Minimalmengenschmierung gilt in der Zerspanung oft als heikel. HAM Präzision zeigt mit dem Knoll AerosolMaster, wie ATS Prozesse sauberer, effizienter und ressourcenschonender machen kann.
Wolfgang KlingaufWolfgangKlingauf
Im HAM Performance Center übernimmt ein Hermle Bearbeitungszentrum C 12 U sämtliche Bohr- und Fräsaufgaben. Es kann zur Bearbeitung mit Emulsion, aber auch trocken und mit dem Knoll Minimalmengenschmiersystem AerosolMaster genutzt werden.Knoll
Anzeige
Summary:
HAM Präzision nutzt im Performance Center in Schwendi-Hörenhausen das Minimalmengenschmiersystem AerosolMaster 4000 ATS von Knoll. Seit der Einrichtung des Performance Centers mit Partnern im Jahr 2019 wird die Prozesskette von der Simulation bis zur Zerspanung abgebildet. Das System soll bei Aluminium, Stahl und Titan Bearbeitungsergebnisse wie mit Emulsion ermöglichen und zugleich KSS-Aufwand, Reinigung und Verbrauch senken.
Sie wollen mehr über den Deutschen Maschinenbau-Gipfel wissen? Klicken Sie hier!
Minimalmengenschmierung (MMS) ist noch in
vielen Köpfen als ein schmutziger und klebriger Prozess verankert. Ein
Vorurteil, dem Raffael Eberle, der gemeinsam mit seinen Eltern Petra und Günter
Eberle die Geschäfte des Werkzeugherstellers HAM Präzision führt, deutlich
widerspricht: „Das kann man so nicht sagen. Es kommt auf das richtige
MMS-System an. Bei dem von Knoll angebotenen Aerosol-Trockenschmierprozess
(ATS) wird beispielsweise ein ultrafeines Luft-Öl-Gemisch erzeugt, das beim
Zerspanungsprozess für die erforderliche Schmierung und Kühlung sorgt. Der
Verbrauch ist minimal, ein Schnapsglas Schmiermedium pro Stunde genügt. So kann
kein Kleben und kein Schmutz entstehen.“
Der studierte Produktionstechniker weiß
genau, wovon er spricht: „Schließlich beschäftigen wir uns intensiv mit der
Zerspanung als Anwendungsfeld unserer Produkte.“ HAM Präzision – die
Hartmetallwerkzeugfabrik Andreas Maier GmbH in der oberschwäbischen Gemeinde
Schwendi – produziert seit 1969 Werkzeuge aus Vollhartmetall und
polykristallinen Diamanten (PKD). „Wir haben ein Standardsortiment, das viele
Einsatzfälle abdeckt. Aber wir sehen uns in erster Linie als Lösungsanbieter
für besonders anspruchsvolle Zerspanungsaufgaben. Wir unterstützen unsere
Kunden dabei, ihre Prozesse zu optimieren, Taktzeiten zu minimieren und
Werkzeugwechsel einzusparen. Dafür entwickeln wir Sonder- und Kombi-Werkzeuge,
die insgesamt rund 70 Prozent unseres Umsatzvolumens ausmachen.“
Anzeige
Raffael Eberles Begeisterung gilt der Prozessanalyse
und Optimierung, was nicht nur die eigene Fertigung effizienter macht. „Unsere diesbezüglichen
Erfahrungen sind für viele Kunden wertvoll, und sie lassen sich in gemeinsamen
Projekten ausbauen“, davon ist der HAM-Geschäftsführer überzeugt. Doch dazu
braucht es ein geeignetes Versuchsfeld und Partnerunternehmen, die bereit sind,
an einer optimierten Prozesskette mitzuarbeiten. Vor diesem Hintergrund
entschloss sich HAM im Jahr 2019, auf Partnersuche zu gehen und mit diesen ein Performance
Center einzurichten, das eine solche Prozesskette abbildet – vom digitalen Bauteil
über die Simulation bis zur tatsächlichen Zerspanung auf der Maschine.
HAM Performance Center bildet die
komplette Prozesskette ab
Anzeige
Das Knoll Minimalmengenschmiersystem AerosolMaster eignet sich für nahezu alle Fertigungsverfahren mit geometrisch bestimmter Schneide und für verschiedenste Werkstoffe.Knoll
„Wir haben für das Performance Center geeignete
Partner gesucht und gefunden“, berichtet Raffael Eberle. „Heute sind hier
renommierte Global Player vertreten, wie zum Beispiel Hermle, Knoll, Zoller,
SolidCAM, Lang Technik, Blum, Diebold und viele mehr, mit denen wir die
komplette Prozesskette abbilden.“
Gemeinsam mit diesen Unternehmen arbeitet HAM
an verschiedenen Projekten und veranstaltet mehrmals im Jahr praxisnahe
Technologie-Workshops zur Optimierung der Fertigung. Geschäftsführer Günter
Eberle, der sich hauptsächlich um technische Aufgabenstellungen kümmert, ergänzt:
„Natürlich nutzen wir selbst das HPC, um Kunden unsere Vollhartmetall- und
PKD-Werkzeuge unter Span vorzuführen sowie Schnittverhalten und
Prozessstabilität zu demonstrieren. Ebenso steht das HPC unseren Partnern für
eigene Versuche zur Verfügung oder für Demonstrationen im Beisein von Kunden.“
Verschiedene Varianten der Kühlung
und Schmierung
Zu den zentralen Elementen des Performance
Centers zählen ein 5-Achs-Bearbeitungszentrum Hermle C 12 U und
dessen KSS-Versorgung. Diese stellt Knoll Maschinenbau mit einer
KSS-Emulsionsfilteranlage und dem modernen MMS-System AerosolMaster 4000 ATS
bereit. HAM-Anwendungstechniker Marc Schäfer, der den Aufbau des Performance
Center von Anfang an begleitet hat, stellt klar: „Um den aktuellen und
zukünftigen Produktionsherausforderungen begegnen zu können, ist es wichtig,
dass wir den Zerspanungsprozess mit verschiedenen Kühl-Schmier-Varianten
abbilden und vergleichen können. Auf unserer Hermle C 12 U sind wir
in der Lage, mit Emulsion zu fahren, aber auch mit Luft – also komplett trocken
– zu bearbeiten oder eben mit der Aerosol-Trockenschmierung ATS von Knoll.“
Anzeige
Knoll-Produkte sind schon seit vielen Jahren in
der HAM-eigenen Fertigung präsent. Nahezu alle Bearbeitungszentren sind mit
Filteranlagen und Späneförderern des Bad Saulgauer Unternehmens ausgestattet. „Wenn
es um die perfekte KSS-Versorgung und Filtration geht, dann ist Knoll unser erster
Ansprechpartner“, betont Raffael Eberle. Dementsprechend reagierten die
HPC-Verantwortlichen gerne auf die Empfehlung von Ralf Spöcker, dem zuständigen
Knoll-Gebietsverkaufsleiter, am Hermle-BAZ im Performance Center zusätzlich den
AerosolMaster zu installieren. „Das war kein großer Aufwand“, bestätigt Marc
Schäfer. „Der AerosolMaster ist nur ein relativ kleiner, beizustellender
Kasten. Hermle lieferte die erforderliche Schnittstelle, und der Rest war quasi
plug & play.“
Der entscheidende Unterschied
Titan-Zerspanung unter Minimalmengenschmierung mit dem AerosolMaster von Knoll – das Demobauteil wird gefräst, gebohrt, gerieben, gewindet, entgratet, graviert … Die Ergebnisse überzeugen – laut HAM – sogar anfängliche Skeptiker.HAM
Die Erfahrungen, die HAM mit der Aerosol-Trockenschmierung
gemacht hat, sind durchweg positiv. „Das ist eine äußerst innovative
Technologie“, urteilt Marc Schäfer. „Sie unterscheidet sich von anderen MMS-Systemen
in der besonders feinen Zerstäubung des Schmiermediums.“
Benjamin Hailfinger,
Knoll-Produktmanager für den AerosolMaster, präzisiert: „Unser patentiertes
Verfahren sorgt dafür, dass aus einem synthetischen Öl und Luft ein sehr feines,
stabiles Aerosol entsteht, das wir auch bei hohen Drehzahlen direkt an die
Werkzeugschneide bringen. Wären die Öltröpfchen größer – wie es bei manch
anderen MMS-Systemen der Fall ist – würden sie durch die Rotation nach außen geschleudert
mit dem Effekt, dass sie nicht an der Schneide, sondern an der Maschinenwand landen.
Unser feines Aerosol schmiert an der richtigen Stelle und verdampft dabei
gewissermaßen.“
Anzeige
Marc Schäfer sieht den Einsatz des Knoll
AerosolMaster in vielfacher Hinsicht als wertvoll an: „Zum einen erzielen wir
die gewünschte Schmierung an der Werkzeugschneide, was die Standzeit der
Werkzeuge erhöht. Durch den Ölverbrauch von nur 3 bis 25 ml/h ist der
Prozess ressourcenschonend, nachhaltig und energieeffizient. Ich spare mir außerdem
die Reinigung des KSS, brauche keine ph-Wert-Messung und keine Additive, die
Pilzbefall vorbeugen.“ Zudem bleibt die Maschine sauber, und die Werkstücke
lassen sich oft ohne vorhergehende Reinigung weiterbearbeiten. Schäfers Kollege
im HPC, der Anwendungstechniker Michael Schließer, ergänzt ein Beispiel: „Wir
hatten ein Bauteil aus der Medizintechnik, das nach konventioneller Bearbeitung
zehn verschiedene Reinigungsbecken und Prüfstationen durchlaufen musste. Nach
der ATS-Zerspanung waren es nur noch vier Stationen.“
Günter Eberle weist darauf hin, dass „wir in
der Lage sind, mit dem Knoll MMS-System fast jede Zerspanung abzubilden, von
Aluminium über Stahl bis hin zu Titan – was die meisten Zerspaner kaum glauben
können. Aber wir zeigen hier live, dass das vermeintlich Unmögliche durchaus
möglich ist.“
Und Knoll unterstützt HAM bei der
Prozessoptimierung bis hin zur Auswahl des Öles. ATS-Fachmann Hailfinger
erklärt: „Wir haben Breitbandöle im Portfolio, die für Lohnfertiger ideal sind,
weil sie ein breites Anwendungsspektrum abdecken. Für Anwender, die höchste
Performance wünschen, feinste Oberfläche generieren und hohe
Werkzeugstandzeiten generieren wollen, können wir mit entsprechenden Additiven
ein aufs Material maßgeschneidertes Öl liefern.“ So geschehen für die Titanbearbeitung.
Anzeige
ATS auch für schwer zerspanbare
Werkstoffe
Als HAM eine neue Werkzeug-Produktlinie für
diese herausfordernde Titanlegierungen entwickelte, wollten sie auch die Aerosol-Trockenschmierung
testen und die Ergebnisse mit KSS-Emulsion vergleichen. Dafür haben die
Anwendungstechniker ein spezielles Bauteil ausgelegt mit verschiedensten
Bearbeitungen – vom Schruppen mit iMachining, Vollnuten, übers Bohren und
Gewinden bis zum Schlichten. „Wir konnten mit ATS die gleichen Schnittwerte
fahren wie mit Emulsion und erreichten auch die gleichen Oberflächengüten und
Toleranzen“, zeigt sich Raffael Eberle begeistert.
2023 veranstaltete HAM dann einen Workshop
zum Thema Titanbearbeitung. Die anfängliche Skepsis der anwesenden Praktiker wich
einem Erstaunen, das sich in individuellen Anfragen und weiteren positiven Tests
mit anderen schwer zerspanbaren Werkstoffen fortsetzte.
Anzeige
Offen sein für Veränderungen
In einem Workshop präsentierte HAM Präzision 2023 seine neue Produktlinie zur Titanbearbeitung: Verschiedene Praxisteile aus Titanlegierungen, wie ein Wirbelsäulenimplantat und eine Turbinenschaufel, wurden nass und mit dem Knoll AerosolMaster mit den gleichen Schnittwerten gefertigt. Das Ergebnis: gleiche Präzision und Oberflächengüte.Knoll
„Gerade in der aktuellen Zeit, wo Kostendruck
herrscht und CO2-Reduktion gefordert ist, sollte jeder Zerspaner
diese Kühlschmierstoff-Alternative bedenken“, sagt Raffael Eberle. „Denn wenn
man auf Emulsion verzichtet, die immerhin sieben bis zehn Prozent Kostenanteil
am Zerspanungsprozess ausmacht, ist mehr Sparpotenzial vorhanden als beim Werkzeug,
das mit vier bis sechs Prozent der Zerspanungskosten zu Buche schlägt.“
HAM Präzision hat seine Standard-Katalogwerkzeuge
inzwischen generell MMS-tauglich gestaltet. Sie sind zusätzlich zur
geometrischen Auslegung mit dem eigens entwickelten HSF (HybridSurfaceFinish)
versehen, einer Schneidkantenpräparation sowie Oberflächenpolitur. Das mindert
die Krafteinwirkung, reduziert die Wärmeentwicklung, sorgt für einen optimalen
Späneabtransport und vermeidet Aufbauschneiden. „Diese Eigenschaften sind bei jeglicher
Zerspanung wichtig, bei der Minimalmengenschmierung jedoch besonders“, sagt Raffael
Eberle. Außerdem enthalten HAM-Bohrwerkzeuge für die MMS-Bearbeitung eine spezielle
Schaftfase, die das Werkzeug gegenüber der Aufnahme komplett abdichtet. Raffael
Eberle erklärt: „Der geringe Druck von nur 10 bar, mit dem der AerosolMaster
arbeitet, erlaubt kein Ausweichen oder Versacken des Mediums. Durch unsere
modifizierte Schaftfase kommt das Aerosol zu 100 Prozent an der Schneide an und
erzielt den gewünschten Erfolg.“
FAQ Minimalmengenschmierung
Was ist Minimalmengenschmierung bei HAM Präzision? – HAM Präzision nutzt mit dem Knoll AerosolMaster 4000 ATS ein System, das ein ultrafeines Luft-Öl-Gemisch direkt an die Werkzeugschneide bringt.
Welche Vorteile bietet Minimalmengenschmierung in der Zerspanung? – Genannt werden geringer Ölverbrauch, saubere Maschinen, weniger KSS-Aufwand, mögliche Einsparungen bei Reinigungsschritten und stabile Bearbeitungsergebnisse.
Funktioniert Minimalmengenschmierung auch bei Titan? – Laut HAM konnten mit ATS bei Titan die gleichen Schnittwerte, Oberflächengüten und Toleranzen wie mit Emulsion erreicht werden.
Welche Rolle spielt das HAM Performance Center für Minimalmengenschmierung? – Im Performance Center vergleicht HAM unterschiedliche Kühl-Schmier-Varianten und zeigt Prozesse mit Emulsion, Trockenbearbeitung und Aerosol-Trockenschmierung.
Warum ist Minimalmengenschmierung wirtschaftlich relevant? – Raffael Eberle verweist darauf, dass Emulsion sieben bis zehn Prozent Kostenanteil am Zerspanungsprozess ausmachen kann.