China treibt die Entwicklung mit hoher Geschwindigkeit voran, während USA und Europa unterschiedlich reagieren. Die Technologie könnte den Gütertransport in den kommenden Jahren grundlegend verändern.
Audun Wickstrand-IversenAudunWickstrand-IversenAudun Wickstrand-IversenPortfoliomanager DNB Disruptive Opportunities bei DNB Asset Management
Ein autonomer Elektro-Lastwagen fährt bei Sonnenaufgang über eine Stadtautobahn und symbolisiert den Wandel in der Logistik.Joseph Maniquet - stock.adobe.com
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Summary:
Ein Kommentar von DNB Asset Management zeigt, wie selbstfahrende Lastwagen Kosten senken und Märkte verschieben. China treibt die Entwicklung mit hoher Geschwindigkeit voran, während USA und Europa unterschiedlich reagieren. Die Technologie könnte den Gütertransport in den kommenden Jahren grundlegend verändern.
Die Revolution rollt leise über die Autobahn.
Noch sitzt in den meisten Lastwagen ein Fahrer, doch die Technologie, die ihn
eines Tages ersetzen könnte, fährt bereits mit. Kameras, Radar, künstliche
Intelligenz und leistungsfähige Batterien verändern derzeit eine der ältesten
Industrien der modernen Wirtschaft: den Gütertransport. Was lange nach
Science-Fiction klang, wird zunehmend zum industriellen Projekt. Selbstfahrende
Lastwagen stehen kurz davor, die Logistik grundlegend zu verändern – mit Folgen
weit über die Transportbranche hinaus.
Die Kostenrevolution im Gütertransport
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Der
wirtschaftliche Treiber hinter dieser Entwicklung ist einfach zu verstehen.
Gütertransport ist ein margenschwaches Geschäft, in dem jeder eingesparte
Franken pro Kilometer zählt. In der klassischen Diesel-Logistik entfallen ein
großer Teil der Kosten auf den Fahrer selbst. Löhne, Sozialabgaben und
gesetzliche Ruhezeiten bestimmen, wie viel ein Lastwagen pro Tag tatsächlich
fahren kann. Autonome Fahrzeuge versprechen, dieses Kostenmodell aufzubrechen.
In vielen Transportnetzen machen Fahrerkosten rund 30 bis 50 Prozent der
gesamten Betriebskosten eines Lastwagens aus. Wenn ein Fahrzeug ohne Fahrer
betrieben werden kann, verändert sich die Rechnung fundamental.
Hinzu kommt die Elektrifizierung. Elektromotoren
benötigen weniger Wartung, Strom ist vielerorts günstiger als Diesel, und
digitale Systeme können Fahrweise, Geschwindigkeit und Routen optimieren. In
Kombination mit autonomer Technologie entsteht ein neues Kostenmodell. Studien
und Branchenanalysen zeigen, dass selbstfahrende Lastwagen in bestimmten
Einsatzbereichen bereits heute 13 bis 40 Prozent günstiger betrieben werden
können als konventionelle Diesel-Lkw. Bis 2030 könnte der Kostenvorteil in
manchen Segmenten sogar bis zu 50 Prozent erreichen.
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Ein weiterer Effekt entsteht durch die Nutzung
der Fahrzeuge selbst. Ein menschlicher Fahrer darf in vielen Ländern nur rund
zehn Stunden pro Tag fahren, danach greifen gesetzliche Ruhezeiten. Ein
autonomer Lastwagen dagegen kann nahezu rund um die Uhr unterwegs sein. Aus
Sicht eines Logistikunternehmens bedeutet das eine deutlich höhere
Kapitalrendite auf das Fahrzeug. Der gleiche Lastwagen transportiert mehr Güter
pro Tag und kann Strecken schneller abdecken. Für Lieferketten, die immer
stärker auf Geschwindigkeit und Planbarkeit angewiesen sind, ist das ein
entscheidender Vorteil.
China als Taktgeber der Industrie
Wie schnell
sich diese Technologie durchsetzt, hängt stark von der Region ab. Besonders
weit fortgeschritten ist die Entwicklung derzeit in China. Dort hat der Staat
die Elektrifizierung und Digitalisierung des Schwerverkehrs zu einer
industriepolitischen Priorität erklärt. Hersteller wie BYD oder Geely
entwickeln elektrische Lastwagen, während Technologieunternehmen autonome
Systeme beisteuern. Das Ergebnis ist eine ungewöhnlich schnelle Skalierung des
Marktes.
Die Zahlen sind eindrücklich. Im Jahr 2025 wurden
in China mehr als 231 000 neue elektrische oder hybride Lastwagen verkauft –
ein Wachstum von rund 182 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im Dezember desselben
Jahres machten elektrifizierte Modelle erstmals mehr als die Hälfte der
Neuzulassungen aus und übertrafen damit Dieselantriebe. Auch bei der autonomen
Technologie liegt China vorne. Tausende selbstfahrende Lastwagen sind bereits
im kommerziellen Einsatz, vor allem auf klar definierten Strecken zwischen Logistikzentren,
Häfen oder Industrieanlagen. Zusammen legen sie täglich mehr als eine Million
Kilometer zurück. Unternehmen wie Inceptio oder Pony.ai haben bereits Hunderte
Millionen Test- und Betriebskilometer gesammelt.
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Der Vorsprung Chinas beruht auf einem
Zusammenspiel aus staatlicher Förderung, Infrastrukturinvestitionen und
industrieller Strategie. Subventionen senken die Anschaffungskosten für
Elektrofahrzeuge, während gleichzeitig Lade- oder Batteriewechselstationen
aufgebaut werden. Je mehr Fahrzeuge auf der Strasse sind, desto mehr Daten
sammeln die autonomen Systeme. Diese Daten wiederum verbessern die künstliche
Intelligenz der Fahrzeuge – ein Kreislauf, der die Entwicklung beschleunigt.
Amerika setzt auf Technologie
In den USA
zeigt sich ein anderes Bild. Technologisch sind amerikanische Unternehmen
teilweise führend, doch die Marktdurchdringung ist noch gering. Elektrische
Schwerlastfahrzeuge machen bislang nur einen kleinen Teil des Marktes aus, und
auch autonome Systeme befinden sich überwiegend in Pilotprojekten. Dennoch
entstehen gerade hier einige der ambitioniertesten Projekte der Branche. Das
Technologieunternehmen Aurora beispielsweise testet autonome Transporte auf
langen Autobahnstrecken im Süden der USA. Eine der Teststrecken verbindet Fort
Worth in Texas mit Phoenix in Arizona – eine Distanz von rund 1600 Kilometern.
Ein autonomer Lastwagen kann diese Strecke theoretisch ohne Pause zurücklegen,
während ein menschlicher Fahrer gesetzlich nach maximal elf Stunden Fahrtzeit
stoppen muss.
Auch andere Unternehmen arbeiten an ähnlichen
Konzepten. Kodiak Robotics entwickelt autonome Systeme für Ferntransporte,
während Tesla versucht, mit seinem elektrischen Sattelschlepper «Semi» eine
neue Fahrzeugplattform zu etablieren. Die Serienproduktion wurde mehrfach
verschoben, doch langfristig plant das Unternehmen Produktionskapazitäten von
bis zu 50 000 Lastwagen pro Jahr.
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Europa unter regulatorischem Druck
Europa bewegt
sich zwischen diesen beiden Modellen. Hier wird die Transformation weniger
durch Technologieunternehmen als durch Regulierung vorangetrieben. Die EU hat
ambitionierte Klimaziele für den Schwerverkehr formuliert. Hersteller müssen
ihre CO₂-Emissionen bis 2025 um 15 Prozent und bis 2030 um 45 Prozent gegenüber
dem Niveau von 2019 senken. Diese Vorgaben zwingen die Branche, in elektrische
Antriebe zu investieren. Hersteller wie Volvo Trucks, Scania oder Daimler Truck
haben bereits Serienmodelle elektrischer Lastwagen auf den Markt gebracht.
Dennoch befindet sich der Markt noch in einer frühen Phase. Im Jahr 2025 lag
der Anteil emissionsfreier Lastwagen bei rund drei Prozent der Neuzulassungen
in Europa.
Ein aktueller Marktkommentar von Audun Wickstrand-Iversen, Portfoliomanager DNB Disruptive Opportunities bei DNB Asset Management.DNB Asset Management
Autonome Systeme werden in Europa voraussichtlich
langsamer eingeführt als in China oder in einigen US-Bundesstaaten. Die
komplexe Regulierung, dicht besiedelte Verkehrsnetze und die Vielzahl
nationaler Zuständigkeiten machen den Einsatz fahrerloser Fahrzeuge
schwieriger. Daher konzentrieren sich viele Projekte zunächst auf kontrollierte
Umgebungen wie Häfen, Logistikzentren oder feste Transportkorridore.
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Wenn Logistik zum Softwaregeschäft wird
Die
wirtschaftlichen Folgen dieser Entwicklung könnten weit über die
Transportbranche hinausreichen. Elektrische Lastwagen senken nicht nur die
Kosten für Logistikunternehmen, sondern verändern auch die Nachfrage nach
Energie. Wenn Schwertransporte zunehmend elektrisch betrieben werden, sinkt
langfristig der Bedarf an Diesel. Erste Hinweise darauf sind bereits sichtbar,
insbesondere in China, wo die Elektrifizierung des Schwerverkehrs schneller
voranschreitet als von vielen Analysten erwartet.
Gleichzeitig entstehen neue Wertschöpfungsketten.
Der Wettbewerb verlagert sich von Motoren und Getrieben hin zu
Batterietechnologie, Softwareplattformen und Daten. Sensoren wie LiDAR und
Radar, leistungsfähige Halbleiter und künstliche Intelligenz werden zu
zentralen Komponenten der Fahrzeuge. Unternehmen, die diese Technologien
liefern, könnten zu den wichtigsten Profiteuren der kommenden
Logistikrevolution zählen.
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Ein neuer Investitionszyklus
Für Investoren
stellt sich damit eine klassische Frage der Technologiewirtschaft: Wann ist der
richtige Zeitpunkt, um einzusteigen? Viele disruptive Innovationen folgen einem
ähnlichen Muster. In den frühen Jahren sind Kosten hoch, Geschäftsmodelle unsicher
und der Markt klein. Doch wenn die Technologie einmal wirtschaftlich wird, kann
die Verbreitung sehr schnell wachsen.
Der Markt für selbstfahrende Lastwagen könnte
sich genau an diesem Übergang befinden. Während China bereits in eine Phase
schneller Skalierung eintritt, stehen Europa und die USA noch am Anfang der
Entwicklung. Sollte sich die Kombination aus Elektrifizierung und autonomem
Fahren tatsächlich als kostengünstiger erweisen als der traditionelle
Dieseltransport, könnte sich der Schwerverkehr in den kommenden zehn bis
fünfzehn Jahren stärker verändern als in den fünfzig Jahren zuvor.
Die Lastwagen der Zukunft werden dann weniger wie
klassische Fahrzeuge funktionieren und mehr wie mobile Rechenzentren auf
Rädern. Sie werden Daten sammeln, miteinander kommunizieren und ihre Routen
selbst optimieren. Für die Logistikbranche bedeutet das einen radikalen
Effizienzgewinn. Für Investoren eröffnet sich ein neues industrielles Ökosystem
– und für die Autobahn ein Bild, das lange nur in Visionen existierte: Kolonnen
von Lastwagen, die scheinbar von selbst fahren.
FAQ – Selbstfahrende Lastwagen
Was sind selbstfahrende Lastwagen? – Selbstfahrende Lastwagen sind Nutzfahrzeuge, die mithilfe von Sensorik, KI und Software ohne Fahrer operieren können.
Warum sind selbstfahrende Lastwagen wirtschaftlich relevant? – Sie senken Betriebskosten, insbesondere durch den Wegfall von Fahrerkosten und effizientere Nutzung der Fahrzeuge.
Welche Rolle spielt China bei selbstfahrenden Lastwagen? – China treibt die Entwicklung durch staatliche Förderung, Infrastruktur und hohe Marktdynamik besonders stark voran.
Wie entwickeln sich selbstfahrende Lastwagen in Europa? – Europa setzt vor allem auf Regulierung und Elektrifizierung, während autonome Systeme langsamer eingeführt werden.
Welche Auswirkungen haben selbstfahrende Lastwagen auf die Industrie? – Sie verändern Wertschöpfungsketten, erhöhen die Bedeutung von Software und Daten und verschieben die Nachfrage nach Energie.