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Fachkräftemangel sinkt wegen Wirtschaftsflaute

Der Fachkräftemangel in Deutschland hat sich laut KfW deutlich abgeschwächt. Der Rückgang ist jedoch vor allem Folge der anhaltenden Wirtschaftsschwäche.

Der Fachkräftemangel in Deutschland hat sich seit seinem Höhepunkt vor knapp vier Jahren mehr als halbiert, berichtet die staatliche Förderbank KfW.
Der Fachkräftemangel in Deutschland hat sich seit seinem Höhepunkt vor knapp vier Jahren mehr als halbiert, berichtet die staatliche Förderbank KfW.

Summary: Die KfW berichtet für das zweite Quartal 2026 von deutlich weniger Unternehmen mit Einschränkungen durch Fachkräftemangel. Besonders in der Industrie sinkt der Anteil, weil Betriebe wegen schwacher Nachfrage, hoher Energiekosten und internationalem Druck weniger einstellen. Bau, Dienstleistungen und Mittelstand bleiben dagegen spürbar belastet.

Warum der Fachkräftemangel in Deutschland zurückgeht

Der Fachkräftemangel in Deutschland hat sich seit seinem Höchststand vor knapp vier Jahren mehr als halbiert. Wie aus dem aktuellen KfW-Ifo-Fachkräftebarometer hervorgeht, meldeten zu Beginn des zweiten Quartals 2026 noch 21 % der deutschen Unternehmen Beeinträchtigungen durch fehlende Fachkräfte. Im dritten Quartal 2022 hatte der Anteil noch bei 49,7 % gelegen.

Die Entspannung am Arbeitsmarkt beruht allerdings nicht auf einem größeren Angebot qualifizierter Arbeitskräfte. Vielmehr spiegelt sie die schwache konjunkturelle Lage wider. Unternehmen stellen weniger ein, weil sie mit sinkender Nachfrage, hohen Energiekosten und internationalem Konkurrenzdruck konfrontiert sind.

Industrie meldet deutlich weniger Engpässe

Besonders sichtbar ist der Rückgang in der Industrie. Dort gaben zuletzt nur noch 14 % der Betriebe an, unter Personalmangel zu leiden. Der geringere Druck bei der Fachkräftesuche ist damit eng mit der schwächeren Produktions- und Investitionsdynamik verbunden.

Dirk Schumacher, Chefökonom der KfW, ordnet die Entwicklung entsprechend zurückhaltend ein: «Der Fachkräftemangel in deutschen Unternehmen hat etwas nachgelassen. Leider ist das allerdings vor allem auf die anhaltende Wirtschaftsschwäche zurückzuführen», sagt Schumacher. Zugleich geht er davon aus, dass das Problem bei einer konjunkturellen Erholung wieder stärker sichtbar werden dürfte.

Welche Branchen kaum Entlastung spüren

Nicht alle Wirtschaftsbereiche profitieren gleichermaßen von der Entspannung. In Branchen, in denen die Nachfrage trotz allgemeiner Wirtschaftsflaute stabil bleibt oder wächst, bleibt der Fachkräftemangel ein spürbares Hemmnis.

Im Bauhauptgewerbe berichtete knapp ein Drittel der Betriebe von Engpässen. Gestützt wird die Nachfrage hier vor allem durch öffentliche Investitionen in Infrastruktur. Auch im Dienstleistungssektor bleibt die Lage angespannt: Dort lag der Anteil betroffener Unternehmen bei 25 %.

Besonders betroffen sind nach der Mitteilung unter anderem Rechts- und Steuerberatung, Verkehr, Gastronomie sowie Architektur- und Ingenieurbüros. In diesen Bereichen reicht die konjunkturelle Abkühlung offenbar nicht aus, um den Personalbedarf deutlich zu reduzieren.

Warum der Mittelstand stärker betroffen bleibt

Überdurchschnittlich stark belastet bleiben kleine und mittlere Unternehmen. Im April 2026 meldeten 22 % der Mittelständler Einschränkungen durch Fachkräftemangel. Bei Großunternehmen waren es 19,3 %.

Noch deutlicher fällt der Unterschied im verarbeitenden Gewerbe aus. Dort stehen 18,3 % der KMU mit Einschränkungen nur 8 % der Großbetriebe gegenüber. Die KfW verweist darauf, dass Mittelständler im Wettbewerb um Personal häufig weniger attraktive Konditionen bieten können.

Für viele kleinere und mittlere Betriebe bleibt der Fachkräftemangel damit ein strukturelles Problem. Selbst wenn der gesamtwirtschaftliche Druck nachlässt, kann die Suche nach qualifiziertem Personal in einzelnen Segmenten weiterhin ein Wachstumshemmnis darstellen.

Welche Maßnahmen die KfW für notwendig hält

Die KfW warnt davor, bei Gegenmaßnahmen nachzulassen. Schumacher nennt als Stellschrauben die Ausbildung in Mangelberufen, lebenslanges Lernen, eine höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen und Älteren sowie gezielte Fachkräfteeinwanderung.

Damit bleibt der Fachkräftemangel trotz rückläufiger Zahlen ein zentrales Thema für Unternehmen, Arbeitsmarkt und Wirtschaftspolitik. Die aktuelle Entspannung ist vor allem konjunkturell bedingt. Sobald die Nachfrage wieder anzieht, dürfte der Bedarf an qualifizierten Beschäftigten nach Einschätzung der KfW erneut stärker hervortreten.

Mit Material der dpa

FAQ zum Fachkräftemangel in Deutschland

• Warum geht der Fachkräftemangel in Deutschland zurück? – Der Fachkräftemangel sinkt laut KfW vor allem wegen der anhaltenden Wirtschaftsschwäche, nicht wegen eines größeren Angebots an qualifizierten Arbeitskräften.

• Wie stark ist der Fachkräftemangel laut KfW gesunken? – Zu Beginn des zweiten Quartals 2026 meldeten 21 % der Unternehmen Beeinträchtigungen. Im dritten Quartal 2022 waren es noch 49,7 %.

• Welche Rolle spielt die Industrie beim Fachkräftemangel? – In der Industrie gaben zuletzt nur noch 14 % der Betriebe an, unter Personalmangel zu leiden. Grund ist vor allem die schwächere Nachfrage.

• Wo bleibt der Fachkräftemangel besonders angespannt? – Im Bauhauptgewerbe, im Dienstleistungssektor sowie bei Rechts- und Steuerberatung, Verkehr, Gastronomie und Ingenieurbüros bleibt die Lage angespannt.

• Warum betrifft der Fachkräftemangel den Mittelstand stärker? – Mittelständische Unternehmen können im Wettbewerb um Personal laut KfW oft weniger attraktive Konditionen bieten als Großunternehmen.