VW und Bosch beenden Allianz für automatisiertes Fahren
Automatisiertes Fahren bleibt für Volkswagen strategisch wichtig. Doch die Entwicklungsallianz mit Bosch ist beendet – während erste Funktionen auf die Straße kommen sollen.
Automatisierte Fahrfunktionen bleiben für die Autoindustrie ein strategisches Zukunftsfeld – auch wenn Volkswagen und Bosch ihre gemeinsame Entwicklungsallianz beenden.Symbolbild - KI-generiert
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Summary: Volkswagen und Bosch haben ihre Partnerschaft für automatisiertes Fahren nach viereinhalb Jahren abgeschlossen. Betroffen ist die „Automated Driving Alliance“ mit Cariad, deren Technik weiter in Fahrzeuge integriert werden soll. VW setzt künftig stärker auf Tempo, Skalierung und externe Partner, während der Cariad-Betriebsrat den Verlust von Know-how kritisiert.
Warum endet die Allianz für automatisiertes Fahren?
Volkswagen und Bosch beenden ihre Zusammenarbeit bei automatisierten Fahrsystemen. Die gemeinsame Entwicklung von assistierten und automatisierten Fahrfunktionen in der „Automated Driving Alliance“ sei abgeschlossen worden, teilten beide Unternehmen mit. Partner auf Volkswagen-Seite war die Software-Tochter Cariad.
Zuvor hatte „Bild“ über das bevorstehende Aus berichtet. Der Zeitung zufolge zog Volkswagen die Reißleine, weil das Projekt zu wenig Fortschritte gezeigt habe. Trotz Investitionen von bisher 1,5 Milliarden EUR sei die Technik nicht wettbewerbsfähig, hieß es. Volkswagen wolle Hard- und Software für automatisiertes Fahren demnach künftig extern zukaufen, statt sie selbst zu entwickeln.
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Die Meldung stammt aus einer dpa-Berichterstattung. Aus den Mitteilungen der Unternehmen geht hervor, dass die bisherige Zusammenarbeit abgeschlossen ist, das Thema automatisiertes Fahren für Volkswagen aber strategisch weiter relevant bleibt.
Was wurde in der Automated Driving Alliance entwickelt?
Die Partnerschaft war 2022 noch unter dem damaligen Volkswagen-Chef Herbert Diess gestartet worden. Mehr als 1.000 Expertinnen und Experten sollten eine gemeinsame Software-Plattform für Fahrerassistenzsysteme entwickeln. Diese Plattform sollte später auch anderen Herstellern angeboten werden können.
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Zunächst lag der Fokus auf Systemen nach Level 2. Bei diesem Automatisierungsgrad bleibt der Mensch weiter in der Verantwortung. Später war eine Erweiterung des Projekts vorgesehen. Zu Technologien für hochautomatisiertes Fahren nach Level 3 wird die Partnerschaft nach Volkswagen-Angaben jedoch nicht fortgesetzt.
Gerade bei solchen Fahrsystemen hätten sich in Europa andere Entwicklungen bei Markt und Technologie ergeben als zu Beginn der Zusammenarbeit erwartet, hatte Cariad zuvor mitgeteilt. Beim Level 3 kann der Fahrer zeitweise die Verantwortung abgeben.
Wie Volkswagen die Strategie für automatisiertes Fahren ausrichtet
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Der Volkswagen-Konzern hält nach eigenen Angaben an dem Ziel fest, hochautomatisiertes Fahren nach Europa und Nordamerika zu bringen. Konzernchef Oliver Blume erklärte, die Strategie werde konsequent darauf fokussiert. Die Partnerschaft habe eine starke technologische Grundlage geliefert. «Darauf bauen wir jetzt auf - mit klarem Fokus auf Tempo, Skalierung und die schnelle Umsetzung».
Der Schritt passt zum Strategieschwenk, den Blume der Software-Sparte Cariad vorgegeben hat. Statt wie zuvor möglichst viel selbst zu entwickeln, setzt Volkswagen stärker auf Partner und Lieferanten. Hintergrund sind wiederholte Verzögerungen bei der Software-Entwicklung bei Cariad. Mehrfach mussten Modellanläufe verschoben werden.
Damit verschiebt sich der Fokus von der vollständigen Eigenentwicklung hin zu einer stärker partner- und lieferantenbasierten Umsetzung. Für den Konzern bleibt die zentrale Frage, wie automatisiertes Fahren schneller und skalierbarer in Serienfahrzeuge gebracht werden kann.
Die bisher entwickelte Technik soll dennoch zum Einsatz kommen. Integriert werden kann sie nach Angaben der Unternehmen in verschiedene Fahrzeugklassen – vom Kleinwagen bis zum Premiumfahrzeug. Auch der Einsatz in Elektro- und Verbrennermodellen ist vorgesehen.
Der Ersteinsatz bei Volkswagen ist für den ID.Every1 geplant. Das Elektro-Einstiegsmodell soll 2027 in Serie gehen. Gebaut wird das Fahrzeug in Portugal. Der Preis soll bei rund 20.000 EUR liegen.
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Auch Bosch sieht für die Systeme weiterhin Anwendungsmöglichkeiten. Der Zulieferer hat nach eigenen Angaben bereits Aufträge von mehreren Fahrzeugherstellern für die Systeme erhalten. Damit endet zwar die Allianz mit Volkswagen, die entwickelte Technologie soll aber nicht in der Schublade verschwinden.
Wie reagiert der Cariad-Betriebsrat auf das Aus?
Kritik an der Entscheidung kommt von der Cariad-Belegschaft. Fortschrittliche Fahrerassistenzsysteme seien «eine Schlüsseltechnologie für die Zukunft des Automobils», teilte der Gesamtbetriebsrat mit. Wer dieses Feld abgebe, gebe Know-how, Wertschöpfung und Zukunftsfähigkeit aus der Hand.
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Betriebsratschef Gerhard Retzer und seine Stellvertreterin Claudia Richter formulierten die Kritik deutlich: «Zukunftstechnologien gehören zu Cariad und in den Volkswagen-Konzern. Nicht nach China. Nicht in die USA. Nicht zu externen Anbietern». Ergänzend heißt es: «Denn: Know-how entsteht durch Machen. Nicht durch Zukauf.»
Die Reaktion zeigt, wie sensibel das Thema automatisiertes Fahren im Konzern ist. Es geht nicht allein um Software-Entwicklung, sondern auch um industrielle Wertschöpfung, Kompetenzerhalt und die Rolle von Cariad innerhalb des Volkswagen-Konzerns.
• Warum beenden VW und Bosch die Allianz für automatisiertes Fahren? – Die gemeinsame Entwicklung in der „Automated Driving Alliance“ wurde abgeschlossen. Laut „Bild“ habe das Projekt zu wenig Fortschritte gezeigt.
• Welche Rolle spielte Cariad beim automatisierten Fahren? – Cariad war der Partner auf Volkswagen-Seite und arbeitete mit Bosch an assistierten und automatisierten Fahrfunktionen.
• Wird die Technik für automatisiertes Fahren weiter genutzt? – Ja, die bisher entwickelte Technik soll in verschiedene Fahrzeugklassen sowie Elektro- und Verbrennermodelle integriert werden.
• Wann kommt automatisiertes Fahren aus dem Projekt in Serie? – Der Ersteinsatz bei Volkswagen ist beim ID.Every1 geplant, der 2027 in Serie gehen soll.
• Warum kritisiert der Betriebsrat den Kurs beim automatisierten Fahren? – Der Cariad-Betriebsrat sieht Fahrerassistenzsysteme als Schlüsseltechnologie und warnt vor dem Verlust von Know-how und Wertschöpfung.