Die Brikettierung von Schleifschlamm ermöglicht SKF in Lüchow, Kühlschmierstoff nahezu vollständig wiederzuverwenden. Zugleich sinken Entsorgungskosten und Materialvolumen deutlich.
Peter KlingaufPeterKlingauf
In seinem größten deutschen Automotive-Werk in Lüchow gewinnt der Wälzlagerhersteller SKF mit Ruf-Brikettieranlagen, Kühlschmiermittel zurück und reduziert Entsorgungskosten auf ein Fünftel.SKF
Anzeige
Summary: SKF Automotive setzt seit November 2025 im Werk
Lüchow zwei Brikettierpressen von Ruf Maschinenbau ein. Die Anlagen pressen
Kühlschmierstoff aus jährlich rund 1.000 t Schleifschlamm und führen ihn in den
Produktionskreislauf zurück. Dadurch sinken die Entsorgungskosten um etwa 80 %,
während sich das Abfallvolumen auf rund ein Fünftel reduziert.
Sie wollen mehr über den Deutschen Maschinenbau-Gipfel erfahren? Klicken Sie hier!
In seinem größten
deutschen Automotive-Werk produziert das schwedische Unternehmen SKF
Kegelrollenlager für schwere Trucks, Trailer, Pkw sowie Windenergieanlagen. Die
etwa 440 Mitarbeitenden von SKF Automotive am Standort Lüchow im östlichen
Niedersachsen konzentrieren sich auf das Schleifen von Innen- und Außenringen,
weitere Lagerelemente werden zugeliefert.
Beim Schleifen der Werkstücke fallen
pro Jahr rund 1.000 Tonnen sogenannter Schleifschlamm an – ein Gemisch aus mit
Kühlschmiermittel (KSM) kontaminierten Schleifspänen. Der Feststoffanteil beträgt
etwa 50 Prozent und besteht überwiegend aus Stahlabrieb sowie einem geringen
Anteil an Schleifmittelrückständen (Korund); den größten Masseanteil macht der
gebundene Kühlschmierstoff aus.
Einstufung als „gefährlicher Abfall“
Anzeige
Zur weitgehenden Trennung von
Feststoffen und Kühlschmierstoff setzt SKF Automotive seit Jahren
Druckbandfiltersysteme ein. Der dabei entstehende Filterkuchen enthält
materialbedingt noch knapp über 50 Gewichtsprozent KSM – mit der Folge, dass
die Entsorgung sowohl mengenbezogen als auch abfallrechtlich erheblich ins
Gewicht fällt: Das Material wird gemäß Abfallschlüssel 120118* als „ölhaltiger
Metallschlamm“ und somit als gefährlicher Abfall eingestuft.
Bis zur Einführung der Brikettierung
wurden jährlich rund 1.000 Tonnen dieses Filterkuchens entsorgt – gebunden
darin rund 500.000 Liter Kühlschmierstoff, der so weder zurückgewonnen noch
wiederverwendet werden konnte. Der doppelte wirtschaftliche Nachteil – teurer
Neukauf des KSM bei gleichzeitig kostspieliger Entsorgung – gab den Ausschlag,
eine ressourcenschonende Lösung zu finden.
Martin Projahn, Fachkoordinator
Zentralversorgung, und sein Team erkannten schnell, dass Brikettieren die
geeignete Lösung ist. Wie ein bei Ruf durchgeführter Pressversuch ergab, lassen
sich durch den Einsatz der Ruf-Anlagen rund 50 Prozent des Kühlschmierstoffs
aus dem Filterkuchen auspressen. Gleichzeitig reduziert sich das Volumen der
Masse auf etwa ein Fünftel. Entsprechend seltener müssen auch die Container, in
denen das Material innerbetrieblich gesammelt wird, getauscht werden.
Anzeige
Kompakte Presse benötigt nur 6 qm Stellfläche
Vor allem Innen- und Außenringe für Wälzlager bearbeitet SKF-Automotive am Standort Lüchow per Schleifen und Honen, wobei hunderte Tonnen Schleifschlamm anfallen.Ruf
„Bei der Partnerwahl
war Ruf als Weltmarktführer von Anfang an in der engeren Auswahl“, berichtet Martin Projahn. Das von Ralf
Lorbach, technischem Berater der Ruf Maschinenbau GmbH & Co. KG,
entwickelte Konzept überzeugte SKF Automotive und setzte sich im
Ausschreibungsverfahren durch. Seit November 2025 sind im Werk Lüchow zwei
Brikettierpressen vom Typ Ruf 22/2000/120S im Einsatz – mit jeweils rund 22 kW
Antriebsleistung und einer niveaugesteuerten KSM-Abförderpumpe, die direkt im
Maschinenkorpus integriert ist.
Der Filterkuchen aus den
Druckbandfiltern wird über Transportbänder zu den Pressen gefördert und fällt
dort in den Materialtrichter. Sobald sich genügend Material angesammelt hat,
startet die Presse über einen Niveausensor automatisch – und wechselt nach
Abschluss des Pressvorgangs selbsttätig in den Standby-Betrieb. Diese
diskontinuierliche Arbeitsweise ist auf den taktgebundenen Betrieb der
Druckbandfilter abgestimmt.
Anzeige
Für ein Unternehmen wie
SKF-Automotive, das 136 Stunden pro Woche produziert, ist es besonders
wichtig, dass die Ruf-Pressen für mannlosen 24/7-Betrieb konzipiert sind.
Herausgepresste KSS werden komplett wiederverwendet
Die zylinderförmigen
Briketts mit 120 mm Durchmesser, 50 bis 60 mm Länge und 1,5 bis
2 kg Masse werden über eine Auslaufschiene automatisch in einen Sammelcontainer ausgeworfen. Das
ausgepresste Kühlschmiermittel sammelt sich in einer Auffangwanne unter der
Presse und wird von der integrierten KSM-Abförderpumpe zurück zu den
Druckbandfiltern geleitet, dort von Feststoffen befreit und anschließend wieder
in der Produktion eingesetzt.
Bei der im Lüchower
SKF-Werk vorhandenen Schleifschlammzusammensetzung könnte jede Presse bis zu
etwa 150 kg/h Briketts erzeugen. Also deutlich mehr als die rund
500 t Briketts, die jede
Presse pro Jahr tatsächlich produziert. Doch die Anlagen wurden gezielt für
größere Mengen ausgelegt, sodass sie auch die bei Produktionsspitzen
anfallenden Mengen Schleifschlamm ohne Zwischenlagerung sofort verarbeiten
können.
Minimaler Personalaufwand für Betrieb
Anzeige
Manuelle Arbeiten
sind im Alltagsbetrieb der Brikettierpressen kaum erforderlich. Eine integrierte Wannenspülung mit
gereinigtem Kühlschmierstoff verhindert kontinuierlich Ablagerungen an der
Flüssigkeitsaustrittsstelle der Presskammer und trägt so zur hohen
Betriebssicherheit bei.
„Dank der robusten Technik der Firma
Ruf haben wir eine nahezu hundertprozentige Verfügbarkeit der Pressen. Das ist
für uns sehr wichtig, da die Anlagen direkt in unseren Produktionsprozess
integriert sind“, hebt Martin Projahn hervor. Würde eine der Pressen ausfallen,
müsste die Produktion gestoppt oder der anfallende Schleifschlamm wie zuvor in
Auffangcontainern zwischengelagert und kostenpflichtig entsorgt werden.
Eine lohnende Investition
Anzeige
Hier eine der beiden Ruf-Brikettieranlagen vom TYP Ruf 22/2000/120S mit jeweils ca. 22 KW Antriebsleistung und im Maschinenkorpus integrierter Förderpumpe für den ausgepressten Kühlschmierstoff.Ruf
Die Gesamtrechnung
sieht nun so aus: Die beiden Pressen verarbeiten insgesamt etwa 1000 t Schleifschlamm pro Jahr.
Daraus entstehen rund 500 t Briketts: Bedingt durch die
Gewichtsreduzierung halbiert sich die zu entsorgende Tonnage. Zusätzlich sinken
die Kosten pro Tonne, weil das brikettierte Material nicht mehr als
gefährlicher Abfall gilt, sondern nun unter den günstigeren Abfallschlüssel
120102 – „Eisenstaub und -teilchen“ – fällt.
Zudem werden rund
500 t Kühlschmierstoff aus den Filterkuchen gepresst und in den Kreislauf
zurückgeführt. Da es sich beim KSS um eine fünfprozentige Emulsion handelt,
entspricht die zurückgewonnene Menge etwa 25 t Konzentrat.
Zusammen mit dem
Hersteller des KSS-Konzentrats überwachen die Experten von SKF die
Eigenschaften der Emulsion genau. „Bislang gab es keinen Hinweis, dass wir den
zurückgewonnenen Kühlschmierstoff aus Qualitätsgründen verwerfen müssten“,
erklärt Martin Projahn.
Auch bei den
Entsorgungskosten profitiert SKF vom Brikettieren erheblich. „Erste Zahlen
zeigen, dass wir die Kosten um etwa 80 Prozent senken konnten, resultierend aus
weniger Tonnage und einem günstigeren Abfallschlüssel“, so Projahn.
Volumenreduzierung vereinfacht das Handling
Hier eine der beiden Ruf-Brikettieranlagen vom TYP Ruf 22/2000/120S mit jeweils ca. 22 KW Antriebsleistung und im Maschinenkorpus integrierter Förderpumpe für den ausgepressten Kühlschmierstoff.Ruf
Da die Briketts mit
einer Dichte von etwa 2,2 kg/dm3 nur noch etwa ein Fünftel so
viel Raum beanspruchen, wie zuvor der Schleifschlamm, sind zudem entsprechend
weniger Transporte innerhalb des Firmengeländes nötig. Nur noch einmal am Tag
muss der Sammelcontainer mit den Briketts vor jeder Presse per Gabelstapler
durch einen leeren ersetzt werden.
𝗙𝗔𝗤 𝘇𝘂𝗿 𝗕𝗿𝗶𝗸𝗲𝘁𝘁𝗶𝗲𝗿𝘂𝗻𝗴 𝘃𝗼𝗻 𝗦𝗰𝗵𝗹𝗲𝗶𝗳𝘀𝗰𝗵𝗹𝗮𝗺𝗺
Wie funktioniert die Brikettierung von Schleifschlamm bei
SKF? – Zwei Pressen verdichten den Filterkuchen und pressen rund 50 % des darin
gebundenen Kühlschmierstoffs aus.
Welche Vorteile bietet die Brikettierung von
Schleifschlamm? – Die Entsorgungskosten sinken um etwa 80 %, die zu entsorgende
Masse halbiert sich und das Volumen reduziert sich auf rund ein Fünftel.
Wie viel Kühlschmierstoff gewinnt die Brikettierung von
Schleifschlamm zurück? – Aus jährlich rund 1.000 t Schleifschlamm werden etwa
500 t Kühlschmierstoff zurückgewonnen.
Welche Anlagen nutzt SKF für die Brikettierung von
Schleifschlamm? – Im Werk Lüchow arbeiten zwei Brikettierpressen vom Typ Ruf
22/2000/120S mit jeweils rund 22 kW Antriebsleistung.
Wie wird der Kühlschmierstoff nach der Brikettierung von
Schleifschlamm genutzt? – Der Kühlschmierstoff wird gefiltert und anschließend
erneut dem Schleifprozess zugeführt.