Eine datenbasierte Überwachung des Kühlschmierstoffs sorgt für optimale Ergebnisse beim Schleifprozess. Zudem lassen sich Energieeinsparungen von bis zu 27 Prozent erzielen.
Daniel SchauberDanielSchauber
Alle Daten im Blick: Der
Schmierstoffhersteller Fuchs SE aus
Mannheim bildet Maschinen und ihre
Schmierpunkte als digitale Zwillinge in
einer cloudbasierten Plattform ab.Gorodenkoff/Shutterstock
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Summary
Beim Schleifen ist die datenbasierte Überwachung von Kühlschmierstoffen (KSS) entscheidend für Qualität, Effizienz und stabile Prozesse ist. Durch digitale Vernetzung, standardisierten Datenaustausch (z. B. über umati/OPC UA) und Cloud-Integration lassen sich Schleifprozesse transparenter und robuster steuern. Studien zeigen zudem, dass eine bedarfsgerechte KSS-Versorgung Energieeinsparungen von bis zu 27 % sowie höhere Produktivität und Nachhaltigkeit ermöglicht.
Beim Schleifen entscheiden winzige Unebenheiten
über Gutteil oder Ausschuss. Für den perfekten Schliff muss in der Fabrik nicht
nur die Mechanik stimmen, sondern auch die Chemie. So rückt eine oft
unterschätzte Komponente in den Fokus: der Kühlschmierstoff (KSS).
Voraussetzung für die autonome Fertigung und optimale Schleifergebnisse ist
eine datenbasierte KSS-Überwachung. Sie ist das Bindeglied zwischen Chemie und
Mechanik und macht den Schleifprozess durch standardisierten Datenaustausch und
den Einsatz von Digitalen Zwillingen robuster, effizienter und nachhaltiger.
Hier kommt auch die Konnektivitätsinitiative umati (Universal Machine
Technology Interface) ins Spiel, die den reibungslosen Datentransfer in der
Fabrik gewährleistet.
Als weltweite Community des Maschinenbaus ermöglicht
umati auf Basis des Kommunikationsstandards OPC UA, dass Maschinen
herstellerübergreifend miteinander kommunizieren können. Dies schafft die
notwendige Interoperabilität, um Daten aus der KSS-Überwachung nahtlos in
übergeordnete IT-Systeme oder Cloud-Plattformen zu integrieren und so den Weg
für die Plug-and-Play-Anbindung im industriellen Ökosystem zu ebnen. Auf der
Fachmesse GrindingHub, die der VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken)
vom 05. bis 08. Mai 2026 in Stuttgart veranstaltet, werden die Besucherinnen
und Besucher mehr über die optimierte KSS-Versorgung für höchste
Oberflächengüten erfahren.
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Energieeinsparung
von bis zu 27 Prozent
Bei bedarfsgerechter KSS-Zufuhr winken hohe Effizienz- und Produktivitätsgewinne,
wie die wissenschaftliche Forschung herausgefunden hat. „Bereits in den
Grundlagenuntersuchungen konnten Prozessfenster identifiziert werden, in denen
der Energiebedarf beim Schleifen um bis zu 27 Prozent reduziert werden konnte,
ohne Einbußen bei Werkstückqualität oder Werkzeugverschleiß“, sagt Prof. Berend
Denkena, Leiter des Instituts für Fertigungstechnik und Werkzeugmaschinen (IFW)
der Leibniz Universität Hannover. „Gleichzeitig ließ sich das Zeitspanvolumen
um bis zu 20 Prozent steigern, was eine deutliche Produktivitätssteigerung
ermöglicht.“ Bedarfsgerechte KSS-Versorgung soll diese Potenziale künftig
systematisch und reproduzierbar in die industrielle Anwendung übertragen.
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Auch mit Blick auf die Nachhaltigkeit in der industriellen Produktion ergeben
sich positive Effekte. „Bedarfsgerechte KSS-Versorgung ermöglicht eine
Reduzierung des Kühlschmierstoffverbrauchs und senkt damit nicht nur den
Energiebedarf im Schleifprozess, sondern auch den Aufwand für Herstellung,
Aufbereitung und Entsorgung des KSS“, erklärt der Wissenschaftler. Er ist
Mitglied der WGP (Wissenschaftliche Gesellschaft für Produktionstechnik), die
zum Thema bedarfsgerechter Einsatz von Kühlschmierstoffen seit vielen Jahren
forscht. Durch stabilere Prozessbedingungen ließen sich zudem
Werkzeugstandzeiten erhöhen und Ausschuss sowie Nacharbeit reduzieren.
Insgesamt trage dies zu einem effizienteren Ressourceneinsatz und einer
nachhaltigeren industriellen Produktion bei.
Schleifkräfte
und Spindelleistung im Blick
„Bereits in den
Grundlagenuntersuchungen konnten
Prozessfenster identifiziert werden, in
denen der Energiebedarf beim Schleifen um
bis zu 27 Prozent reduziert werden konnte“,
sagt Prof. Berend Denkena, Leiter des
Instituts für Fertigungstechnik und
Werkzeugmaschinen (IFW) der Leibniz
Universität Hannover.Leibniz Universität Hannover
„Bedarfsgerechte KSS-Versorgung basiert auf der kontinuierlichen Erfassung
prozessnaher Zustandsgrößen und deren Nutzung zur adaptiven Regelung der
Kühlschmierstoffzufuhr“, erklärt Denkena. Am IFW wurden hierfür zunächst die
Grundlagen der KSS-Versorgung in der Schleifkontaktzone untersucht. Darauf
aufbauend werden aktuell sensor- und regelungstechnische Konzepte entwickelt,
um künftig eine bedarfsgerechte und automatisierte KSS-Versorgung zu
realisieren. Daten sind dabei der wichtigste Rohstoff.
„In den
Grundlagenuntersuchungen wurden kühlschmierstoffbezogene Größen wie
Volumenstrom, Temperatur und Druck sowie prozessnahe Kenngrößen wie
Schleifkräfte, Spindelleistung und werkstückbezogene Eigenschaften erfasst“,
erklärt der Forscher. Dabei wurde analysiert, wie sich veränderte
KSS-Bedingungen auf den Schleifprozess auswirken. Aufbauend darauf sollen
künftig sensorisch erfasste Daten genutzt werden, um Zielgrößen wie
Energieeffizienz, KSS-Bedarf, Werkzeugverschleiß und Werkstückqualität gezielt
zu beeinflussen.
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Gesunde
Emulsion ohne Schaum und Infektionen
Das optimale KSS-Management in der Fabrik treibt auch den
Schmierstoffhersteller Fuchs SE aus Mannheim um. „Ein effizientes
KSS-Management basiert im Wesentlichen auf vier zentralen Bausteinen“, sagt
Alexander Kaiser, Head of Global Product Line Smart Services & Digital
Business Partner bei Fuchs, und zählt sie der Reihe nach auf: erstens das
Anmischen einer stabilen Emulsion mit möglichst feiner Tropfenstruktur unter
Verwendung einer bekannten und empfohlenen Wasserqualität; zweitens die
kontinuierliche Überwachung des „Gesundheitszustands“ der Emulsion, um ihre
Leistungsfähigkeit dauerhaft sicherzustellen; drittens ein regelmäßiger
Nachsatz mit frischer Emulsion zur Kontrolle der Konzentration und zum
Ausgleich von Volumenverlusten; und viertens das gezielte Additivieren zur
Bekämpfung von Infektionen oder Schaumbildung. „Teile des Prozesses können
teilautomatisiert oder vollständig automatisiert werden“, sagt Fuchs-Manager
Kaiser. Automatisierung sei dann sinnvoll, wenn die Applikation stabil sei und
keinen starken Schwankungen unterliege. Außerdem sei auch die
Wirtschaftlichkeit zu beachten, da Automation immer auch Investition
bedeute.
Bei der Automatisierung werde mindestens die aktuelle Konzentration durch
In-Line-Refraktometer ermittelt. Zusätzlich werde der aktuelle Füllstand des
KSS-Tanks erfasst. Über die Zielkonzentration für die Applikation ermittelt die
Automatisierung dann die notwendige Nachsatzmenge und deren Konzentration, um
die Emulsion auf einem konstanten Konzentrationsniveau zu halten. „Alle
Produktionsmittel – beispielsweise Maschinen – und ihre Schmierpunkte werden
als digitale Zwillinge in unserer cloudbasierten Service-Management-Plattform
LubeLink FluidsConnect abgebildet“, sagt der Fuchs-Manager. Der aktuelle
Zustand, Nachsatzmengen sowie der gesamte Pflegeprozess werden über dieses
System erfasst, geplant und nachhaltig abgesichert. „Dadurch kennt das Smart‑Services‑Team
jederzeit den Zustand der Produktion und kann frühzeitig Maßnahmen ergreifen,
um ungeplante Stillstände zu vermeiden“, so Kaiser.
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Riechen,
sehen, messen
„Wir
nutzen eine Vielzahl moderner
Technologien, um aus den verfügbaren
Daten echten Mehrwert für unsere
Kunden zu schaffen. Wo es sinnvoll ist,
kommen dabei auch Verfahren der
künstlichen Intelligenz zum Einsatz“, sagt
Alexander Kaiser, Head of Global Product
Line Smart Services & Digital Business
Partner beim Schmierstoffhersteller Fuchs
SE.Fuchs SE
Für KSS wird typischerweise in kurzen Intervallen die Konzentration bestimmt –
entweder per Refraktometer (automatisiert oder manuell), durch Titration vor
Ort oder mittels detaillierter Laboranalysen. Zusätzlich werden regelmäßig pH‑
und Nitritwerte gemessen. Abstriche dienen der Erkennung möglicher bakterieller
Infektionen. Teilweise werden auch Geruch und optischer Zustand dokumentiert.
Auf Basis dieser Informationen werden Nachsatzzyklen sowie Reinigungsintervalle
der Tanks geplant. „LubeLink unterstützt mit Einsatzplänen und Meldungen die
effiziente Koordination der Experten vor Ort“, sagt Kaiser. Bei
vollautomatischem Nachsatz werde zudem regelmäßig die Funktionsfähigkeit und
Zuverlässigkeit des Equipments überprüft.
Alle Daten – unabhängig davon, ob sie
automatisiert oder manuell erfasst wurden – werden zentral in FluidsConnect gespeichert
und bereitgestellt. Ob sich der ganze Aufwand für den industriellen Anwender lohnt, ist letztlich
ein kaufmännisches Rechenexempel. Denn die Höhe der Effizienz- und
Produktivitätsgewinne durch automatisiertes KSS-Management beim Schleifen
variiert je nach Anwendungsfall. Laut Kaiser können sowohl Personalkosten als
auch Fluidkosten eingespart werden, im Wesentlichen durch Verlängerung der
Standzeiten. Diese Einsparungen müssen allerdings der Investition in die
Automatisierung entgegengestellt werden. „Eine zeitnahe Amortisation ist nicht
in allen Märkten, bei allen Kunden und Applikationen gewährleistet“, räumt der
Fuchs-Manager ein. In allen Fällen steigere professionelles KSS-Management
jedoch die Produktivität, indem Ausfallzeiten auf ein Minimum reduziert würden
und die gewünschte Qualität der produzierten Teile sichergestellt werden
könne.
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Weniger
Wasser, Additive und Energie
Zum ökonomischen Nutzen kommt dabei der ökologische. Durch
Standzeitverlängerung des KSS würden sowohl benötigtes Konzentrat als auch
genutztes Frischwasser verringert. Gleichzeitig reduzierten sich Emulsionen,
die entsorgt werden müssten. „Durch den konstant guten Gesundheitszustand der
Emulsion wird ebenfalls die Nutzung von Additiven reduziert oder gar komplett
vermieden. Auch zu erwähnen ist, dass Standzeitverlängerungen der Werkzeuge und
perfekte Schmierung zu spürbaren Energieeinsparungen führen können“, so Kaiser. Eine Datenverarbeitung in der Cloud bietet zusätzliche Vorteile: „Immer
aktuell, überall verfügbar, zentrale Datenbasis sowie hohe Ausfallsicherheit“,
fasst Kaiser die Vorteile zusammen. Neue Funktionen, Sicherheitsupdates und
Verbesserungen stünden durch die Cloud sofort bereit. Der Zugriff sei von jedem
Standort, jedem Gerät und zu jeder Zeit möglich, was perfekt sei für globale
Produktionsnetzwerke. Daten aus Maschinen, Sensoren, Laboren und
Serviceeinsätzen seien in einem System verfügbar – ohne Datensilos,
Versionskonflikte und Medienbrüche. Und redundante Systeme und professionelles
Monitoring sorgten für Betriebsstabilität.
Daten
bleiben in Deutschland
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Zentral für den Anwender ist dabei, dass die Daten in der Cloud auch sicher
gespeichert sind. „Wir sind uns der zentralen Bedeutung von IT‑Sicherheit
bewusst“, bekräftigt Kaiser. LubeLink sei eine cloudbasierte Plattform, die auf
modernsten Webtechnologien aufbaue. Die Anwendung werde in Deutschland
gehostet. „Da sich LubeLink stetig weiterentwickelt, lassen wir sowohl die
Anwendung als auch die Hosting‑Umgebung regelmäßig von einem unabhängigen
externen Partner prüfen und zertifizieren“, sagt der Fuchs-Manager. „Bislang
wurden keinerlei Schwachstellen oder Sicherheitsprobleme festgestellt – ein
Ergebnis, auf das wir stolz sind. So bieten wir unseren Kunden ein modernes,
leistungsfähiges und zugleich äußerst sicheres System für das Management ihrer
Schmierprozesse“, erklärt Kaiser.
KI
verspricht noch mehr Effizienz
Beim datenbasierten KSS-Management verspricht maschinelles Lernen in Zukunft
weitere Effizienzgewinne. „Wir nutzen eine Vielzahl moderner Technologien, um
aus den verfügbaren Daten echten Mehrwert für unsere Kunden zu schaffen. Wo es
sinnvoll ist, kommen dabei auch Verfahren der künstlichen Intelligenz zum
Einsatz“, sagt der KSS-Experte. „Dank unserer langjährigen Erfahrung und der
über die Zeit aufgebauten Datenbasis können wir Anomalien in
Schmierapplikationen frühzeitig erkennen – und in vielen Fällen sogar
vorhersagen.“ Im Mittelpunkt der Gespräche mit den Kunden stehe jedoch nicht
die Frage, welche Algorithmen oder Technologien eingesetzt werden, sondern wie
die Produktion produktiver, effizienter und nachhaltiger gestaltet werden
könne, so Alexander Kaiser.