Industrie 2026 im Wandel

Fertigungsindustrie 2026 zwischen KI und Regulierung

Die Fertigungsbranche steht 2026 vor tiefgreifendem Wandel: KI, digitale Produktpässe, geopolitische Risiken und Fachkräftemangel zwingen Unternehmen, Prozesse, Plattformen und Strategien neu auszurichten.

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Die Fertigungsindustrie befindet sich 2026 in einer Phase tiefgreifender Veränderungen.

Geopolitische Unsicherheiten, steigende Energie- und Rohstoffpreise sowie ein akuter Fachkräftemangel zwingen Unternehmen dazu, ihre Strategien neu auszurichten. Laut einer Studie von Revalize haben bereits 85 Prozent der Fertigungsunternehmen ihre Supply-Chain-Strategien angepasst. Künstliche Intelligenz hält Einzug in nahezu alle Bereiche der Fertigung – von der Produktionsplanung bis zum Supply-Chain-Management.

KI in der Fertigung: Effizienz trifft auf Skepsis

Mehr als die Hälfte der Unternehmen nutzt KI zur Steuerung von Lieferketten und Beständen. In PLM-Systemen beschleunigt sie den Zugriff auf Informationen und automatisiert komplexe Workflows. Gleichzeitig ist die Zurückhaltung insbesondere im DACH-Raum groß. Fast jedes dritte Unternehmen äußert Vorbehalte gegenüber KI, hinzu kommt ein deutlicher Mangel an entsprechenden Kompetenzen. Experten raten daher zu einem bewussten, kontrollierten Einsatz: Vertrauen in KI entsteht nur durch Transparenz und Erfahrung.

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Digitaler Produktpass: Pflicht ab 2027, Chance schon heute

Ab 2027 führt die EU schrittweise den digitalen Produktpass ein. Er dokumentiert den gesamten Produktlebenszyklus, eingesetzte Materialien und Nachhaltigkeitskennzahlen. Viele Unternehmen sind darauf jedoch noch unzureichend vorbereitet: Weniger als die Hälfte weiß genau, was der Produktpass umfasst. Besonders herausfordernd sind fehlende Compliance-Ressourcen und die Komplexität der Vorgaben. Dabei bietet der digitale Produktpass mehr als regulatorische Sicherheit: In Kombination mit PLM- und ERP-Systemen schafft er Transparenz, stärkt das Kundenvertrauen und kann zum Wettbewerbsvorteil werden.

Lieferketten rücken näher an die Märkte

Handelskonflikte und Zölle verändern globale Lieferketten nachhaltig. Viele Hersteller reduzieren gezielt ihre Abhängigkeit von Hochrisikoregionen oder ziehen sich aus einzelnen Märkten zurück. Regionalisierung und Diversifizierung der Produktion gewinnen an Bedeutung. Um Risiken frühzeitig zu erkennen, investieren Unternehmen verstärkt in digitale Risk-Management-Tools. Die Fähigkeit, schnell und datenbasiert zu reagieren, entwickelt sich zum entscheidenden Erfolgsfaktor.

Weiterbildung wird durch Fachkräftemangel zur Pflicht

Der Mangel an qualifizierten Fachkräften verschärft sich weiter. Besonders gefragt sind Kompetenzen in Datenanalyse, Automatisierung und Cybersecurity. Digitale Fähigkeiten werden branchenübergreifend zur Grundvoraussetzung – auch außerhalb von Entwicklung und Konstruktion. Erfolgreiche Unternehmen setzen daher auf kontinuierliche Weiterbildung, digitale Lernplattformen und gezielte Qualifizierungsprogramme, um ihre Mitarbeitenden für neue Technologien und Arbeitsweisen zu befähigen.

Trend zur Plattformkonsolidierung setzt sich fort

Viele Fertigungsunternehmen kämpfen mit komplexen, schlecht integrierten IT-Landschaften. Die Folge: hohe Kosten und gebremste Innovationsfähigkeit. 2026 setzt sich daher der Trend zur Plattformkonsolidierung fort. Vereinfachte Tech-Stacks reduzieren Integrationsaufwand, beschleunigen Innovationen und verbessern die Zusammenarbeit zwischen Abteilungen. Interoperabilität wird zum zentralen Kriterium bei Softwareentscheidungen.

Datengetriebene Resilienz als Erfolgsfaktor

2026 markiert einen Wendepunkt für die Fertigungsindustrie. Unternehmen, die digitale Technologien konsequent über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg integrieren, gewinnen an Flexibilität und Wettbewerbsfähigkeit. Echtzeitdaten, vernetzte Systeme und qualifizierte Mitarbeitende bilden die Grundlage für resiliente, zukunftssichere Geschäftsmodelle.

Quelle: Proalpha

FAQs zum Wandel in der Fertigungsindustrie

1. Warum steht die Fertigungsindustrie 2026 unter besonderem Transformationsdruck?

Geopolitische Unsicherheiten, steigende Energie- und Rohstoffkosten, regulatorische Vorgaben und der Fachkräftemangel zwingen Unternehmen, Prozesse, Lieferketten und IT-Landschaften grundlegend zu überdenken.

2. Welche Rolle spielt Künstliche Intelligenz in der Fertigungsindustrie?

KI optimiert Prozesse in Produktion, Supply Chain und PLM-Systemen, indem sie Daten schneller verfügbar macht und komplexe Workflows automatisiert. Gleichzeitig besteht insbesondere im DACH-Raum noch Skepsis und Kompetenzbedarf.

3. Was ist der digitale Produktpass und warum ist er wichtig?

Der digitale Produktpass dokumentiert den gesamten Lebenszyklus eines Produkts inklusive Materialien und Nachhaltigkeitsdaten. Ab 2027 wird er EU-weit verpflichtend und ist zugleich ein strategisches Instrument für Transparenz und Wettbewerbsfähigkeit.

4. Sind deutsche Unternehmen auf den digitalen Produktpass vorbereitet?

Viele nicht ausreichend. Ein großer Teil der Unternehmen kennt die konkreten Anforderungen noch nicht oder kann den eigenen Vorbereitungsgrad nicht einschätzen. Besonders fehlen Ressourcen und Orientierung im Umgang mit Compliance-Vorgaben.

5. Wie reagieren Fertigungsunternehmen auf geopolitische Risiken?

Sie diversifizieren und regionalisieren ihre Lieferketten, reduzieren Abhängigkeiten von Hochrisikoregionen und investieren in digitale Risk-Management-Tools, um schneller auf Veränderungen reagieren zu können.

6. Welche Kompetenzen werden in der Fertigung künftig besonders gefragt sein?

Gefragt sind vor allem Fähigkeiten in Datenanalyse, Automatisierung, KI, Cybersecurity sowie der sichere Umgang mit PLM-, ERP- und cloudbasierten Kollaborationstools – auch außerhalb klassischer Technikrollen.

7. Warum gewinnt die Konsolidierung von IT-Plattformen an Bedeutung?

Komplexe, fragmentierte IT-Landschaften bremsen Innovation und verursachen hohe Kosten. Konsolidierte, interoperable Plattformen vereinfachen Prozesse, beschleunigen die Einführung neuer Funktionen und verbessern die Zusammenarbeit.