Vier Standorte im Fokus

VW-Sparpläne: Bis zu 100.000 Jobs in Gefahr

Der Volkswagen Sparkurs könnte deutlich verschärft werden. Medienberichten zufolge stehen umfangreiche Einsparungen, Stellenabbau und mögliche Werksschließungen zur Debatte.

Bei VW droht laut Medienberichten ein massiver Stellenabbau.
Bei VW droht laut Medienberichten ein massiver Stellenabbau.

Summary: Volkswagen prüft im Rahmen seines Zielbilds 2030 weitere Einsparmaßnahmen, wie aus einem Medienbericht hervorgeht. IG Metall, Betriebsrat und mehrere Politiker kündigen Widerstand gegen mögliche Werksschließungen und zusätzlichen Stellenabbau an. Der Aufsichtsrat soll am 9. Juli über die Pläne beraten.

Volkswagen Sparkurs sorgt für neue Konflikte

Zwei Jahre nach dem Tarifkonflikt droht Volkswagen erneut eine Auseinandersetzung über Sparmaßnahmen. Nach einem Bericht des „Manager Magazins“ will Konzernchef Oliver Blume den Sparkurs deutlich verschärfen. Bereits Anfang Juli soll sich der Aufsichtsrat mit den Plänen befassen.

Dem Bericht zufolge könnten weltweit bis zu 100.000 Stellen wegfallen. Zudem könnten vier Standorte in Deutschland mittelfristig geschlossen werden. Die Maßnahmen seien Bestandteil des neuen Zielbilds 2030, das der Vorstand behandelt habe. Über die Umsetzung soll nun der Aufsichtsrat entscheiden.

Warum schlagen IG Metall und Betriebsrat Alarm?

IG Metall und der VW-Betriebsrat reagierten mit scharfer Kritik. In einer gemeinsamen Stellungnahme erklären Christiane Benner, Thorsten Gröger und Daniela Cavallo: „Sollten solche Pläne vorangetrieben werden, würden wir sie mit aller Macht verhindern.“

Weiter heißt es: „Die erneuten Medienberichte verunsichern unsere Belegschaft und unsere Standortregionen zu Recht.“ Zudem sprechen die Arbeitnehmervertreter von „unverantwortlichen Drohungen“ gegen das VW-Gesetz, die Mitbestimmung und die Standorte.

Da die Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat die Hälfte der Sitze stellt und gemeinsam mit den Vertretern Niedersachsens über eine Mehrheit verfügt, zeichnet sich bei der Sitzung am 9. Juli ein heftiger Konflikt ab.

Welche Standorte stehen im Fokus?

Laut „Manager Magazin“ könnten die VW-Werke in Hannover, Zwickau und Emden sowie der Audi-Standort Neckarsulm betroffen sein.

Der Betriebsrat in Neckarsulm stellte unmittelbar klar: „Eine Schließung des Werks Neckarsulm steht für uns als Arbeitnehmervertretungen nicht zur Debatte.“

Auch die Landesregierung in Niedersachsen lehnt Werksschließungen ab. Ministerpräsident Olaf Lies und seine Stellvertreterin Julia Willie Hamburg erklärten gemeinsam: „Das Land Niedersachsen wird keiner Entwicklung zustimmen, die auf Werksschließungen als vermeintlich einfache Lösung setzt oder die bewährte Mitbestimmung infrage stellt.“

Zudem betonten beide: „Die Zukunft von Volkswagen wird nicht dadurch gewonnen, dass man immer neue Werksschließungen oder immer größere Stellenabbauprogramme in den Fokus stellt.“ Über konkrete Maßnahmen werde der Aufsichtsrat entscheiden. Niedersachsen werde seine Verantwortung dort „mit der gebotenen Sorgfalt“ wahrnehmen.

Auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer äußerte sich besorgt. „Das darf sich so nicht realisieren“, sagte der CDU-Politiker. Sachsens Wirtschaftsminister Dirk Panter erklärte: „Wir werden um das Werk, um die Arbeitsplätze kämpfen. Das steht außer Frage.“ Kritik kam zudem von der Bundespolitik. Linken-Vorsitzende Ines Schwerdtner bezeichnete den geplanten Stellenabbau als „eine bodenlose Sauerei“.

Wie begründet Volkswagen den Sparkurs?

Wie das Unternehmen mitteilt, habe der Konzernvorstand in den vergangenen Monaten intensiv an einem Zukunftsplan gearbeitet. Ein Sprecher erklärte, Ziel sei es, „das Unternehmen insgesamt effizienter und schlanker aufzustellen sowie technologische Synergiepotenziale konsequent zu nutzen.“

Außerdem sprach der Konzern von einer „umfassenden Transformation“. „Der gesamte Konzern - inklusive Marken und Gesellschaften - muss sich tiefgreifend verändern“, erklärte der Sprecher. Nach der Beratung im Aufsichtsrat solle die Umsetzung folgen. Zu einzelnen Maßnahmen äußerte sich Volkswagen jedoch nicht.

Konzernchef Oliver Blume hatte bereits zuvor angekündigt: „Wir werden jeden Stein umdrehen.“ Er verweist seit Monaten darauf, dass das bisherige Geschäftsmodell angepasst und die Kosten weiter gesenkt werden müssten.

Nach Informationen des „Manager Magazins“ soll auch die Modellpalette verkleinert werden. Demnach könnte die Zahl der Fahrzeugmodelle von derzeit rund 150 auf weniger als 100 sinken. Auch ein mögliches Audi-Werk in den USA würde den Angaben zufolge nicht weiterverfolgt.

Welche Sparmaßnahmen laufen bereits?

Bis 2030 hat Volkswagen bereits den Abbau von insgesamt 50.000 Stellen in Deutschland angekündigt. Davon entfallen 35.000 Arbeitsplätze auf die Kernmarke VW. In Dresden wurde die Fahrzeugproduktion inzwischen beendet. Für den Standort Osnabrück wird derzeit eine Perspektive nach dem Auslaufen der Cabrio-Produktion gesucht.

Wie ein Konzernsprecher bestätigte, haben konzernweit bereits mehr als 37.000 Beschäftigte Vereinbarungen zum freiwilligen Ausscheiden unterschrieben. Zuvor hatte das „Handelsblatt“ darüber berichtet.

FAQ zu VW-Sparplänen

• Was umfasst der Volkswagen Sparkurs? – Nach einem Medienbericht geht es um zusätzliche Einsparungen, möglichen Stellenabbau, Werksschließungen und eine Reduzierung der Modellpalette.

• Warum stößt der Volkswagen Sparkurs auf Widerstand? – IG Metall, Betriebsrat und mehrere Politiker befürchten negative Folgen für Beschäftigte, Standorte und die Mitbestimmung.

• Wann wird über den Volkswagen Sparkurs entschieden? – Der Aufsichtsrat soll sich am 9. Juli mit den vorgeschlagenen Maßnahmen befassen.

• Welche Werke könnten vom Volkswagen Sparkurs betroffen sein? – Laut „Manager Magazin“ werden Hannover, Zwickau, Emden und der Audi-Standort Neckarsulm als mögliche Standorte genannt.