Chinas Exportwirtschaft trotzt dem Handelsdruck
Außenhandel 2025: Rekordüberschuss für China
Trotz geopolitischer Spannungen, Handelsbarrieren und schwacher Binnennachfrage hat China im Jahr 2025 einen neuen Rekordüberschuss im Außenhandel erzielt.
Chinas Außenhandel hat trotz des Zollkonflikts mit den USA und globaler Handelsstreitigkeiten im vergangenen Jahr einen Rekordüberschuss erreicht.
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Chinas Exporte auf Wachstumskurs
Chinas Außenhandel hat im Jahr 2025 ungeachtet globaler Handelsstreitigkeiten und der anhaltenden Zollkonflikte mit den USA einen historischen Höchstwert erreicht. Wie die chinesische Zollbehörde mitteilte, stiegen die Exporte gegenüber dem Vorjahr um 5,5 Prozent auf rund 3,8 Billionen US-Dollar. Die Importe blieben nahezu konstant bei rund 2,6 Billionen US-Dollar. Daraus ergibt sich ein Handelsüberschuss von knapp 1,2 Billionen Dollar – ein neuer Rekord, der den bisherigen Höchstwert aus dem Jahr 2024 nochmals übertraf.
Die Dezember-Zahlen überraschten zusätzlich: Mit einem Exportwachstum von 6,6 Prozent und einem Importzuwachs von 5,7 Prozent lagen beide Werte deutlich über den Prognosen der Analysten. Besonders bei den Importen hatte man lediglich mit einem Plus von 0,9 Prozent gerechnet.
Ungleichgewicht in Chinas Wirtschaft
Die aktuelle Handelsbilanz unterstreicht gleichzeitig strukturelle Probleme innerhalb der chinesischen Wirtschaft. Das Produktionsniveau bleibt hoch, doch mangels starker Inlandsnachfrage findet ein großer Teil der Güter Absatz auf den Weltmärkten. Die Diskrepanz zwischen Exporten und Importen verweist auf eine wirtschaftliche Schieflage: Während China weiter produziert und ausliefert, nimmt die Volksrepublik vergleichsweise wenig Waren aus dem Ausland ab.
Handelskonflikt mit den USA
Ein zentraler Faktor im Handelsjahr 2025 war der andauernde Zollstreit zwischen den Vereinigten Staaten und China. In diesem Spannungsfeld verzeichneten die chinesischen Exporte in die USA einen Rückgang von 20 Prozent. Auch die Importe aus den Vereinigten Staaten gingen um 14,6 Prozent zurück.
Trotz zwischenzeitlich gesenkter Zollsätze blieben die Einfuhrzölle für chinesische Waren in den USA auf hohem Niveau bestehen. Hinzu kam ein Überangebot in zahlreichen chinesischen Branchen, das der heimische Markt nicht absorbieren konnte. Chinesische Unternehmen reagierten darauf, indem sie verstärkt Absatzmärkte außerhalb der USA erschlossen.
Besonders deutlich zeigte sich diese Entwicklung in Afrika und in der Region der südostasiatischen Asean-Staaten. Die Ausfuhren in afrikanische Länder stiegen um bemerkenswerte 25,8 Prozent, in den Asean-Raum um 13,4 Prozent.
Dynamik im Verhältnis zu Deutschland
Auch im bilateralen Handel mit Deutschland konnte China zulegen. Die Ausfuhren in die Bundesrepublik stiegen 2025 um 10,5 Prozent auf rund 118,3 Milliarden US-Dollar. Gleichzeitig sanken die Importe aus Deutschland um 2,1 Prozent auf 92,8 Milliarden Dollar. Seit Oktober 2025 ist China wieder der wichtigste Handelspartner Deutschlands und hat damit die Vereinigten Staaten abgelöst.
Die deutsche Auslandshandelskammer (AHK) in China beobachtet die Entwicklung kritisch. "Zwar hat die chinesische Regierung bereits Schritte für einen nachhaltigeren Wettbewerb unternommen, eine spürbare Verbesserung gibt es bis jetzt aber nicht", sagte Maximilian Butek, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der AHK in China.
Die AHK verweist zudem auf den politischen Einfluss auf den wirtschaftlichen Erfolg deutscher Unternehmen. Butek betonte: „Wenn der Bundeskanzler nach China reist, muss er zentrale Themen wie Exportkontrollen, unfairen Wettbewerb und Marktzugangsbeschränkungen ansprechen.“
Internationale Spannungen und Folgen für Europa
Die Entwicklungen im chinesischen Außenhandel sorgen auch in der Europäischen Union für wachsende Bedenken. Zwar nahmen Chinas Exporte in die EU im Jahr 2025 um 8,4 Prozent zu, jedoch gingen die Importe leicht um 0,4 Prozent zurück.
In Europa wächst der Unmut über die schwierigen Marktbedingungen und den Wettbewerbsdruck durch chinesische Unternehmen. Besonders in der Autoindustrie beklagen europäische Firmen zunehmend aggressive Preisstrategien und eingeschränkten Marktzugang in China.
Zudem rückt die chinesische Währung in den Fokus. Analysten sehen den Yuan als deutlich unterbewertet, was chinesische Produkte im Ausland günstiger macht. Kritiker sprechen daher von einer indirekten Subventionierung, die die Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Unternehmen zusätzlich stärkt.
Exportkontrollen und Lieferkettenrisiken
2025 geriet Chinas Exportpolitik mehrfach in die Kritik. So führten Exportkontrollen auf sieben seltene Erden sowie auf Halbleiterprodukte des Herstellers Nexperia zu erheblichen Unsicherheiten in der europäischen Industrie. Kurzzeitige Produktionsstopps waren die Folge.
Diese Maßnahmen offenbarten die Abhängigkeit europäischer Unternehmen von chinesischen Vorprodukten. Die Bundesregierung und andere EU-Staaten kündigten infolgedessen Maßnahmen an, um die eigene Rohstoffversorgung unabhängiger zu gestalten.
Politische Reaktionen und neue Maßnahmen
Trotz dieser Spannungen zeichnet sich in den Handelsbeziehungen zwischen China und der EU eine gewisse Entspannung ab. Brüssel erlaubte es Herstellern von in China produzierten Elektroautos, Mindestpreise festzusetzen, um drohende Strafzölle zu umgehen. Chinas Handelsministerium begrüßte diesen Schritt ausdrücklich.
Auch im Bereich der Photovoltaik kündigte Peking jüngst regulatorische Veränderungen an. Ab dem 1. April 2026 wird die Rückerstattung der Mehrwertsteuer beim Export von Photovoltaikprodukten gestrichen – ein Schritt, der die Preise für chinesische Solarmodule anheben soll. Für Batterieprodukte wird die Rückerstattung ab dem 1. Januar 2027 vollständig abgeschafft.
Ausblick auf 2026
Mit Blick auf das kommende Jahr bleibt die Lage unsicher. Der stellvertretende Leiter der chinesischen Zollbehörde, Wang Jun, äußerte sich verhalten: „In Bezug auf die Lage des Außenhandels in diesem Jahr fehlt dem globalen Handelswachstum allgemein gesagt Dynamik, und das äußere Umfeld für die Entwicklung des chinesischen Außenhandels bleibt schwierig und komplex.“
Er verwies auf das schwache globale Wirtschaftswachstum, politische Unsicherheiten und zunehmende geopolitische Spannungen. In diesem Kontext bleibt offen, ob China seinen erfolgreichen außenwirtschaftlichen Kurs auch 2026 fortsetzen kann.
Mit Material der dpa
FAQ – Häufig gestellte Fragen zum chinesischen Außenhandel
Wie hoch war Chinas Handelsüberschuss 2025?
– Der Handelsüberschuss lag bei knapp 1,2 Billionen US-Dollar – ein Rekordwert.
Warum ist der chinesische Export trotz Zöllen gestiegen?
– Chinesische Unternehmen haben neue Absatzmärkte erschlossen, etwa in Afrika und Südostasien.
Wie entwickelt sich der Handel zwischen China und Deutschland?
– Die Exporte nach Deutschland stiegen um 10,5 %, während die Importe um 2,1 % sanken.
Welche Branchen sind besonders betroffen von Chinas Exportpolitik?
– Besonders betroffen sind die Solarindustrie, die Autoindustrie und Bereiche mit kritischen Rohstoffen.
Wie reagiert Europa auf Chinas Dominanz im Handel?
– Mit der Förderung von Mindestpreisen, dem Aufbau unabhängiger Lieferketten und politischen Initiativen zur Marktregulierung.