Raumschiff hebt in den Sternenhimmel ab.

In der Raumfahrt nehmen die Investitionen in Privatunternehmen rapide zu. (Bild: alonesdj - stock.adobe.com)

Nach dem heftigen Einbruch durch die Corona-Pandemie erholt sich die Luft- und Raumfahrtbranche schnell und schaltet für die kommenden Jahre auf Wachstum. Die Anzahl der Auslieferungen soll im Jahr 2023 mit etwa 1.700 Flugzeugen wieder das Niveau von 2018 erreichen. Auch die Anzahl der Bestellungen dürfte sich bis dahin voraussichtlich deutlich erholen. Die Raumfahrtindustrie boomt unterdessen weiter.

Das geht aus einer neuen Analyse der Unternehmensberatung McKinsey & Company zur ILA 2022 in Berlin hervor. Mehr zur ILA lesen Sie in diesem Artikel: "Flieger-Messe ILA beginnt im Zeichen von Klimakrise und Krieg"

"Die Herausforderung ist nun, die Lieferketten wieder in Gang zu bringen", sagt Björn Hagemann, Leiter der Luft- und Raumfahrtberatung von McKinsey in Deutschland. Vor allem kleinere Zulieferer in der Luftfahrtindustrie hätten Probleme, qualifiziertes Personal zu finden, um nun wieder größere Stückzahlen zu liefern. Der höhere Cash-Bedarf sowie steigende Preise für Rohmaterialien setzen die Lieferketten zusätzlich unter Druck.

Raumfahrt: Investitionen in Privatunternehmen nehmen rapide zu

"Neben den Wachstumsplänen ist die Nachhaltigkeit das zweite große Thema für die Luftfahrtbranche", sagt Hagemann. Zwar würden aktuell nicht viele Flugzeugtypen neu entwickelt. Allerdings seien nachhaltige Kraftstoffe - die so genannten Sustainable Aviation Fuels (SAF) - dabei, über erste Pilotphasen hinaus eine Rolle zu spielen. Mehrere Airlines haben zugesagt, bis 2030 14 Millionen Tonnen dieser nachhaltigen Treibstoffe abzunehmen. Dies entspricht vier Prozent der gesamten Treibstoffmenge. "Ab 2040 - und möglicherweise früher - werden wir neue Technologien wie Wasserstoff auf breiterer Front sehen", so Hagemann.

In der Raumfahrt geht die Dynamik vor allem von der Privatwirtschaft aus, die eine echte Ergänzung zu staatlichen Raumfahrtprogrammen geworden ist. Der Großteil der Investitionen von über 10 Milliarden US-Dollar - ein Rekord und eine Verzehnfachung im Vergleich zu vor zehn Jahren - gingen in "Low-Earth-Orbit"-Anwendungen. Darunter fallen zum Beispiel Services, die einen flächendeckenden Internetzugang in allen Weltgegenden ermöglichen.

Weltraumschrott bleibt eine Herausforderung

Darüber hinaus steigen aber auch die Investitionen in Unternehmen, die Mondmissionen oder über die Erdumlaufbahn hinaus gehende Aktivitäten planen - sie machen nun zehn Prozent aus; eine Verdopplung zum Jahr 2012. "Das wiedererwachte Interesse am Weltraum ist eine gute Nachricht", sagt Hagemann. "Denn Erkenntnisse aus dem Orbit lassen sich auf der Erde beispielsweise zur Verbesserung der Wettervorhersage und von Klimamodellen verwenden. In der Landwirtschaft sind diese Informationen besonders wertvoll."

Eine Herausforderung bleibt allerdings der Weltraumschrott - von abgebrannten Raketenstufen bis hin zu kaputten Satelliten: Allein seit 2019 hat der registrierte Schrott um mehr als ein Drittel zugenommen. Hagemann: "Die Reduktion von Weltraumschrott ist eine Herausforderung für das Design und den Betrieb von Satelliten."

Im Bereich der Future Air Mobility - von Cargo-Drohnen bis hin zu Flugtaxis - gab es in den vergangenen Jahren einen regelrechten Investitionsrausch: Mehr als 13 Milliarden US-Dollar wurden in Unternehmen aus diesen Feld insgesamt investiert. Nordamerikanische Startups konnten mit zehn Milliarden US-Dollar den Großteil der Investitionen einstreichen, asiatische (drei Milliarden) und europäische Startups (zwei Milliarden US-Dollar) sind deutlich geringer kapitalisiert.

"Europäische Startups sind zwar attraktiver geworden - aber US-Unternehmen sammeln immer noch viel mehr Kapital ein. Hier muss der Luftfahrtstandort Europa das Tempo erhöhen", sagt Kersten Heineke, Co-Leiter des McKinsey Center for Future Mobility. Mehr als 70 Prozent der Investitionen in diesem Bereich fokussierten sich auf Personentransport, der Rest auf Cargo-Anwendungen oder Überschallflugzeuge.

Quelle: McKinsey & Company

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