Umfrage zeigt Frust

Wirtschaft: Note vier für Bundesregierung in Ifo-Umfrage

Unzufriedenheit auf breiter Front: Die Wirtschaft bewertet die Bundesregierung mit der Schulnote vier. Eine Ifo-Sonderumfrage legt die Ursachen offen – und sie sind deutlich.

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In den Führungsetagen der Wirtschaft herrscht Enttäuschung über die Bundesregierung.
In den Führungsetagen der Wirtschaft herrscht Enttäuschung über die Bundesregierung.

Klare Botschaft aus der Wirtschaft

Die Stimmung in den Führungsetagen der deutschen Wirtschaft ist angespannt. Eine Sonderumfrage des Münchener Ifo-Instituts unterstreicht, was aus Industrie, Handel und Dienstleistungssektor bereits seit Monaten zu vernehmen ist: deutliche Kritik an der Bundesregierung. Die Koalition aus Union und SPD erhält von 6.300 befragten Unternehmen im Schnitt die Schulnote 4,2. Ein eindeutiges Zeichen für grundlegende Unzufriedenheit mit der wirtschaftspolitischen Ausrichtung.

Insbesondere die Sozial- und Rentenpolitik schneidet mit einer Durchschnittsnote von 4,6 besonders schlecht ab. Auch die Politikfelder Arbeitsmarkt, Industrie sowie Energie- und Klimapolitik werden lediglich mit Noten zwischen 4,1 und 4,2 bewertet. Für Finanz-, Infrastruktur- und Digitalisierungspolitik fällt das Urteil mit einer 4,0 kaum besser aus.

„Die Unternehmen sehen derzeit kaum Fortschritte bei den zentralen wirtschaftspolitischen Themen“, kommentiert Klaus Wohlrabe, Umfragechef des Ifo-Instituts. „Das Urteil fällt entsprechend negativ aus.“

Kritik unabhängig von der Branche

Bemerkenswert ist, dass die Kritik branchenübergreifend ähnlich ausfällt. Unabhängig vom Sektor herrscht ein einheitlich kritischer Blick auf die Arbeit der Bundesregierung. Wohlrabe und seine Kollegen fassen in ihrer Auswertung unter dem Titel „Versetzungsgefährdet?“ zusammen:

„Insgesamt bewerten die Unternehmen die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung über die verschiedenen Politikfelder hinweg konsistent kritisch, ohne einzelne Bereiche deutlich hervorzuheben oder besonders stark abzustrafen.“

Die methodische Basis dieser Einschätzung bildet die monatliche Konjunkturerhebung des Instituts. Die Schulnoten wurden als Zusatz zur Januarumfrage integriert und von rund 6.300 Unternehmen beantwortet – eine breite Datenbasis, die der Bewertung ein erhebliches Gewicht verleiht.

Bürokratieabbau als dringendstes Anliegen

Die Umfrage lieferte nicht nur Schulnoten. In einem Freitextfeld konnten Unternehmen zusätzlich ihre Sicht auf die dringendsten wirtschaftspolitischen Aufgaben formulieren. Dabei wurde ein Thema besonders häufig genannt: Bürokratieabbau.

40,4 Prozent der Unternehmen forderten explizit weniger Regulierung und mehr Flexibilität im Verwaltungshandeln. Auf Platz zwei der wichtigsten Handlungsfelder folgen Steuer- und Abgabenreformen mit 37,1 Prozent. Laut Ifo beinhalten die Forderungen sowohl konkrete Steuersenkungen als auch eine grundlegende Vereinfachung des Steuersystems.

Diese Aussagen spiegeln sich auch in den Kommentaren wider, die die Forscher auswerteten. Demnach sorgt die Vielzahl an Vorschriften, Regularien und komplexen Verfahren für zunehmenden Frust in den Betrieben.

Der Wunsch nach planbaren Rahmenbedingungen und einer Entlastung von administrativem Aufwand zieht sich wie ein roter Faden durch die Antworten.

Mit Material der dpa

FAQ zur Unzufriedenheit der Wirtschaft mit der Regierung

  • Wer hat die Umfrage durchgeführt? - Das Ifo-Institut in München.
  • Wie viele Unternehmen wurden befragt? - Rund 6.300 Unternehmen.
  • Was war das Ergebnis der Umfrage? - Die Bundesregierung erhielt im Schnitt die Schulnote 4,2.
  • Welcher Politikbereich schnitt am schlechtesten ab? - Die Sozial- und Rentenpolitik mit der Note 4,6.
  • Was fordern die Unternehmen am häufigsten? - Den Abbau von Bürokratie sowie Steuer- und Abgabenreformen.
  • Gab es Unterschiede zwischen den Branchen? - Nein, die Kritik war branchenübergreifend ähnlich ausgeprägt.