Bei VW stehen Werksschließungen im Raum: Bis zu 100.000 Jobs und vier Werke könnten gefährdet sein. Im Aufsichtsrat formiert sich Widerstand.
Anja RingelAnjaRingelManaging editor and podcast host for 'Produktion'
Bis zu 100.000 Jobs und vier Werke sollen bei VW in Gefahr sein. Niedersachsens Vize-Ministerpräsidentin fordert einen anderen Weg für den kriselnden Autoriesen.nmann77 - stock.adobe.com
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Summary: Julia Willie Hamburg, Niedersachsens Vize-Ministerpräsidentin und VW-Aufsichtsrätin, warnt in Hannover/Wolfsburg vor Werksschließungen als Antwort auf die Krise. Laut einem Bericht des „Manager Magazin“ könnten bis zu 100.000 Stellen und vier deutsche Werke betroffen sein. Hamburg fordert Synergien, Innovationen und Investitionen in Zukunftstechnologien, weil reine Schließungen aus ihrer Sicht die industrielle Substanz schwächen würden.
Mögliche VW-Werksschließungen treffen im Aufsichtsrat des Autokonzerns auf deutlichen Widerstand. Niedersachsens Vize-Regierungschefin und VW-Aufsichtsrätin Julia Willie Hamburg positioniert sich klar gegen einen reinen Standortabbau als Antwort auf die Krise des Konzerns.
"Einfach nur Werke zu schließen, wäre viel zu kurz gesprungen. Werksschließungen sind keine Zukunftsstrategie", sagte Hamburg der Deutschen Presse-Agentur. Die Grünen-Politikerin stellt den Veränderungsbedarf bei Volkswagen dabei nicht grundsätzlich infrage. Im Gegenteil: Der Konzern müsse sich wandeln.
"Im Gegenteil: Volkswagen muss sich verändern", sagte Hamburg. Entscheidend sei jedoch, wie dieser Wandel gestaltet werde. "Aber die Transformation muss den Konzern nachhaltig wettbewerbsfähiger machen und an seine Stärken anknüpfen – nicht seine industrielle Substanz schwächen."
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Welche VW-Werke laut Bericht gefährdet sein könnten
Hintergrund der Debatte ist ein Bericht des „Manager Magazin“. Demnach wolle der VW-Konzern seinen Sparkurs deutlich verschärfen. Bis zu 100.000 Stellen könnten weltweit wegfallen, doppelt so viele wie bislang geplant.
Nach dem Bericht sollen vier Werke in Deutschland gefährdet sein: Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm. Den genannten Standorten drohe demnach die Schließung. Volkswagen selbst steht damit vor einer Debatte, die weit über reine Kostensenkung hinausgeht und zentrale Fragen der industriellen Struktur betrifft.
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VW-Werksschließungen: Wo Hamburg den größeren Hebel sieht
Die Lage von Volkswagen sei ernst, räumte Hamburg ein. Um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern, sieht sie jedoch andere Ansatzpunkte als Werksschließungen. Vor allem verweist sie auf Synergien innerhalb des Konzerns.
"Da liegt doch der eigentliche Hebel, auch wirklich Kosten zu senken." Volkswagen verfüge aufgrund seiner Konzernstruktur über erhebliche Potenziale, Prozesse zu vereinfachen, Doppelstrukturen abzubauen und die Zusammenarbeit zwischen den Marken zu verbessern.
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"Diese Stärke muss Volkswagen konsequenter nutzen", sagte Hamburg. Damit rückt sie interne Effizienz, bessere Abstimmung und die Nutzung bestehender Konzernressourcen in den Mittelpunkt der Debatte.
Wie Volkswagen mit Innovationen überzeugen soll
Neben Effizienzsteigerungen fordert Hamburg mehr Innovationskraft. Aus ihrer Sicht geht es nicht allein um Einsparungen, sondern um die Fähigkeit des Konzerns, wieder technologisch und produktseitig zu überzeugen.
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"Entscheidend ist aber vor allem, dass der Konzern wieder mit innovativen Produkten überzeugt. Genau daraus sind die großen Erfolge von Volkswagen immer entstanden." Dafür müsse Volkswagen weiter in Zukunftstechnologien investieren.
Genannt werden moderne Antriebstechnik, Software, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz. Der Umbau des Konzerns soll nach Hamburgs Einschätzung also nicht über den Abbau industrieller Substanz erfolgen, sondern über technologische Erneuerung und eine konsequentere Nutzung vorhandener Stärken.
Warum VW-Werksschließungen kurzfristig kaum helfen würden
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Einen schnellen Effekt möglicher Werksschließungen erwartet Hamburg nicht. Nach ihrer Einschätzung würden Standortschließungen frühestens langfristig wirken und damit kaum auf die akute Lage des Konzerns einzahlen.
"Werksschließungen wirken, wenn überhaupt, frühestens 2030. Das ist nicht die Antwort auf die akute Krise, die wir jetzt gerade haben", sagte sie. Die Erwartungen an den Vorstand formulierte sie entsprechend klar: "Wir werden deshalb darauf hinwirken, dass der Vorstand jetzt sehr strukturiert Lösungen präsentiert, die auch umsetzbar sind, die ausreichend geprüft sind und die dann auch wirklich einen Effekt haben."
Im Dezember 2024 hatten IG Metall und Volkswagen nach harten Tarifverhandlungen eine Beschäftigungssicherung für die deutschen Konzernstandorte bis 2030 vereinbart. Sie schließt betriebsbedingte Kündigungen aus. Sollte Volkswagen diese Vereinbarung aufkündigen, ist eine Strafzahlung von einer Milliarde EUR festgelegt.
Hamburg warnt auch vor den industriepolitischen Folgen möglicher Standortentscheidungen. "Wenn eine Industrie einmal verloren gegangen ist, kommt sie nicht so schnell wieder", sagte die stellvertretende Ministerpräsidentin. "Das kann nicht unser Interesse sein, weder von Volkswagen als Konzern noch von uns als Land Niedersachsen."
Zugleich verweist sie auf die Wirkung der aktuellen Debatte in den Werken. "Natürlich sorgt die öffentliche Debatte gerade für massive Verunsicherung an den Standorten", sagte Hamburg. Die Landesregierung wolle diese Sorgen ernst nehmen: "Uns ist es ein Anliegen, dieser Verunsicherung zu begegnen, diese ernst zu nehmen, ins Gespräch zu gehen und auch Sorgen auszuräumen."
Das Land Niedersachsen hält 20 % der Stimmrechte im VW-Konzern. Gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern verfügt es dadurch über eine Mehrheit im Aufsichtsrat. Bei wichtigen Entscheidungen hat das Land zudem ein Vetorecht.
Mit Material von dpa.
FAQ: VW-Werksschließungen
• Was sind die geplanten VW-Werksschließungen? – Laut einem Bericht des „Manager Magazin“ könnten vier Werke in Deutschland betroffen sein: Hannover, Emden, Zwickau und Neckarsulm.
• Warum lehnt Julia Willie Hamburg VW-Werksschließungen ab? – Sie hält Werksschließungen für keine Zukunftsstrategie und fordert stattdessen Synergien, Innovationen und Investitionen in Zukunftstechnologien.
• Welche Jobs könnten durch VW-Werksschließungen gefährdet sein? – Laut Bericht könnten weltweit bis zu 100.000 Stellen wegfallen, doppelt so viele wie bisher geplant.
• Wann würden VW-Werksschließungen laut Hamburg wirken? – Hamburg sieht einen Effekt möglicher Werksschließungen, wenn überhaupt, frühestens 2030.
• Welche Alternativen zu VW-Werksschließungen nennt Hamburg? – Sie verweist auf vereinfachte Prozesse, weniger Doppelstrukturen, bessere Zusammenarbeit zwischen Marken und innovative Produkte.