Wirtschaft

Fischer-Gruppe: Befestigungstechnik kompensiert Automotive-Ausstieg

Trotz des Verkaufs der Automotive-Sparte bleibt die Fischer-Gruppe auf Kurs: 1,05 Milliarden Euro Umsatz, Wachstum bei Befestigungssystemen und neue Impulse aus dem Nahen Osten prägen das Geschäftsjahr 2025.

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Der Bereich Befestigungssysteme blieb auch 2025 der wichtigste Wachstumsmotor. Fischer verweist auf zahlreiche Großprojekte, darunter Bauvorhaben im Nahen Osten sowie Hightech-Anwendungen wie das „Extremely Large Telescope“ der Europäischen Südsternwarte in Chile.

Die Fischer-Gruppe ist im Geschäftsjahr 2025 trotz eines anspruchsvollen wirtschaftlichen Umfelds stabil geblieben. Das Familienunternehmen aus dem Nordschwarzwald erzielte einen Umsatz von 1,05 Milliarden Euro und konnte damit den Rückgang durch den Verkauf der Automotive-Sparte weitgehend kompensieren. Im Vorjahr hatte Fischer noch 1,11 Milliarden Euro umgesetzt. Angaben zum Ergebnis machte das Unternehmen nicht.

Entscheidend für die Entwicklung war erneut der größte Unternehmensbereich Befestigungssysteme. Dieser legte währungsbereinigt um drei Prozent zu und bestätigte damit seine Rolle als zentraler Wachstumstreiber. Die breite internationale Aufstellung half dem Unternehmen zudem, negative geopolitische Einflüsse abzufedern. Fischer exportiert in rund 120 Länder und beschäftigt weltweit etwa 4.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

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Bereits 2024 hatte sich Fischer von seiner Automotive-Sparte getrennt. Hintergrund waren Unsicherheiten in der Automobilindustrie sowie deutlich rückläufige Absatzzahlen. Mit dem Schritt richtet sich das Unternehmen stärker auf jene Geschäftsfelder aus, in denen es über eine hohe technologische Marktposition verfügt.

Am früheren Automotive-Standort in Horb plant Fischer Investitionen in ein neues Chemiewerk. Dort sollen künftig Produkte für die Bauwerkssanierung und den Brandschutz entwickelt und gefertigt werden. Diese Bereiche gelten als wachstumsstark – nicht zuletzt aufgrund steigender Anforderungen an Sicherheit, Sanierung bestehender Infrastruktur und nachhaltiges Bauen.

Befestigungssysteme profitieren von Großprojekten und Innovationen

Im Bereich Befestigungssysteme verweist Fischer auf eine Reihe internationaler Referenzprojekte. Dazu zählen Bauvorhaben im Nahen Osten ebenso wie hochspezialisierte Anwendungen in Europa und Südamerika. Ein Beispiel ist die Lieferung von Installationssystemen für das „Extremely Large Telescope“ (ELT) der Europäischen Südsternwarte in Chile, das als größtes optisches Teleskop der Welt gilt.

Zudem treibt Fischer die Digitalisierung im Bauwesen voran. Der unternehmenseigene Bauroboter „Baubot“ kam 2025 auf mehreren Großbaustellen zum Einsatz, unter anderem in den Niederlanden und in Deutschland. Im 24-Stunden-Dauerbetrieb setzte der Roboter einen Guinness-Weltrekord und unterstrich damit den Anspruch des Unternehmens, auch im Bereich Baurobotik Maßstäbe zu setzen.

Parallel dazu brachte Fischer zahlreiche neue Produkte auf den Markt, etwa Hybridlösungen, die Eigenschaften von Stahlankern und Kunststoffdübeln kombinieren, sowie sensorintegrierte Befestigungssysteme für sicherheitskritische Anwendungen.

Fischertechnik bleibt stabil – Bildung und Spielwaren im Fokus

Der Unternehmensbereich fischertechnik zeigte sich 2025 insgesamt stabil. Während im Bildungsbereich neue Lernkonzepte umgesetzt wurden, profitierte der Spielwarenbereich von einer anhaltend hohen Nachfrage nach technischen Bau- und Lernsystemen. Fischer sieht hier weiterhin Potenzial, insbesondere durch die Verbindung von Technik, Kreativität und Nachhaltigkeit.

Für 2026 kündigt das Unternehmen eine Weiterentwicklung der Marken fischertechnik und fischerTiP an. Neue Produktlinien sollen zusätzliche Zielgruppen erschließen und das Angebot sowohl im Bildungs- als auch im Konsumgüterbereich stärken.

Expansion im Nahen Osten: Neue Gesellschaft in Saudi-Arabien

Ein weiterer Schwerpunkt der internationalen Strategie liegt im Nahen Osten. Angesichts umfangreicher Bauprojekte in der Region gründete Fischer 2025 eine eigene Landesgesellschaft in Saudi-Arabien. Es handelt sich um die weltweit 51. operative Gesellschaft der Unternehmensgruppe.

Der Sitz befindet sich in der Hauptstadt Riad, weitere Standorte gibt es unter anderem in Dammam, Dschidda und Tabuk. In Dammam betreibt Fischer zudem einen Produktionsstandort. Das Engagement in Saudi-Arabien soll dem Unternehmen langfristig Zugang zu einem der dynamischsten Baumärkte weltweit sichern

Nachhaltigkeit und Arbeitgeberprofil

Auch im Bereich Nachhaltigkeit setzt Fischer seine Aktivitäten fort. Das Unternehmen wurde 2025 erneut mit dem Gütesiegel „Green Brand“ ausgezeichnet. Gleichzeitig positioniert sich die Gruppe weiterhin als attraktiver Arbeitgeber: Mit 16 Ausbildungsberufen und 14 dualen Studiengängen bildet Fischer nach eigenen Angaben über dem Branchendurchschnitt aus.

Vorsichtiger Ausblick auf 2026

Für das laufende Geschäftsjahr plant die Fischer-Gruppe weiteres Umsatzwachstum, verzichtet jedoch auf eine konkrete Prognose. Das Unternehmen rechnet damit, dass geopolitische Unsicherheiten auch 2026 eine zentrale Rolle spielen werden. In Deutschland bleiben hohe Energiekosten sowie bürokratische Hürden in der EU belastende Faktoren. Dennoch sieht sich Fischer dank seiner internationalen Präsenz, der klaren strategischen Fokussierung und seiner Innovationskraft gut aufgestellt, um auch in einem volatilen Umfeld weiter zu wachsen.

mit Material von dpa und Fischer-Gruppe

Das Fischer-Ergebnis auf einen Blick

1. Wie hoch war der Umsatz der Fischer-Gruppe 2025? Der Umsatz lag bei 1,05 Milliarden Euro – trotz des Verkaufs der Automotive-Sparte.

2. Welcher Bereich entwickelte sich am stärksten? Die Befestigungssysteme wuchsen währungsbereinigt um drei Prozent und blieben der wichtigste Wachstumstreiber.

3. Warum hat sich Fischer vom Automotive-Geschäft getrennt? Grund waren Unsicherheiten in der Automobilbranche und eingebrochene Absatzzahlen.

4. Wo investiert Fischer aktuell besonders stark? Unter anderem in ein neues Chemiewerk in Horb sowie in den Ausbau der Präsenz in Saudi-Arabien.

5. Wie blickt das Unternehmen auf 2026? Fischer strebt weiteres Umsatzwachstum an, rechnet jedoch mit anhaltenden geopolitischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten.