Industriepolitik

VDMA-Präsident schlägt Alarm: Standort Europa in Gefahr

Europa steht industriepolitisch unter Druck: Globale Spannungen, neue Handelsbarrieren und wachsender Technologiewettbewerb fordern den Maschinen- und Anlagenbau heraus. VDMA‑Präsident Bertram Kawlath erklärt, wie Europa jetzt handeln muss.

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VDMA-Präsident Bertram Kawlath erklärt: „Damit Europa technologisch nicht abgehängt wird, brauchen wir dringend bessere Standortbedingungen und eine konsequente Marktüberwachung.“

Wie kann Europas Industrie ihre strategische Souveränität in einem zunehmend fragmentierten geopolitischen Umfeld langfristig sichern – und welche industriepolitischen Hebel sieht der VDMA hier als entscheidend?

Bertram Kawlath: In einer Welt wachsender geopolitischer Spannungen muss Europa selbstbewusst offene Märkte verteidigen. Die US‑Zölle zeigen, wie gefährlich Abschottung für Wertschöpfung und Wettbewerbsfähigkeit ist. Die EU muss deshalb Freihandelsabkommen konsequent vorantreiben – allen voran Mercosur, gefolgt von Indien. Gleichzeitig müssen wir den Industriestandort Europa massiv stärken. 

Die jüngsten Entlastungen, wie die Omnibus‑Reformen, sind ein erster Schritt, müssen jetzt aber konsequent weitergeführt werden. Local‑Content‑Pflichten können in einigen Situationen gerechtfertigt sein, sollten aber die Ausnahme bleiben. Europas Stärke liegt in globalen Partnerschaften, verlässlichen Regeln und im klaren Bekenntnis zu Demokratie und wirtschaftlicher Freiheit.

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Der europäische Maschinen- und Anlagenbau steht unter massivem Wettbewerbsdruck – durch Überregulierung, Fachkräftemangel und Investitionszurückhaltung. Welche konkreten Impulse erwartet der VDMA vom „European Summit“, um diesen Herausforderungen zu begegnen?

Kawlath: Der VDMA European Summit setzt Impulse, die weit über das Networking hinausgehen. Er bringt die europäische Maschinenbau-Community zusammen, um über die großen Herausforderungen dieser Zeit zu diskutieren, Lösungsansätze zu liefern und die Teilnehmer durch Best-Practice-Beispiele zu inspirieren. 

Themen wie die geopolitischen Verwerfungen und die Auswirkungen auf den internationalen Handel, die Nutzung von KI und wie Unternehmen ihre Produkte vor Cyberangriffen schützen, sind Themen der gesamten europäischen Maschinenbauindustrie und müssen europäisch adressiert und diskutiert werden. Dabei soll ein Schwerpunkt darauf liegen, wo die Chancen für die Branche in der Zukunft liegen.

Was muss jetzt dringend passieren, damit Europa nicht technologisch abgehängt wird?

Kawlath: Damit Europa technologisch nicht abgehängt wird, brauchen wir dringend bessere Standortbedingungen und eine konsequente Marktüberwachung. Unsere mittelständischen Unternehmen kämpfen hart um ihre Wettbewerbsfähigkeit, doch gegen unfair subventionierte Konkurrenz aus China reicht das oft nicht mehr. 

Darauf muss die EU entschlossen reagieren. Produkte, die nicht unseren Standards entsprechen, dürfen nicht ungehindert in den Markt gelangen. Europa braucht eine Industriepolitik, die Innovationen fördert, faire Wettbewerbsbedingungen sichert und technologische Fähigkeiten stärkt.

Kommen Sie zum European Summit!

Nach Wien und Amsterdam findet der VDMA European Summit 2026 erstmals in Rom statt. Die Veranstaltung am 12. und 13. März 2026 zählt zu den zentralen Treffen des europäischen Maschinen- und Anlagenbaus. 

Auf dem Programm stehen aktuelle Branchenthemen sowie Beiträge internationaler Speaker. Zudem bietet das Treffen umfangreiche Möglichkeiten für Austausch und Networking.

Weitere Informationen und Tickets gibt es hier!

FAQ: Industriepolitik & Maschinenbau

1. Welche industriepolitischen Maßnahmen hält der VDMA für entscheidend, um Europas strategische Souveränität zu sichern?

Der VDMA betont die Bedeutung offener Märkte und fordert von der EU eine konsequente Umsetzung von Freihandelsabkommen – insbesondere mit Mercosur und Indien. Gleichzeitig müsse der Industriestandort Europa gestärkt werden, etwa durch fortgesetzte Entlastungen wie die Omnibus-Reformen. Local-Content-Pflichten sollten die Ausnahme bleiben. Europas Stärke liege in globalen Partnerschaften, stabilen Regeln sowie im klaren Bekenntnis zu Demokratie und wirtschaftlicher Freiheit.

2. Was erwartet der VDMA vom „European Summit“ im Hinblick auf den Wettbewerbsdruck im Maschinen- und Anlagenbau?

Der Summit soll mehr sein als ein Networking-Event: Er bietet eine Plattform für die gesamte europäische Maschinenbau-Community, um zentrale Herausforderungen wie geopolitische Spannungen, KI-Nutzung und Cybersicherheit zu adressieren. Best-Practice-Beispiele sollen konkrete Lösungsansätze liefern und zeigen, wo Zukunftschancen für die Branche liegen.

3. Welche Probleme gefährden aktuell die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Maschinenbauer?

Laut VDMA sind Überregulierung, Fachkräftemangel und Investitionszurückhaltung zentrale Bremsen. Hinzu kommt der Wettbewerbsdruck durch unfair subventionierte Konkurrenz – insbesondere aus China. Mittelständische Unternehmen haben oft nicht die Mittel, um sich gegen solche Marktverzerrungen zu behaupten. Hier fordert der VDMA eine konsequente Marktüberwachung durch die EU.

4. Was muss geschehen, damit Europa technologisch nicht abgehängt wird?

Europa benötigt laut VDMA bessere Standortbedingungen, eine innovationsfreundliche Industriepolitik und einen effektiveren Schutz des Binnenmarkts. Produkte, die nicht europäischen Standards entsprechen, dürfen nicht ungehindert importiert werden. Nur so lassen sich Innovation, faire Wettbewerbsbedingungen und technologische Fähigkeiten nachhaltig sichern.