Stellantis streicht Dividende nach Milliardenverlust
Ein Strategiewechsel mit Folgen: Stellantis bilanziert für 2025 tiefrote Zahlen. Grund ist die Abkehr vom bisherigen Elektroautokurs – verbunden mit Milliardenabschreibungen und einem radikalen Kurswechsel.
Stellantis ist 2025 tief in die Verlustzone gerutscht und will keine Dividende zahlen. Dazu kommt eine Abschreibung von fast 22 Milliarden Euro.monticellllo - stock.adobe.com
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Bilanzschock in Amsterdam
Die Opel-Mutter Stellantis hat sich mit einer radikalen Neuausrichtung auf dem US-Elektroautomarkt tief ins Minus manövriert. Der Fiat- und Chrysler-Konzern veröffentlichte am Freitag in Amsterdam alarmierende Zahlen. Der Umbau der Strategie hat den Konzern 2025 mit einer Abschreibung von fast 22 Milliarden Euro schwer getroffen. Allein rund 15 Milliarden Euro entfallen auf die Rücknahme des Elektroautokurses in den Vereinigten Staaten. Hintergrund sind die unter der Regierung von Donald Trump gestrichenen Förderungen für Elektrofahrzeuge sowie veränderte Abgasrichtlinien.
Für die Aktionäre ist die Bilanz ein herber Rückschlag. Stellantis kündigte an, im laufenden Jahr keine Dividende auszuschütten. Damit reagiert der Konzern auf die massiven Belastungen, die sich über mehrere Jahre ziehen werden. Insgesamt belaufen sich die anstehenden Auszahlungen auf rund 6,5 Milliarden Euro. Zusätzlich soll frisches Kapital in Höhe von bis zu 5 Milliarden Euro durch die Ausgabe neuer Anleihen beschafft werden, um die Bilanz zu stabilisieren.
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An der Börse folgte eine deutliche Reaktion: Die Aktie verlor nach dem Handelsstart in Paris fast ein Fünftel ihres Wertes und fiel zeitweise auf ein neues Rekordtief. Schon am Vortag hatte der Kurs um knapp sechs Prozent nachgegeben. Im Jahresvergleich ergibt sich ein dramatischer Wertverlust – rund die Hälfte des Aktienwertes ist dahin.
Analysten sprechen von historischen Belastungen
Jefferies-Analyst Philippe Houchois ordnet die Situation eindeutig ein: „Rekordhohe Belastungen bei Stellantis“, lautet seine erste Einschätzung zur veröffentlichten Bilanz. Der Strategiewechsel sei zwar nicht überraschend gewesen, doch die Wucht der finanziellen Konsequenzen habe selbst erfahrene Marktbeobachter überrascht.
Hintergrund: Schrumpfende Margen und Absatzprobleme in den USA
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Der Wandel im US-Markt kam zur Unzeit. Stellantis sah sich dort mit schwächelnden Verkaufszahlen und gleichzeitig sinkenden Preisen konfrontiert. In der Vergangenheit hatte der Konzern einen Großteil seiner Gewinne in Nordamerika erwirtschaftet – ein Umstand, der die aktuelle Entwicklung umso brisanter macht.
In der Folge war Stellantis gezwungen, mit hohen Kosten gegenzusteuern. Ex-Konzernchef Carlos Tavares verlor im Zuge dieser Entwicklungen seinen Posten. Die strukturelle Neuorientierung betrifft mehrere Marken im Konzernportfolio, darunter Fiat, Chrysler, Peugeot, Jeep, Alfa Romeo und Opel.
Trotz der negativen Schlagzeilen sieht der neue CEO Antonio Filosa Anzeichen einer beginnenden Erholung. Laut Mitteilung seien im zweiten Halbjahr 2025 die Verkäufe gegenüber dem Vorjahr um 11 Prozent gestiegen – auf insgesamt 2,8 Millionen Fahrzeuge. Sowohl Umsatz als auch der freie Mittelzufluss hätten die Werte aus dem ersten Halbjahr übertroffen.
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Auch von Qualitätsverbesserungen ist die Rede. Die berichteten Mängel bei Fahrzeugen seien sowohl in Nordamerika als auch in Europa zurückgegangen. Dennoch blieb die operative Marge hinter den Erwartungen zurück und bewegte sich lediglich im niedrigen einstelligen Bereich.
Vergleich zur Konkurrenz
Stellantis ist nicht der einzige Automobilkonzern, der unter den veränderten politischen Rahmenbedingungen in den USA leidet. Auch Wettbewerber wie Ford und General Motors mussten Milliardenbeträge abschreiben, nachdem die US-Regierung ihren Kurs bei der Förderung von Elektromobilität geändert hatte. Die Dimension der Verluste bei Stellantis jedoch übersteigt die der Konkurrenz deutlich – und trifft den Konzern in einer Phase, in der ohnehin viele strukturelle Herausforderungen zu bewältigen sind.
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Mit Material der dpa
FAQ zum Milliarden-Verlust bei Stellantis
Warum verzeichnet Stellantis einen so hohen Verlust? - Hauptgrund ist die strategische Abkehr vom US-Elektroautomarkt, die zu Abschreibungen in Milliardenhöhe führte.
Wie hoch ist die Abschreibung insgesamt? - Laut Unternehmensangaben beläuft sich die Abschreibung auf knapp 22 Milliarden Euro, davon rund 15 Milliarden Euro allein für den US-Markt.
Welche Maßnahmen ergreift Stellantis zur Stabilisierung? - Der Konzern plant die Ausgabe neuer Anleihen im Umfang von bis zu 5 Milliarden Euro und streicht die Dividende, um finanzielle Spielräume zu sichern.
Wie hat sich der Aktienkurs entwickelt? - Nach Veröffentlichung der Zahlen verlor die Aktie in Paris fast 20 Prozent und fiel auf ein Rekordtief. Innerhalb eines Jahres hat sie rund 50 Prozent an Wert eingebüßt.
Wer ist der neue CEO von Stellantis? - Antonio Filosa hat die Nachfolge von Carlos Tavares angetreten und sieht erste positive Entwicklungen im operativen Geschäft.