Die VW-Sparpläne könnten deutlich umfangreicher ausfallen als bisher bekannt. Laut „Manager Magazin“ stehen bis zu 100.000 Stellen und vier deutsche Werke im Fokus.
Bei VW droht laut Medienberichten ein massiver Stellenabbau.Volkswagen AG
Anzeige
Summary:
VW arbeitet in Wolfsburg an einem Zukunftsplan für die Neuaufstellung des Konzerns. Laut „Manager Magazin“ könnten weltweit bis zu 100.000 Stellen wegfallen und vier Werke mittelfristig schließen. IG Metall, Betriebsrat und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer warnen vor massiven Folgen für Beschäftigte, Standorte und Deutschland.
Wie weit reichen die neuen VW-Sparpläne?
Der Volkswagen-Konzern will seinen Sparkurs einem Bericht des „Manager Magazin“ zufolge deutlich verschärfen. Bis zu 100.000 Stellen könnten weltweit wegfallen. Das wäre doppelt so viel wie bislang geplant. Bereits angekündigt ist bei Volkswagen bis 2030 der Abbau von konzernweit 50.000 Stellen, davon 35.000 bei der Kernmarke VW.
Anzeige
Die möglichen Maßnahmen sollen Teil eines neuen Zielbilds 2030 sein. Nach Angaben des Berichts hat der Vorstand die Pläne am Mittwoch behandelt. Das letzte Wort liege nun beim Aufsichtsrat, der am 9. Juli darüber beraten soll.
Nach Angaben des „Manager Magazin“ droht vier Werken in Deutschland die Schließung. Genannt werden die VW-Standorte Hannover, Zwickau und Emden sowie der Audi-Standort Neckarsulm. Ein konkretes Datum für mögliche Maßnahmen nennt der Bericht nicht. Die Werke könnten demnach „mittelfristig“ geschlossen werden.
Für die deutschen Konzernstandorte gilt bis mindestens 2030 eine Beschäftigungssicherung, die mit der IG Metall vereinbart wurde. Damit stehen mögliche zusätzliche Einschnitte in einem besonders sensiblen arbeits- und industriepolitischen Umfeld.
Volkswagen äußert sich vorerst nicht im Detail zu den Berichten über verschärfte Sparpläne. „Die zu Grunde liegenden Sachverhalte werden in den zuständigen Gremien besprochen und verabschiedet. Diesem Prozess werden wir nicht vorgreifen“, teilte ein Sprecher auf Anfrage mit.
Anzeige
Zugleich bestätigte der Konzern, dass der Vorstand „in den vergangenen Monaten intensiv an einem Zukunftsplan für die Neuaufstellung des Unternehmens gearbeitet“ habe. Ziel sei es, Volkswagen effizienter und schlanker aufzustellen sowie technologische Synergiepotenziale konsequent zu nutzen.
Der Sprecher erklärte weiter: „Es geht darum, das Unternehmen insgesamt effizienter und schlanker aufzustellen sowie technologische Synergiepotenziale konsequent zu nutzen.“ Zudem sei eine „umfassende Transformation“ geplant. „Der gesamte Konzern - inklusive Marken und Gesellschaften - muss sich tiefgreifend verändern.“
Warum IG Metall und Betriebsrat Alarm schlagen
IG Metall und VW-Betriebsrat reagieren mit deutlicher Kritik auf die Berichte. „Sollten solche Pläne vorangetrieben werden, würden wir sie mit aller Macht verhindern“, heißt es in einer gemeinsamen Stellungnahme von IG-Metall-Chefin Christiane Benner, Bezirksleiter Thorsten Gröger und Betriebsratschefin Daniela Cavallo.
Anzeige
Die Arbeitnehmerseite sieht erhebliche Risiken für Beschäftigte und Standortregionen. „Die erneuten Medienberichte verunsichern unsere Belegschaft und unsere Standortregionen zu Recht“, heißt es in der Mitteilung. Besonders scharf fällt die Kritik an möglichen Angriffen auf bestehende Strukturen aus: „Angriffe auf das VW-Gesetz, die Mitbestimmung und unsere Standorte sind unverantwortliche Drohungen.“
Im Aufsichtsrat stellen Arbeitnehmervertreter die Hälfte der Mitglieder. Zusammen mit den beiden Vertretern des Landes Niedersachsen verfügen sie dort über eine Mehrheit. Niedersachsen hält 20 % der Stimmrechte an Volkswagen.
Welche Folgen hätten die VW-Sparpläne für die Industrie?
Anzeige
Auch aus der Politik kommen Warnungen. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer zeigt sich besorgt über mögliche verschärfte Sparpläne. „Das darf sich so nicht realisieren. Deutschland darf sich nicht herunterfahren“, sagte der CDU-Politiker.
Kretschmer verwies auf den internationalen Wettbewerb. Dafür müssten Kosten gesenkt und die Produktivität gesteigert werden. Zugleich betonte er die Bedeutung von Volkswagen für den Industriestandort Deutschland: „Wenn dieses Unternehmen aufgibt, dann ist das fatal für unser ganzes Land.“
Die Debatte um die VW-Sparpläne geht damit weit über den Konzern hinaus. Sie berührt zentrale Fragen von Beschäftigung, Mitbestimmung, Produktionsstandorten und industrieller Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland.
Anzeige
Mit Material der dpa
FAQ zu VW-Sparplänen
• Was sehen die VW-Sparpläne laut Bericht vor? – Laut „Manager Magazin“ könnten weltweit bis zu 100.000 Stellen wegfallen und vier deutsche Werke mittelfristig schließen.
• Welche Standorte betreffen die VW-Sparpläne? – Genannt werden Hannover, Zwickau, Emden und der Audi-Standort Neckarsulm.
• Wann werden die VW-Sparpläne beraten? – Der Aufsichtsrat soll laut Bericht am 9. Juli über die Pläne beraten.
• Wie reagiert Volkswagen auf die VW-Sparpläne? – Der Konzern bestätigt Arbeiten an einem Zukunftsplan, nennt aber keine Details zu konkreten Maßnahmen.
• Warum kritisieren IG Metall und Betriebsrat die VW-Sparpläne? – Sie warnen vor Verunsicherung der Belegschaft und sprechen von unverantwortlichen Drohungen gegen Mitbestimmung und Standorte.