Ambidextre Produktionssysteme sollen produzierenden Unternehmen helfen, Effizienz, Innovation und Disruption zugleich zu beherrschen. Fraunhofer IPK und Accentus zeigen dafür einen Praxisweg.
Redaktion ProduktionRedaktionProduktion
Ambidextre Produktionssysteme helfen, Effizienz, Innovation und Krisenfähigkeit in produzierenden Unternehmen zu verbinden.Symbolbild - KI-generiert
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Summary: Fraunhofer IPK und Accentus veröffentlichten am 1. Juli 2026 einen Praxisleitfaden zu ambidextren Produktionssystemen. Er entstand im Forschungsprojekt AmbiProd mit Partnern aus Beratung und Industrie. Ziel ist es, Tagesgeschäft, Innovation und Krisenfähigkeit besser miteinander zu verbinden.
Volatile Märkte, Fachkräftemangel und kürzere Innovationszyklen setzen produzierende Unternehmen unter Druck. Kernprozesse müssen stabil laufen, zugleich sollen Organisationen flexibel reagieren, Innovationen vorantreiben und unvorhersehbare Ereignisse bewältigen. In der Praxis verdrängt jedoch häufig das Tagesgeschäft die Zukunftsarbeit.
Genau hier setzt organisationale Ambidextrie an. Sie beschreibt die Fähigkeit, bestehendes Geschäft zuverlässig zu betreiben und gleichzeitig Neues zu erkunden. Das Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik IPK hat dazu gemeinsam mit Accentus den Praxisleitfaden „Wenn das Tagesgeschäft die Zukunft verdrängt“ veröffentlicht.
Der Leitfaden richtet sich an Führungskräfte und Entscheidende in produzierenden Unternehmen. Er entstand im Forschungsprojekt „Ambidextre ganzheitliche Produktionssysteme (AmbiProd)“ zusammen mit Ingenics Consulting sowie den Anwendungspartnern AZO Global Product Center und Budatec. Gefördert wurde das Projekt inerhalb der „Hightech Agenda Deutschland“ und des Programms „Zukunft der Wertschöpfung“.
Ambidextrie braucht aktive Balance in Unternehmen
„Ambidextrie ist kein Zielzustand, den Organisationen einmal erreichen und dann verwalten können. Die Balance muss immer wieder aktiv hergestellt werden, und das kontextsensitiv, durch Betätigen der richtigen Stellhebel mit dem Menschen im Mittelpunkt. Unser Praxisleitfaden zeigt, wie dieser Weg Schritt für Schritt gelingen kann, insbesondere für mittelständische Unternehmen“, erklärt Deike Magret Ihnen, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Fraunhofer IPK und Projektleiterin von AmbiProd.
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Vom Produktionsalltag zum Lösungssystem
Der Praxisleitfaden verbindet wissenschaftliche Grundlagen mit empirischen Befunden aus 18 leitfadengestützten Interviews mit Mitarbeitenden und Führungskräften sowie Beobachtungen in realen Produktionsumgebungen. Das zentrale Ergebnis: Standardisierung und Prozessdisziplin sind in produzierenden Unternehmen häufig stark ausgeprägt. Explorative Aktivitäten werden dagegen oft vom Tagesgeschäft verdrängt.
Lösungssystem zeigt Stellhebel für mehr Ambidextrie
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Das anwendungsorientierte Lösungssystem umfasst ein Basismodell mit acht Gestaltungsfeldern – von Unternehmenskultur und Strategie über Führung und Organisationsstruktur bis zu Kompetenzentwicklung und digitalen Assistenzsystemen. Ein Zielsystemkonfigurator soll Unternehmen helfen, ihre aktuelle Position zwischen Stabilität und Ausnahme zu reflektieren und Handlungsbedarfe sichtbar zu machen.
Kostenloser Download
Der Praxisleitfaden steht seit 1. Juli 2026 auf der Website des Fraunhofer IPK kostenfrei zum Download bereit. Unter demselben Link sind über das virtuelle Open Lab weitere Materialien, Methoden und Austauschmöglichkeiten zum Projekt AmbiProd abrufbar.
Was die PIK-Struktur leisten soll
Eine besondere Komponente ist die Projekt-, Innovations- und Krisenstruktur, kurz PIK, mit zentralem Lagezentrum. Sie orientiert sich an der Organisationslogik der Polizei, die für außergewöhnliche Lagen temporäre Strukturen schafft, ohne den regulären Betrieb zu beeinträchtigen. Übertragen auf Unternehmen entsteht ein Rahmen, in dem Innovationsvorhaben, Projekte und Krisensituationen priorisiert, koordiniert und bearbeitet werden können. Das Tagesgeschäft soll dabei stabil weiterlaufen.
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Balance zwischen Innovation und Effizienz
Hartmut Eckert, Managing Director der AZO Global Product Center, beschreibt die Ausgangslage so: „Die Herausforderung für AZO GPC liegt darin, die Balance zwischen zwei unterschiedlichen Geschäftsmodellen zu finden. Einerseits ist das Unternehmen als genialer Tüftler bekannt, der innovative maßgeschneiderte Lösungen für seine Kunden entwickelt, verbunden mit permanenter strategischer Weiterentwicklung. Andererseits erfordert ein neues Geschäftsmodell eine klare Ausrichtung auf Effizienz und Prozessoptimierung.“
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Strategische Dimension der Ambidextrie
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Auch Ingenics betont die strategische Tragweite. Andreas Hoberg, Managing Partner Ingenics, verdeutlicht: „Das Fazit der letzten Jahre ist, dass Unternehmen reflexartig nach Stabilität streben. Das ist verständlich, doch genau dieser Reflex verhindert oft die notwendige Weiterentwicklung. Ambidextrie bedeutet, sich im instabilen Umfeld wohlfühlen zu lernen, ohne die Steuerung aufzugeben.“
Quelle: Mit Material von Fraunhofer IPK
FAQ zu ambidextren Produktionssystemen
1. Was sind ambidextre Produktionssysteme?
Sie verbinden stabile Kernprozesse mit der Fähigkeit, Innovationen und Krisen systematisch zu bearbeiten.
2. Warum sind ambidextre Produktionssysteme für Unternehmen relevant?
Sie helfen, Effizienz, Innovationsfähigkeit und Reaktionsgeschwindigkeit besser auszubalancieren.
3. Wer hat den Leitfaden zu ambidextren Produktionssystemen erstellt?
Fraunhofer IPK und Accentus veröffentlichten ihn im Rahmen des Projekts AmbiProd.
4. Wann ist der Leitfaden zu ambidextren Produktionssystemen verfügbar?
Er steht seit 1. Juli 2026 kostenfrei auf der Website des Fraunhofer IPK bereit.
5. Welche Rolle spielt der Praxisleitfaden für ambidextre Produktionssysteme?
Der Leitfaden liefert produzierenden Unternehmen Werkzeuge, um Stabilität, Innovation und Krisenfähigkeit im Produktionsalltag besser zu verbinden.