Dank eines starken Dezembers sind die deutschen Exporte 2025 erstmals seit zwei Jahren wieder gewachsen.ibravery - stock.adobe.com)
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Jahresendspurt bringt Exportplus
Ein versöhnlicher Abschluss nach einem turbulenten Jahr: Die deutschen Exporte legten 2025 erstmals seit zwei Jahren wieder zu. Das Statistische Bundesamt meldet für Dezember einen Anstieg um 4,0 Prozent im Vergleich zum Vormonat auf gut 133 Milliarden Euro – fast viermal so viel wie von Analysten erwartet. Der Dezember wurde so zum Wendepunkt, der die Gesamtbilanz ins Positive drehte.
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Insgesamt erreichten die Ausfuhren 2025 einen kalender- und saisonbereinigten Wert von 1.569,6 Milliarden Euro. Das entspricht einem Anstieg von 1,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Noch in den beiden Vorjahren 2023 und 2024 waren die Exporte rückläufig.
Der Präsident des Bundesverbands Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Dirk Jandura, lobte die Widerstandsfähigkeit der Exportwirtschaft: „Die Exporteure haben sich trotz massiver Belastungen – darunter US-Zölle, geopolitische Spannungen und fragile Lieferketten – widerstandsfähig gezeigt.“ Gleichzeitig warnte Jandura jedoch vor verfrühter Euphorie: „Von einer echten Erholung kann keine Rede sein.“ Trotz positiver Zahlen habe Deutschland international an Marktanteilen verloren.
Besonders überraschend entwickelte sich das Geschäft mit den Vereinigten Staaten. Trotz des anhaltenden Zollstreits mit US-Präsident Donald Trump, dessen Maßnahmen im April mit einem globalen Zollpaket begannen und im Laufe des Jahres mehrmals angepasst wurden, verzeichneten die Exporte in die USA im Dezember ein Plus von knapp neun Prozent – auf 11,8 Milliarden Euro.
Das zwischenzeitliche Abkommen zwischen der EU und Washington brachte nur kurzzeitig Entlastung. Es sieht deutlich erhöhte Zölle für Einfuhren aus Deutschland vor. Zolldrohungen, wie zuletzt im Zusammenhang mit dem sogenannten Grönland-Konflikt, erhöhten die Unsicherheit zusätzlich. Dennoch konnte der Außenhandel zum Jahresende eine positive Wendung verzeichnen.
Auch der Handel mit China zeigte sich im Dezember überraschend stark. Die Ausfuhren stiegen um fast elf Prozent auf 7,2 Milliarden Euro. Damit wurde ein Teil der Rückgänge der Vormonate ausgeglichen. Auf das Gesamtjahr betrachtet, verzeichneten die Exporte nach China dennoch ein Minus von über neun Prozent – ebenso wie die in die USA. Besonders im Bereich Elektroautos spüren deutsche Hersteller den wachsenden Druck aus Fernost.
Europa bleibt stabiler Anker
Stabilität brachte einmal mehr das Geschäft mit den EU-Staaten. Die Ausfuhren legten hier im Dezember um 3,1 Prozent auf über 75 Milliarden Euro zu. Auf Jahressicht ergibt sich ein Plus von 3,4 Prozent. Die europäische Nachfrage hat den deutschen Außenhandel im schwierigen Umfeld des Jahres 2025 gestützt. DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier bringt es auf den Punkt: „Die Nachfrage aus den europäischen Ländern habe das Jahr für den Außenhandel halbwegs gerettet. Immerhin mehren sich die Anzeichen, dass der Trend bei den deutschen Exporten zu Jahresende wieder nach oben weist.“
Importe ziehen stärker an
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Nicht nur die Ausfuhren, auch die Einfuhren legten 2025 deutlich zu. Im Gesamtjahr stiegen die Importe um 4,4 Prozent auf 1.366,9 Milliarden Euro. Auch im Dezember verzeichnete das Statistische Bundesamt ein Wachstum. In der Außenhandelsbilanz ergibt sich damit ein Exportüberschuss von rund 200 Milliarden Euro – deutlich weniger als im Vorjahr (241 Milliarden Euro). Für BGA-Präsident Jandura ist dieser Rückgang ein klares Warnsignal: „Ein Rückgang des Überschusses ist alarmierend. Es ist ein klares Warnsignal für die internationale Wettbewerbsfähigkeit.“
Strukturelle Probleme bleiben ungelöst
Trotz positiver Signale bleiben strukturelle Herausforderungen bestehen. Eine Studie der Bundesbank belegt, dass deutsche Unternehmen in wichtigen Industriezweigen wie Maschinenbau, Elektrotechnik, Chemie und Metall über Jahre hinweg Marktanteile eingebüßt haben. Der Export bleibt zwar eine tragende Säule der deutschen Wirtschaft – fast jeder vierte Arbeitsplatz hängt davon ab –, doch die Risiken sind nicht zu übersehen.
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Besonders problematisch: Der starke Euro. Im vergangenen Jahr stieg er zeitweise über die Marke von 1,20 US-Dollar – ein Höchststand seit 2021. Der Grund: Das Vertrauen in den US-Dollar ist infolge der unberechenbaren Trump-Politik geschwächt. Das wiederum stärkt den Euro, was deutsche Waren auf dem Weltmarkt verteuert. „Ein zu starker Euro in einem fragilen globalen Umfeld ist das Letzte, was die Konjunktur jetzt gebrauchen kann“, sagt Carsten Klude, Chefvolkswirt bei der Bank M.M.Warburg & CO.
Industrie uneinheitlich – Licht und Schatten
Die Industrie zeigt sich zum Jahreswechsel uneinheitlich. Während die Auftragslage zuletzt vier Monate in Folge anzog, ging die Industrieproduktion überraschend zurück. Besonders schwach zeigte sich dabei erneut die Autobranche. Dennoch zeigen sich einzelne Sektoren etwas optimistischer. Laut Ifo-Institut hellte sich die Stimmung unter Exporteuren zuletzt leicht auf. „Für das erste Quartal 2026 fehlen klare Signale für einen Aufwärtstrend“, so Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo-Umfragen. Die Autobranche blicke jedoch etwas zuversichtlicher auf das Auslandsgeschäft.
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Mit Material der dpa
FAQ zu den steigenden deutschen Exporten
Wie stark sind die deutschen Exporte 2025 gestiegen? – Die Exporte legten um 1,0 Prozent auf 1.569,6 Milliarden Euro zu.
Welche Länder trugen besonders zum Exportplus bei? – Vor allem die USA, China und EU-Staaten sorgten im Dezember für deutliche Zuwächse.
Wie entwickelte sich die Außenhandelsbilanz? – Der Exportüberschuss lag bei rund 200 Milliarden Euro, nach 241 Milliarden im Vorjahr.
Welche Branchen hatten mit Rückgängen zu kämpfen? – Besonders betroffen waren die Autoindustrie sowie Sektoren mit starker Abhängigkeit von China und den USA.
Welche Risiken belasten weiterhin den Außenhandel? – Zolldrohungen aus den USA, Konkurrenz aus China, starke Euro-Aufwertung und fragile Lieferketten.