Verbände und Industrieunternehmen zeigen, wie KI im Maschinenbau schon heute funktioniert – trotz verhaltener Konjunkturerwartungen für 2026.Gorodenkoff - stock.adobe.com)
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Ob Effizienzsteigerung, Qualitätssicherung oder völlig neue Geschäftsmodelle – die Potenziale von Künstlicher Intelligenz im Maschinenbau sind gewaltig. Im dritten und letzten Teil unserer Industrietrends wollten wir deshalb wissen, was
die Branche schon konkret mit Künstlicher Intelligenz umsetzt. Geantwortet haben wieder der VDMA, VDW, ZVEI sowie Grob, Horn und Lapp.
Laut VDMA-Umfrage haben im vergangenen Jahr bereits 43 Prozent der Unternehmen KI-Lösungen produktiv eingesetzt, weitere 21 Prozent haben den Einstieg geplant, sagt Hartmut
Rauen, stellvertretender VDMA-Hauptgeschäftsführer. Der Verband prognostiziert:
Bis 2028 wird KI für die Mehrheit der
Maschinenbauunternehmen Standard sein.
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„Dabei geht es vor allem um die Nutzung von KI für Softwareentwicklung etwa für die
Maschinensteuerung, Marketing, Kundendienst und Service“, erklärt Rauen.
Angestrebt werde, mit Hilfe von KI den Personalaufwand zu verringern.
Ein weiterer Punkt ist die Reduzierung von Prozesszeiten und
eine Steigerung des Automatisierungsgrades. „KI wird von Predictive Maintenance
über Wissensmanagement bis hin zu generativer KI für Produktentwicklung bereits
eingesetzt“, berichtet Rauen.
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Künstliche Intelligenz sei also eine Chance, die sich der
Maschinenbau nicht entgehen lassen dürfe und werde. Das Domainwissen der
Maschinenbauer sei eine gute Basis, um mit Hilfe der KI und strukturierten
Massendaten dies in effizientere Wertschöpfung zu überführen. „Mit Embodied AI
und dem Datenraum eröffnen wir neue Handlungsräume“, meint Rauen.
Im Verbund mit Automatisierung und Digitalisierung wird KI
eingesetzt, um den Betrieb der Maschine zu optimieren, ihre Bedienung zu
vereinfachen und die Effizienz in der Fertigung zu steigern, berichtet
VDW-Geschäftsführer Dr. Markus Heering. „Chatbots werden beispielsweise im Service
eingesetzt, um Fragen zur Wartung, zu Fehlerdiagnosen oder zum Status der Maschine
zu beantworten.“ Produktions- und Zustandsdaten werden erfasst, mithilfe
Künstlicher Intelligenz ausgewertet und verständlich dargestellt.
Ist ein Chatbot in die CNC-Steuerung integriert, unterstütze
er ihre intuitive Bedienung. Anwender können direkt mit der Steuerung
kommunizieren, um Programme zu erstellen, Prozessstellgrößen, unterstütze durch
hinterlegte Werkzeugdaten, anzupassen, oder Fehlerdiagnosen der Steuerung und
Werkzeugmaschine durchzuführen. Zudem könne der Chatbot bei der
Maschinenwartung unterstützen.
ZVEI-Chefvolkswirt Andreas Gontermann sagt, die Branche stehe vor
dem nächsten großen Entwicklungsschritt: Industrielle KI solle den Weg für
autonome Entscheidungsvorbereitungen, sich selbst konfigurierende Anlagen oder
eine dynamische Orchestrierung komplexer Produktionssysteme bahnen – von
adaptiven Fertigungslinien über vorausschauende Wartung bis hin zu neuen
Geschäftsmodellen.
„Hierin steckt viel Potenzial.“ Das zeige auch eine Umfrage
des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des ZVEI unter Entscheidern aus verschiedenen Industriebranchen: 67 Prozent
der Befragten erwarten dadurch einen positiven Einfluss auf ihre eigene
Wettbewerbsfähigkeit.
Bei Grob ist KI inzwischen gelebte Praxis – und zwar in
allen Abteilungen. „Wir nutzen sie zur Optimierung von
Produktionsprozessen, Qualitätskontrolle, vorausschauender Wartung und in der
Planung und Entwicklung“, so Christian Müller, Chief Sales Officer bei Grob. Gleichzeitig bringt das Unternehmen KI
direkt in die Produkte ein, sodass auch die Kunden konkrete Vorteile haben:
effizientere Abläufe, höhere Präzision und neue Möglichkeiten in der
Produktion.
„So steigern wir nicht nur unsere eigene Effizienz, sondern
schaffen echten Mehrwert für unsere Kunden“, sagt Müller.
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Markus Horn, Geschäftsführer der Paul Horn GmbH, sieht das Thema KI kritischer: „Nur fähige und
gut darauf ausgebildete Menschen sollten damit ernsthaft arbeiten, um die
Scheinwahrheiten und Gefahren der KI entlarven zu können“. KI führe oft zu
Mittelmaß und diene deswegen hauptsächlich für die Lösung immer wieder
kehrender Aufgaben. „Exzellente Lösungen schafft aktuell nur der Mensch“, sagt er.
Konjunktur 2026: Das erwartet die Branche
Zum Schluss wollten wir von den Experten wieder wissen,
welche Schulnote (1-6) sie der Konjunktur für 2026 geben würden.
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VDW-Geschäftsführer Heering vergibt eine 3. „Weil wir
daraufsetzen, dass die Politik dieses Jahr die Kurve bekommt und die
notwendigen Reformen angeht“, sagt er.
Ebenfalls eine 3 kommt vom ZVEI. „Zwar lief das vergangene
Jahr wieder besser als das vorherige, aber nicht wirklich gut. Für 2026
erwarten wir erneut eine bessere Entwicklung als im Vorjahr und dabei auch
wieder leichtes Wachstum. Allerdings würde auch damit der scharfe 2024er
Rückgang noch nicht wieder aufgeholt werden können“, erklärt Chefvolkswirt
Gontermann.
Der VDMA gibt eine 3-4. „Wir erwarten eine Bodenbildung und
einen leichten zyklischen Aufschwung im Jahr 2026, allerdings kommend von einem
sehr niedrigem Niveau nach drei Jahren rückläufiger Produktion 2023-2025. Die
weltweite Unsicherheit bleibt hoch“, so Chefvolkswirt Gernandt.
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Jetzt heißt es: gemeinsam anpacken – Politik, Wirtschaft und Gesellschaft.
Matthias Lapp, CEO Lapp
Eine 3 Minus vergeben Markus Horn und Christian Müller
(Grob). „Die Konjunkturerwartungen liegen deutlich hinter den Prognosen des
Weltwirtschaftswachstums zurück. Es kommt zwar einerseits erstmal mal auf die
eigene Leistung der Unternehmen an; andererseits aber auch auf die politischen
Rahmenbedingen und da sehe ich in der globalen Perspektive keine signifikante
Verbesserung“, sagt Horn.
Müller erklärt, die Rahmenbedingungen bleiben anspruchsvoll,
aber es gebe Ansatzpunkte für eine moderate Erholung. „Entscheidend wird sein,
ob Investitionen wieder spürbar anziehen und politische Maßnahmen die
Wirtschaft nachhaltig unterstützen.“
Matthias Lapp, CEO von Lapp, vergibt für die Weltwirtschaft eine 3. „Wir
sehen international eine moderate Erholung: Die Inflation ist weltweit
rückläufig, Lieferketten stabilisieren sich, und die Investitionen in grüne
Technologien sowie Digitalisierung fördern das Wachstum.“ Dem gegenüber stehen
unvorhersehbare geopolitische Risiken.
Für Deutschland und in Teilen auch Europa ist seine Note dagegen
schlechter: eine 4-5. Es gebe zwar Chancen durch die Energiewende und
Digitalisierung, aber die strukturellen Probleme bleiben. Dazu kommen Lapp
zufolge die großen Themen: „Unser Sozialsystem steht auf der Kippe, Deutschland
hat Rekordschulden und jeder weiß, dass die Rente so nicht nachhaltig
funktionieren kann. Und niemand traut sich, diese großen Themen politisch
anzugehen.“
Deutschland stehe am Scheideweg – die Industrie brauche
klare Antworten. Als Familienunternehmer liegt ihm der Standort Deutschland am
Herzen. „Jetzt heißt es: gemeinsam anpacken – Politik, Wirtschaft und
Gesellschaft“, so Matthias Lapp.
FAQ: Künstliche Intelligenz im Maschinenbau
1. Wie weit ist der Maschinenbau beim Einsatz von KI?
Laut einer VDMA-Umfrage haben bereits 43 Prozent der Maschinenbauunternehmen im vergangenen Jahr KI-Lösungen produktiv eingesetzt. Weitere 21 Prozent planen den Einstieg. Bis 2028 soll Künstliche Intelligenz laut VDMA zum Standard im Maschinenbau werden.
2. Welche konkreten Anwendungen von KI gibt es bereits?
KI wird im Maschinenbau unter anderem für Predictive Maintenance, Wissensmanagement und generative Produktentwicklung genutzt. Auch in Bereichen wie Maschinensteuerung, Service, Marketing und Kundendienst ist KI im Einsatz – oft mit dem Ziel, den Personalaufwand zu senken und Prozesse zu beschleunigen.
3. Wie unterstützen Chatbots in der Produktion?
Chatbots werden zur Maschinenwartung, Fehlerdiagnose und Prozessoptimierung eingesetzt. In CNC-Steuerungen ermöglichen sie eine intuitive Bedienung, helfen beim Erstellen von Programmen, passen Prozessparameter an und führen Diagnosen durch – unterstützt durch integrierte Werkzeugdaten.
4. Welche Unternehmen gelten als Vorreiter im KI-Einsatz?
Das Unternehmen Grob setzt KI umfassend ein – von Produktionsprozessen über Qualitätskontrolle bis hin zur vorausschauenden Wartung und Produktentwicklung. Die KI fließt auch direkt in die Maschinen ein und bietet Kunden dadurch messbaren Mehrwert in Form von Effizienz und Präzision.
5. Wie schätzen Verbände die wirtschaftliche Lage für 2026 ein?
Die Konjunkturerwartungen bleiben verhalten. VDMA, VDW und ZVEI vergeben Schulnoten zwischen 3 und 4. Zwar wird mit einer moderaten Erholung gerechnet, jedoch bleibt die Unsicherheit hoch. Politische Rahmenbedingungen und Investitionsimpulse gelten als entscheidend für die Entwicklung.