Der Bürokratieindex erreicht 2026 erneut ein Rekordniveau. Seit 2010 wächst das Volumen der Bundesgesetzgebung kontinuierlich. Besonders stark nimmt die Regulierung in wirtschaftsnahen Rechtsgebieten zu.
Der Bürokratieindex, der die Entwicklung des Umfangs geltender deutscher Bundesgesetze misst, erreicht erneut einen Höchststand. Besonders betroffen: die Wirtschaft.Elnur Amikishiyev
Anzeige
Summary: Der Bürokratieindex erreicht 2026 einen neuen Höchststand: Seit 2010 ist der Umfang der deutschen Bundesgesetzgebung um mehr als 62 Prozent gestiegen. Besonders stark wächst das Wirtschaftsrecht – ein Bereich, der für Unternehmen und Investitionen zentrale Bedeutung hat.
Kontinuierlicher Anstieg der Gesetzgebung
Der Bürokratieindex misst den Umfang der geltenden deutschen Bundesgesetze und dokumentiert eine anhaltende Zunahme regulatorischer Vorgaben. Wie die Auswertung zeigt, hat sich das Gesetzgebungsvolumen seit 2010 kontinuierlich erhöht, ohne dass eine strukturelle Trendwende erkennbar wäre. Auch im Jahr 2025 setzte sich der Anstieg fort.
Anzeige
Der Index wird von Universitätsprofessor Dr. Stefan Wagner von der Universität Wien gemeinsam mit der ESMT Berlin sowie der Internetplattform buzer.de erstellt. Grundlage ist eine systematische Auswertung aller geltenden Bundesgesetze.
Die Zahlen verdeutlichen die Entwicklung: Während der Umfang der Gesetzgebung im Jahr 2010 noch bei 24.765 Normseiten lag, erreichte er 2025 bereits 40.270 Normseiten. Damit liegt der Bürokratieindex inzwischen mehr als 62 Prozent über dem Ausgangsniveau von 2010.
Anzeige
Stabiler Aufwärtstrend über Legislaturperioden hinweg
Der historische Verlauf zeigt, dass bislang keine Legislaturperiode einen nachhaltigen Rückgang des Gesamtvolumens bewirken konnte. Weder Regierungswechsel noch politische Initiativen zum Bürokratieabbau führten zu einer strukturellen Umkehr des Trends.
Die Analyse der Bundestagswahljahre bestätigt diese Entwicklung. Parteipolitische Mehrheiten haben demnach keinen erkennbaren Einfluss auf die langfristige Entwicklung.
„Die Daten sprechen für ein strukturelles Wachstum der Gesetzgebung“, so Stefan Wagner. „Wir beobachten keine zyklischen Schwankungen, sondern einen über Jahre hinweg stabilen Aufwärtstrend.“
Eine differenzierte Betrachtung der Rechtsgebiete zeigt deutliche Unterschiede in der Dynamik. Besonders stark entwickelt sich seit Jahren das Wirtschaftsrecht.
In der aktuellen Fünfjahresperiode von 2022 bis 2026 verzeichnet dieser Bereich den höchsten Nettozuwachs seit Beginn der systematischen Auswertung. Insgesamt kamen 1.542 zusätzliche Normseiten hinzu. Das entspricht einem Anstieg von 16,5 Prozent und macht das Wirtschaftsrecht zum am schnellsten wachsenden Rechtsgebiet.
Auch das Finanzwesen bleibt ein umfangreicher und stark wachsender Regulierungsbereich. Beide Rechtsgebiete zählen zu den für Unternehmen besonders relevanten Regelungskomplexen.
Anzeige
Der regulatorische Schwerpunkt verschiebt sich damit zunehmend in wirtschaftsnahe Bereiche. „Gerade in jenen Rechtsgebieten, die unmittelbar unternehmerisches Handeln betreffen, sehen wir die stärkste regulatorische Entwicklung“, sagt Wagner. „Wenn Deutschland neue Wachstumsimpulse setzen will, muss die Entbürokratisierung genau hier ansetzen. Weniger Komplexität und schlankere Regelungen in wirtschaftsnahen Rechtsgebieten würden unmittelbar die Investitions- und Innovationsbedingungen verbessern.“
Verteidigungsrecht mit starkem relativen Wachstum
Den stärksten relativen Zuwachs innerhalb der vergangenen fünf Jahre verzeichnet der Bereich Verteidigung. Nach Einschätzung von Wagner steht diese Entwicklung im Zusammenhang mit geopolitischen Veränderungen und neuen politischen Prioritäten.
Anzeige
„Zum einen hat sich die sicherheitspolitische Lage seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine grundlegend verändert. Zum anderen hat das Sondervermögen einige Anpassungen im Beschaffungswesen nach sich gezogen. Der deutliche Zuwachs in diesem Rechtsgebiet spiegelt diese Neubewertung sicherheitspolitischer Prioritäten wider.“
Leichte Verlangsamung in Arbeitsrecht und Verwaltung
In einigen Rechtsgebieten zeigt sich laut Wagner eine geringfügige Entschleunigung der regulatorischen Entwicklung. Besonders im Arbeitsrecht sowie im Verwaltungsrecht hat sich das Wachstum innerhalb der aktuellen Periode gegenüber dem Zeitraum von 2017 bis 2021 etwas verlangsamt.
Anzeige
„Im Arbeitsrecht und in der Verwaltung sehen wir ein langsameres Wachstum, wenn auch keinen Rückgang, innerhalb der aktuellen Periode im Vergleich mit dem Zeitraum von 2017 bis 2021. Dennoch befindet sich der Nettozuwachs an Gesetzgebung auch in diesen Bereichen weiterhin auf einem hohen Niveau.“
Systematische Auswertung aller Bundesgesetze
Der Bürokratieindex basiert auf der Auswertung sämtlicher geltenden Bundesgesetze auf Grundlage der Datenbank buzer.de, wie die Initiatoren mitteilen. Das Projekt wird seit 2024 veröffentlicht.
Der Umfang eines Gesetzes wird dabei in sogenannten Normseiten gemessen. Eine Normseite entspricht 1.500 Zeichen inklusive Leerzeichen und ermöglicht so eine standardisierte Messung des Gesetzesvolumens.
Mit Material der ESMT Berlin
FAQ zum Bürokratieindex
Was misst der Bürokratieindex? – Der Bürokratieindex misst den Umfang der geltenden deutschen Bundesgesetze anhand sogenannter Normseiten.
Wie stark ist der Bürokratieindex seit 2010 gestiegen? – Das Gesetzgebungsvolumen erhöhte sich von 24.765 Normseiten im Jahr 2010 auf 40.270 Normseiten im Jahr 2025 – ein Plus von mehr als 62 Prozent.
Welches Rechtsgebiet wächst laut Bürokratieindex am stärksten? – Das Wirtschaftsrecht verzeichnet in der aktuellen Fünfjahresperiode mit 1.542 zusätzlichen Normseiten den größten Zuwachs.
Wer erstellt den Bürokratieindex? – Der Index wird von Professor Stefan Wagner von der Universität Wien gemeinsam mit der ESMT Berlin und der Plattform buzer.de erstellt.