Vom Datenchaos zum Wettbewerbsvorteil

Wie Sie Ihre Produktion KI-ready machen

Der Hype um Künstliche Intelligenz (KI) in der Industrie ist riesig. Doch während die Theorie alles Mögliche verspricht, herrscht in vielen Werkhallen Ernüchterung. Der Grund ist meist ein Mangel an Datenqualität.

Humanoider Roboter und Mensch schauen auf Monitor mit Tabellenübersicht
Gerade bei der Produktionsplanung entfaltet sich das Potenzial von KI. Produktionsleiter geben die Prioritäten vor, die KI plant anhand der Vorgaben in Echtzeit.

Eine aktuelle Bitkom-Studie aus dem Jahr 2025 verdeutlicht das Paradoxon: 88 % der Unternehmen nutzen zwar KI für Kundenkontakte, aber nur 20 % setzen sie direkt in den Produktionsabläufen ein. Drei Kernprobleme bremsen den Fortschritt: Über die Hälfte der Betriebe kämpft mit technischer Komplexität, während gleichzeitig der Mangel an qualifiziertem Personal und eine fehlende Akzeptanzkultur die Einführung erschweren. Laut einer Fraunhofer-Studie (2024) werden deswegen KI-Lösungen oft nur punktuell eingesetzt, weil das digitale Fundament fehlt.

Das GIGO-Prinzip: Garbage In, Garbage Out

Es kommt aber noch ein weiterer Aspekt hinzu: Eine KI ist nur so klug wie die Daten, mit denen sie gefüttert wird. Wer „Daten-Schrott“ (Garbage in) liefert, erhält „KI-Schrott (Garbage out)“ zurück, wie im GIGO-Modell beschrieben. Es besagt, dass auch die beste Lösung nichts taugt, wenn die Eingangsdaten unzureichend sind.

Die drei Säulen der KI-Bereitschaft

Damit ein Algorithmus auf dem Shopfloor echten Mehrwert generiert, etwa durch die Senkung der Ausschussquote oder die Optimierung der Planung, müssen Unternehmen als ersten Schritt eine valide Datenbasis schaffen. Dazu sollten sie sich auf drei Kernbereiche konzentrieren:

  • Transparenz: Zunächst muss eruiert werden, welche Daten überhaupt existieren. Welche Sensoren liefern welche Werte? Wo entstehen Datenlücken?
  • Struktur: Eine Temperaturangabe ohne Zeitstempel oder Maschinenbezug ist wertlos. Erst der Kontext und eine einheitliche Struktur macht Daten für KI lesbar.
  • Auswertbarkeit: Daten müssen in Echtzeit vorliegen und eine Qualität bieten, die eine Analyse möglich macht. Kontraproduktiv sind deshalb Silolösungen.
Profil eines Gesichts mit leuchtenden digitalen Mustern in blauen und orangefarbenen Tönen.
Um KI erfolgreich zu nutzen, müssen Produktionsunternehmen eine verlässliche Datenbasis schaffen. Wer Daten-Schrott liefert, bekommt KI-Schrott zurück.

Das MES als digitales Rückgrat

Doch woher kommen die Daten, um eine zuverlässige und aussagekräftige Datenbasis zu schaffen? Die technische Lösung liegt in der vertikalen Integration. Ein Manufacturing Execution System (MES) fungiert dabei als zentrales Nervensystem. Es verbindet den Shopfloor direkt mit der ERP-Ebene und dient als „Dolmetscher“ für unterschiedliche Maschinenprotokolle und Legacy-Systeme. Damit ist auch die Grundlage für valide Daten gelegt, die die KI braucht, um verlässliche Aussagen treffen zu können. In Kombination mit einer Manufacturing Integrationsplattform (MIP), lässt sich KI als organischer Teil des Prozesses implementieren.

Vom Wissen zum Handeln

Unternehmen, die ihre Hausaufgaben bei der Datenstruktur gemacht haben, verwandeln somit Informationen in Wettbewerbsvorteile. Sie können Maschinendaten, Qualitätsinformationen und Prozesskennzahlen, die im MES zusammenlaufen von KI analysieren, interpretieren und die Erkenntnisse in Maßnahmen umsetzen lassen wie beispielsweise:

    • Qualitätsprognosen
  • Ausschussanalyse
  • Maschinenleistungsanalyse
  • Rüstzeitprognosen
  • OEE-Optimierung
Produktionsunternehmen, die eine technische Lösung für ein echtzeitnahes Produktionsleitsystem wie ein MES nutzen, profitieren von KI-Lösungen laut einer Fraunhofer-Studie am meisten.

Wer im Bereich Feinplanung bereits mit einem APS arbeitet und KI einsetzt, profitiert von einer Qualitätssteigerung durch:

  • Adaptive Produktionsplanung: Neben anstehenden Aufträgen berücksichtigt die KI auch Maschinenzustandsdaten, den Werkzeugeinsatz sowie die Materialflüsse in Echtzeit.
  • Personaleinsatzplanung: Dank intelligenter Datenauswertung können auch die Qualifikationen und Verfügbarkeiten der Mitarbeitenden berücksichtigt werden.
  • Szenarien-Vergleiche: Ohne den laufenden Betrieb zu unterbrechen, können per KI neue Planungsszenarien simuliert und verglichen werden.

„Die KI kann die Masse an Informationen in der Fertigungsplanung viel besser abbilden als der Mensch. Bei uns im Unternehmen ist das unabdingbar – die KI ist unser wesentliches Element in diesem Zusammenhang,“ erklärt Kevin Mahler, COO bei Vacom GmbH.

KI-Kompetenz aufbauen

Künstliche Intelligenz in der Fertigung einzuführen, ist kein reines IT-Projekt, mit dem Sie Ordnung schaffen. Vielmehr erfordert KI eine tiefgreifende Transformation in der Arbeitswelt und eine klare Strategie sowie ein Commitment von der Unternehmensführung. Damit Algorithmen messbare Produktivitätssteigerungen liefern, müssen Produktionsleiter den Aufbau von KI-Know-how ins Zentrum ihrer Strategie rücken. KI-Systeme sind nur so effektiv wie die Menschen, die sie bedienen.

Um den nachhaltigen Erfolg von KI-Systemen in der Produktion zu sichern, sollte in der Produktion ein strategischer Experten-Mix sichergestellt werden. Dies gelingt entweder durch den Aufbau fester Partnerschaften mit externen Dienstleistern oder gezieltes Recruiting spezialisierter KI-Experten.

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