Mapals KI-Offensive: Von Pilotprojekten zur Plattform
Vom Pilot zur Plattform: Mapals KI-Offensive zeigt, wie der Mittelstand KI in der Produktion skaliert. Mapal-CIO Dr. Erwin Schuster gibt im Vorfeld des VDMA-European Summit Einblick in Strategien, Hürden und das Erfolgsmodell MAIA.
Maximilian FestusMaximilianFestus
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Dr. Erwin Schuster: „Zusätzlich verlangt der Einsatz von KI einen kulturellen Wandel. Mitarbeiter in der Produktion müssen Kompetenzen in Bereichen wie Prompting, Datenverständnis und KI-Umgang aufbauen.“Mapal)
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Welche
konkreten Anwendungsfelder für KI wurden bei Mapal priorisiert und was waren
die größten Hürden auf dem Weg von der Pilotierung in den produktiven Einsatz?
Dr. Erwin Schuster: Mapal hat nach
umfassenden technologischen Vorstudien den Aufbau einer gruppenweiten
KI-Plattform beschlossen. Unter dem Namen ‚MAIA‘ (MAPAL AI Assistant) entsteht
ein System, das schrittweise erweitert werden soll – etwa durch die Anbindung
relevanter Unternehmensdaten.
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Zu den ersten Pilotprojekten zählten
KI-gestützte Qualitätsprüfungen und Verfahren zur automatischen Fehlererkennung
in der Produktion. Zudem testete Mapal Prognosemodelle für Wartungsintervalle
auf Basis historischer Maschinendaten sowie KI-Ansätze zur Wissensorganisation
in der Fertigung und Entwicklung.
Aktuell arbeiten wir an weiteren
Ausbaustufen: vom optimierten Stammdatenmanagement über automatische
Übersetzungen bis hin zu geometrischen Ähnlichkeitsanalysen. Damit treibt Mapal
die Industrialisierung von KI-Anwendungen in zentralen Kernprozessen konsequent
voran.
Wo
liegen die größten Grenzen aktueller KI-Lösungen im Produktionsumfeld –
technologisch, organisatorisch oder kulturell?
Schuster: Eine der größten
Herausforderungen bleibt der Aufbau einer durchgängig harmonisierten Datenbasis
– gerade im heterogenen Produktionsumfeld. Mapal hat dafür einen zentralen ‚Data
Lake‘ eingerichtet.
Viele Maschinen sind ‚historisch
gewachsen‘, arbeiten mit unterschiedlichen Protokollen und verfügen über kaum
standardisierte Schnittstellen. Diese Fragmentierung erschwert die Anbindung
und bremst den Einsatz von KI-Lösungen – obwohl genau diese Vernetzung eine
Grundvoraussetzung für datengetriebene Anwendungen ist.
Zusätzlich verlangt der Einsatz von KI
einen kulturellen Wandel. Mitarbeiter in der Produktion müssen Kompetenzen in
Bereichen wie Prompting, Datenverständnis und KI-Umgang aufbauen. Parallel dazu
sind regulatorische Anforderungen – etwa durch den EU-AIAct und den Data Act –
einzuhalten und eine klare KI-Governance zu etablieren, die Sicherheit,
Transparenz und Verantwortlichkeiten definiert.
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Wie
kann der Mittelstand im Maschinenbau KI erfolgreich integrieren, ohne sich in
überdimensionierten Datenprojekten zu verlieren – und welche Rolle spielt dabei
die enge Verzahnung von IT und Fertigung?
Schuster: ‚Start small and
smart – scale later‘ – dieses Prinzip beschreibt, wie mittelständische
Maschinenbauer den Einstieg in Künstliche Intelligenz meistern können. Statt
mit Plattformprojekten zu beginnen, empfiehlt sich der Blick auf umrissene Use
Cases. Sie machen KI für Mitarbeiter erfahrbar und liefern schnell Ergebnisse.
Entscheidend ist die Daten-Qualität.
Erfolgreiche KI-Initiativen entstehen in
cross-funktionalen Teams. Die Abteilungen, die IT und das Stammdatenmanagement
bringen jeweils ihr Know-how ein, um Use-Cases nicht nur konzeptionell sauber
aufzusetzen, sondern später auch in die operative Praxis zu überführen. Dieses
Zusammenspiel folgt den Prinzipien agiler Projektmethodik – kurze Zyklen, klare
Verantwortlichkeiten, schnelle Validierungen.
Für den industriellen Mittelstand
bedeutet dieser pragmatische Ansatz einen echten Vorteil. Er ermöglicht
schnelle Erkenntnisse für Investitionsentscheidungen, reduziert Projektrisiken
und bindet Mitarbeitende frühzeitig ein. So wächst das Vertrauen in neue
Technologien – und gleichzeitig die Fähigkeit, KI strategisch und skalierbar in
die Wertschöpfung zu integrieren.
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Kommen Sie zum European Summit!
Der Maschinenbau steht vor einem Wendepunkt. Lieferketten, Geopolitik und Klimawandel verändern die Branche grundlegend.
Auf dem European Summit 2026 kommen Europas führende Ingenieurinnen und Ingenieure in Rom zusammen, um Strategien, Geschäftsmodelle und die Zukunft unserer Branche zu diskutieren.
Auch Erwin Schuster wird dort einen Vortrag halten.
1. Welche konkreten KI-Anwendungen wurden bei Mapal zuerst umgesetzt?
Zu den ersten Pilotprojekten gehörten KI-gestützte Qualitätsprüfungen und automatische Fehlererkennung in der Produktion. Ergänzend testete Mapal Prognosemodelle für Wartungsintervalle basierend auf historischen Maschinendaten sowie KI-Anwendungen zur Wissensorganisation in der Fertigung und Entwicklung. Diese Anwendungsfälle dienten als Grundlage für den Aufbau der gruppenweiten KI-Plattform MAIA.
2. Was sind die größten technologischen Hürden bei der Einführung von KI in der Produktion?
Ein zentrales Problem ist die mangelnde Standardisierung im Maschinenpark. Viele Anlagen arbeiten mit unterschiedlichen Protokollen und bieten kaum Schnittstellen zur Datenintegration. Diese Fragmentierung behindert die Vernetzung, die für datengetriebene KI-Anwendungen jedoch essenziell ist. Mapal begegnet diesem Problem mit einem zentralen Data Lake zur Harmonisierung der Datenbasis.
3. Warum ist der kulturelle Wandel entscheidend für erfolgreiche KI-Projekte?
KI-Einführung erfordert neue Kompetenzen im Umgang mit Daten, Prompting und algorithmischen Entscheidungen. Mitarbeitende müssen lernen, mit KI-Systemen zu arbeiten und deren Ergebnisse richtig zu interpretieren. Gleichzeitig spielen regulatorische Anforderungen wie der EU AI Act oder der Data Act eine Rolle. Eine klare KI-Governance ist nötig, um Transparenz, Sicherheit und Verantwortlichkeiten zu gewährleisten.
4. Wie gelingt dem industriellen Mittelstand der Einstieg in KI-Projekte?
Statt mit komplexen Plattformprojekten zu starten, empfiehlt Mapal die Fokussierung auf eng umrissene Use Cases mit messbarem Nutzen. Die Umsetzung erfolgt in cross-funktionalen Teams aus IT, Produktion und Stammdatenmanagement. Agile Methoden mit kurzen Zyklen, klaren Verantwortlichkeiten und schneller Validierung ermöglichen einen risikoarmen und praxisnahen Einstieg in die KI-Welt.