Röhrchen mit einer Tupferprobe, die positiv auf COVID-19 getestet wurde. Mexikanische Flagge im Hintergrund.

In Mexiko haben sich knapp 500.000 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. - Bild: Adobe Stock/MyriamB

| von Anja Ringel

Cerrado. Geschlossen – Das galt bis vor kurzem für viele Firmen in Mexiko. Die Wirtschaft des Landes war bis Mai nahezu komplett heruntergefahren. Egal ob Automobilindustrie oder Bausektor: Nicht-systemrelevante Branchen durften während des partiellen Lockdowns nicht arbeiten.

Während in einigen Ländern schon von der zweiten Welle gesprochen wird, sei Mexiko noch mitten in der ersten Welle, „die noch lange nicht gebrochen ist“, erklärte Johannes Hauser Anfang Juli in einem Video. Er ist Geschäftsführer der Deutsch-Mexikanischen Industrie- und Handelskammer. Inzwischen haben sich in Mexiko knapp 500.000 Menschen mit Covid-19 angesteckt, fast 30.000 sind daran gestorben.

Audi produziert seit Ende Juni wieder

Die Sorge sei, dass das fragile Gesundheitssystem überfordert wird und man der negativen Entwicklung nicht Einhalt gebieten kann, erklärt er. Und nicht nur das. Corona führt auch zu wirtschaftlichen Schäden, zum Beispiel in der Autoindustrie. Mexiko ist neben China ein wichtiges Land für die Branche. Viele Autobauer und Zulieferer lassen dort produzieren. So auch Audi, BMW und Volkswagen. Die deutschen Hersteller dürfen inzwischen zumindest teilweise wieder produzieren.

Bei Audi stand das Werk in Mexiko dennoch länger still als die europäischen Produktionsstätten. Grund sei die gesundheitliche Lage vor Ort gewesen, erklärt eine Audi-Sprecherin gegenüber PRODUKTION. Mitte Juni habe das Unternehmen mit Trainings für die Mitarbeiter zur Vorbereitung begonnen. Seit 22. Juni wird nun wieder „unter strenger Einhaltung der Schutzmaßnahmen“ produziert. Schicht für Schicht werde langsam wieder hochgefahren.

Seit dieser Woche sind nun wieder drei Schichten aktiv – jeweils mit längerer zeitlicher Unterbrechung, damit sich die Mitarbeiter der unterschiedlichen Schichten nicht begegnen und zur Desinfektion aller Bereiche. Weitere Maßnahmen sind unter anderem Temperaturmessungen, Maskenpflicht und Hygienemaßnahmen sowohl im Werk als auch in den Bussen, mit denen die Menschen zur Arbeit kommen.

Unterschiedliche Entwicklungen bei BMW und VW in Mexiko

Etwas früher hat BMW sein Werk in San Luis Potosí wieder geöffnet. Das Werk wurde ab Ende Mai wieder sukzessive hochgefahren, erklärt eine BMW-Sprecherin. Seit Anfang Juni werde wieder im regulären Schichtbetrieb gearbeitet. Auch im dortigen Werk gibt es unterschiedliche Schutzmaßnahmen wie zum Beispiel Schutzmasken und bei schmalen Wegen „Fußgänger-Einbahnstraßenregelungen“, um Abstand halten zu können. Die Werksmitarbeiter sollen außerdem bereits in der Arbeitskleidung kommen, um die Umkleiden zu entlasten, sagt die Sprecherin.

Zweit Mitarbeiter im mexikanischen Werk von BMW.
BMW hat 2019 das neue Automobilwerk in San Luis Potosí, Mexiko, eröffnet. Archivbild: BMW Group

Weil die Nachfrage geringer ist als zu Beginn der Pandemie, läuft das VW-Werk in Mexiko momentan nur mit einer 30-prozentigen Auslastung. Davor war das Werk zwölf Wochen lang geschlossen, berichtet ein Sprecher von VW Mexiko auf Nachfrage von PRODUKTION. Wann wieder im Normalbetrieb gearbeitet wird, konnte der Sprecher noch nicht sagen. VW Mexiko hat mehr als 100 Hygienemaßnahmen in seinem Werk umgesetzt.

Die unterschiedlichen Startzeiten in den Werken lassen sich auch dadurch erklären, dass Audi und VW im Bundesstaat Puebla produzieren. Der dortige Gouverneur hatte eine Wiederöffnung der Werke zunächst blockiert. Als Kompromiss wurde vereinbart, dass die Werke nur zu 30 Prozent produzieren, um so das Ansteckungsrisiko zu minimieren.

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So geht es den deutschen Unternehmen in Mexiko

Nicht nur die Autobauer, auch andere deutsche Unternehmen in Mexiko sind von den wirtschaftlichen Auswirkungen betroffen. Das zeigt eine Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags. Demnach erwarten rund 36 Prozent einen Umsatz-Rückgang zwischen 25 und 50 Prozent in diesem Jahr. Knapp 29 Prozent gehen von einem Rückgang zwischen zehn und 25 Prozent aus.

Die Grafik zeigt, welche Umsatzrückgänge die deutschen Unternehmen in Mexiko erwarten.
Diesen Umsatzrückgang erwarten deutsche Unternehmen in Mexiko. - Grafik: Anja Ringel; Quelle: DIHK-Blitzumfrage

Dabei spüren die Unternehmen besonders die gesunkene Nachfrage (77,5 Prozent), Auftragsstornierungen (58,8 Prozent) und Reisebeschränkungen (50 Prozent).

Ein weiteres Problem: Anders als in Deutschland gibt es nur für den informellen Sektor staatliche Hilfen, erklärt Hauser. Branchen wie die Autoindustrie müssen also alleine aus der Krise kommen, was für 75 Prozent der Mitgliedsunternehmen eine der Herausforderungen der Krise ist.

Diese Auswirkungen hat das Coronavirus auf deutsche Unternehmen in Mexiko
Vor allem die gesunkene Nachfrage und Reisebeschränkungen belasten die deutschen Unternehmen in Mexiko. - Grafik: Anja Ringel; Quelle: DIHK-Blitzumfrage

Dr. Dirk Oetterich von der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Rödl & Partner Mexiko erklärt in einem Webinar, dass es von manchen Bundesländern minimale Unterstützungen gebe. Das seien aber eher Kredite und eine Stundung der Lohnsummensteuer – was lediglich ein paar hundert Euro ausmachen würde. Die Finanzierung der mexikanischen Standorte müsse deshalb weiterhin von den Stammhäusern kommen.

Düstere Prognose der deutschen Unternehmen

Dazu komme, dass die mexikanische Wirtschaft stark von den USA abhängig ist, so Oetterich. Rund 80 Prozent der Exporte gehen in die Vereinigten Staaten. „Die USA sind der bedeutendste Absatzmarkt für Mexiko“, sagt auch Hauser. Deshalb sei die Entwicklung im Nachbarland auch so wichtig. Insgesamt gehen Experten davon aus, dass das BIP dieses Jahr um 10,5 Prozent einbrechen wird.

Und auch die deutschen Unternehmen in Mexiko gehen von einer düsteren Prognose aus: Sie rechnen laut der aktuellen Umfrage nicht vor 2022 mit einer substantiellen Erholung der Wirtschaft. 

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