als Projektleiter für die gesamte
LEB-Industrialisierung zuständig, ging mit Daniel Kujundzic, dem zuständigen Knoll-Vertriebsingenieur,
in die Planung einer Zentralanlage für die KSS-Reinigung aller drei in der
Endausbaustufe vorgesehenen Schleifanlagen. Kernelement sind sechs MicroPur-Module
mit jeweils vier Filtereinheiten.
Das größte Element der Filteranlage ist der
Schlammräumer, ein Becken, das rund 32 qm Flüssigkeit fasst. In ihm setzen sich
die schweren Partikel ab und werden über einen Kratzbandförderer entfernt. Das mit
leichteren Fraktionen verschmutzte Kühlmedium wird vom Schmutztank durch die
Filterelemente gepumpt, und dann in gereinigtem Zustand durch den
Plattenwärmetauscher in den Reintank und weiter zu den Maschinen gefördert.
Der beim Rückspülen der MicroPur-Elemente
abgeschiedene Schlamm landet zunächst in einem Automatikkonzentrator, in dem
wiederum schwere Partikel zu Boden sinken. Die Flüssigkeit mit Schwebeteilchen
wird über ein zusätzliches MicroPur-Element gereinigt und dem Reintank wieder
zurückgeführt.
Zuverlässig und wartungsarm
Siegmund Tonn und Boris Memel von SHW Brake Systems (2. und 3. von links) sind mit der Unterstützung durch Leonard Knaus von Bantleon (links) sowie Daniel Kujundzic und Ralph Knobelspies von Knoll hochzufrieden.Knoll
„Mit Knoll und Bantleon ist es uns gelungen,
auch den Serienfertigungsprozess optimal zu gestalten“, resümiert Siegmund
Tonn. „Wir haben nur minimale Schaumbildung, die sich spätestens auf dem Weg zu
den MicroPur-Filtern auflöst. Zusätzlich profitieren wir vom Korrosionsschutz
des Bantleon-ETA-KSS und der guten Hautverträglichkeit.“
Auch für die zentrale
Kühlschmierstoff-Reinigung findet er lobende Worte: „Sie arbeitet hervorragend
und ist absolut wartungsarm.“ Zudem installierte Knoll eine automatische
Nachdosierung. Die Messeinheit kann die bestehende Konzentration ermitteln und
die benötigte Menge festlegen, die beim Nachfüllen für eine Gesamtkonzentration
von vier Prozent benötigt wird. „Die automatische Messung und Nachdosierung funktionieren
perfekt“, bestätigt Siegmund Tonn, und Leonard Knaus stimmt ihm zu. Im
4-Wochen-Rhythmus nimmt er eine Probe und führt ein strenges Monitoring durch. In
diesem Rahmen werden neben pH-Wert, Nitrit und Konzentration weitere Parameter
im Bantleon-Labor ausgewertet, um die Prozesssicherheit dauerhaft
sicherzustellen. „Die Werte stimmen mit den Ergebnissen der Knoll-Sonde fast
1:1 überein“, berichtet der Bantleon-Berater.
Boris Memel und Siegmund Tonn sind sich
einig, was die Zusammenarbeit mit Knoll und Bantleon bei der Installation,
Planung und Projektierung anbelangt: „Hinsichtlich der Technik und des
Engagements war das eine vorbildliche Leistung. Auch während des Betriebs
erhalten wir sehr zuverlässigen Support. Diese Partner können wir nur empfehlen.“
FAQ zur KSS-Filtration bei SHW
Warum ist KSS-Filtration bei SHW Brake Systems wichtig? – Die KSS-Filtration entfernt feinste Partikel aus dem Kühlschmierstoff, die beim Schleifen titan-karbidbeschichteter Bremsscheiben entstehen.
Welche KSS-Filtration setzt SHW ein? – SHW nutzt eine zentrale MicroPur-Filteranlage von Knoll mit sechs Modulen und jeweils vier Filtereinheiten.
Welche Partikelgröße kann die KSS-Filtration abscheiden? – Der MicroPur-Filter kann Verunreinigungen bis zu einer Partikelgröße von 1 bis 3 µm aus der synthetischen Lösung herausfiltern.
Welcher Kühlschmierstoff wird mit der KSS-Filtration kombiniert? – Zum Einsatz kommt Avilub Metacool ETA von Bantleon, ein mineralölfreier, wassermischbarer Kühlschmierstoff.
Welche Wirkung hat die KSS-Filtration auf die Serienfertigung? – Sie reduziert Verschmutzungen im Kühlschmierstoff, unterstützt stabile Schleifprozesse und trägt zur Qualität hartstoffbeschichteter Bremsscheiben bei.