Industrielle KI bildet Basis für eine resiliente Industrie
Künstliche Intelligenz allein macht die Industrie nicht zukunftsfähig. Entscheidend ist, ob Firmen KI und digitale Zwillinge zu einer neuen industriellen Architektur verbinden. Wie das gelingen kann, erklärt Sabine Scheunert von Dassault Systèmes.
Anja RingelAnjaRingelManaging editor and podcast host for 'Produktion'
Warum wird industrielle KI für digitale Zwillinge, Resilienz und regenerative Wertschöpfung zum entscheidenden Hebel? Sabine Scheunert von Dassault Systèmes hat die Erklärung.Dassault Systèmes
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Summary: Sabine Scheunert von Dassault Systèmes ordnet industrielle KI als Schlüssel für resilientere Wertschöpfung ein. Im Mittelpunkt stehen digitale Zwillinge, Simulationen und Engineering-Wissen, die KI mit industriellem Kontext verbinden. Ziel ist eine Generative Economy, in der Wachstum, Innovation und Nachhaltigkeit stärker zusammengedacht werden.
Die Industrie steht weiter unter wachsendem Druck:
Lieferketten geraten immer wieder ins Stocken, Energiepreise bleiben volatil,
regulatorische Anforderungen steigen, geopolitische Spannungen verändern Märkte
und gleichzeitig wächst der Druck, nachhaltiger zu produzieren. Sabine
Scheunert, Vorsitzende der Geschäftsführung in Zentraleuropa bei Dassault
Systèmes, sieht die Industrie deshalb an einem Wendepunkt. „Diese Volatilität
ist Teil des Umfelds geworden, in dem wir agieren“, erklärte sie auf der 3D-Experience-Konferenz
ihres Unternehmens.
Unternehmen müssten sich fragen, ob ihre Prozesse darauf
ausgelegt seien, ständige Turbulenzen auszuhalten, betont Scheunert.
Gleichzeitig nehme die Geschwindigkeit des globalen Wettbewerbs zu. Für Europa
ist dabei entscheidend, nicht einfach andere Märkte zu kopieren, sondern eigene
Stärken mit neuen Technologien zu verbinden.
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„Wir in Europa fangen nicht bei Null an“, sagt die Managerin.
„Trotz der negativen öffentlichen Diskussion verfügen wir über eine
unglaubliche industrielle Stärke und exzellente Ingenieure.“
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Nahezu jedes Unternehmen in Deutschland befasst sich inzwischen
mit Künstlicher Intelligenz. Die entscheidende Frage habe sich dadurch
verschoben: „Nicht mehr das Ob, sondern das Wie bestimmt den Diskurs – und
welche Form von KI echten wirtschaftlichen Mehrwert schafft“, erklärt sie.
Warum industrielle KI anders funktioniert als generative
KI
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Wichtig ist der Expertin dabei die Unterscheidung zwischen
generativer KI und industrieller KI. Generative KI könne wissensbasierte Arbeit
effizienter machen, Inhalte automatisieren und Entscheidungsprozesse
beschleunigen. Für industrielle Wertschöpfung reiche das aber nicht aus. „Wer
daraus ableitet, komplexe industrielle Systeme ließen sich durch Prompts und
Assistenten steuern, greift zu kurz“, erklärt sie in einem Kommentar.
Der Grund liegt in den besonderen Anforderungen
industrieller Prozesse. Es gehe nicht um statistisch plausible Antworten,
sondern um belastbare Entscheidungen unter technischen, regulatorischen und
wirtschaftlichen Bedingungen. Auf dem Hallenboden reiche es nicht aus, wenn
etwas plausibel klinge. Bei Entscheidungen über Fahrzeuge, Produktionslinien
oder medizinische Geräte müssten Ergebnisse zuverlässig, rückverfolgbar und mit
der Realität verbunden sein, erklärte Scheunert in ihrer Keynote.
Wie KI Ingenieure entlasten soll
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Damit industrielle KI überhaupt belastbare Ergebnisse
liefern kann, braucht sie Scheunert zufolge den richtigen Kontext. Dieser
entsteht durch Daten, Modelle, Simulationen, Engineering-Wissen und Prozesse,
die in einem digitalen Zwilling zusammengeführt werden. „Ein Fehler in der
Simulation kostet nichts. Ein Fehler in der Realität kann Millionen kosten“, fasst
die Managerin zusammen.
Der digitale Zwilling wird damit zum Proberaum für Produkte,
Arbeitsprozesse und Lieferketten.
In der Keynote ordnet Scheunert die Rolle von KI auch mit
Blick auf den Menschen ein. Die Produktkomplexität und die verfügbare
Datenmenge seien stark gestiegen, während menschliche Kapazität nicht im
gleichen Maß wachse. Daraus entstehe eine kognitive Überlastung für Entscheider:innen
und Ingenieur:innen.
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„Die Antwort kann nicht sein, einfach mehr Ingenieure
einzustellen“, erklärte sie. Und weiter: „Die Antwort muss sein, jedem
Ingenieur ein Werkzeug zu geben, das mit dieser Komplexität skaliert. Dieses
Werkzeug ist die industrielle KI.“ Gleichzeitig betont die Industrieexpertin,
dass KI den Menschen nicht ersetzen soll: „Die KI ist der Co-Pilot, aber Sie
bleiben der Pilot.“
Dieser Wandel hat auch Auswirkungen auf das wirtschaftliche Zielbild.
„Unsere Wirtschaft steht an einem Wendepunkt“, schreibt die Zentraleuropa-Chefin
von Dassault Systèmes in einem Gastbeitrag.
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Gemeint ist der Übergang von linearen Wirtschaftsmodellen zu
regenerativen Systemen. Denn klassische Wachstumsmodelle stoßen aus Sicht des Gastbeitrags
an ihre Grenzen. Der Grund: Ressourcen sind begrenzt.
Eine Antwort darauf soll die Generative Economy sein. „Die
Generative Economy eröffnet die Chance, die Wirtschaft von morgen regenerativ,
resilient und innovationsgetrieben zu gestalten“, erklärt Scheunert.
Dabei geht es nicht nur um Ressourceneffizienz, sondern um
Wertschöpfung, die langfristig tragfähig ist. Die generative Wirtschaft ist
damit eine Weiterentwicklung der Circular Economy. Sie verbindet Wachstum,
Innovation und Nachhaltigkeit und schafft Systeme, die regenerativ, resilient
und zukunftsfähig sind. „Die generative Wirtschaft ist kein Trend, sondern ein
strategischer Wendepunkt“, so Scheunert.
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Was industrielle KI für Produktlebenszyklen bedeutet
Für die Industrie bedeutet dieser Ansatz, Produkte nicht
isoliert zu betrachten. In einer generativen Wirtschaft ist jedes Produkt Teil
eines größeren Systems. Design, Produktion, Nutzung und Wiederverwertung müssen
so gestaltet werden, dass Materialien möglichst im Kreislauf bleiben.
So zeigen zum Beispiel moderne PLM-Ansätze, welches
Potenzial entsteht, wenn Unternehmen Produkte ganzheitlich denken. Denn wenn
Daten, Prozesse und Lieferketten vernetzt werden, lässt sich nachvollziehen, wo
Rohstoffe herkommen, wie sie genutzt und wie sie wieder in den Kreislauf
zurückgeführt werden können.
Womit wir wieder bei digitalen Zwillingen und industrieller
KI wären: Sie liefern die technische Grundlage, um solche Lebenszyklen zu
simulieren, zu bewerten und zu optimieren.
Eine neue Architektur für industrielle Wertschöpfung
Es lässt sich also klar sagen: Die Industrie steht
unter dauerhaftem Veränderungsdruck. Wettbewerbsfähig werden künftig vor allem
jene Unternehmen sein, die Komplexität beherrschen, Entscheidungen absichern
und ihre Wertschöpfung über den gesamten Lebenszyklus hinweg optimieren.
Industrielle KI und digitale Zwillinge sind dafür nicht die alleinige Lösung,
aber zentrale Werkzeuge. „Generative KI unterstützt punktuell. Industrielle KI
aber entscheidet über Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit der Industrie
von morgen“, sagt Scheunert.
𝐅𝐀𝐐 𝐳𝐮 𝐢𝐧𝐝𝐮𝐬𝐭𝐫𝐢𝐞𝐥𝐥𝐞𝐫 𝐊𝐈
• Was ist industrielle KI? – Industrielle KI verbindet Daten, Modelle, Simulationen, Engineering-Wissen und Prozesse, um belastbare Entscheidungen in industriellen Anwendungen zu unterstützen.
• Warum braucht industrielle KI digitale Zwillinge? – Digitale Zwillinge liefern den Kontext, in dem Produkte, Prozesse und Lieferketten simuliert, bewertet und optimiert werden können.
• Worin unterscheidet sich industrielle KI von generativer KI? – Generative KI unterstützt punktuell wissensbasierte Arbeit, während industrielle KI Entscheidungen in technischen, regulatorischen und wirtschaftlichen Zusammenhängen absichern soll.
• Welche Rolle spielt industrielle KI in der Generative Economy? – Industrielle KI unterstützt dabei, Produktlebenszyklen ganzheitlich zu betrachten und Wertschöpfung resilienter, regenerativer und innovationsgetriebener zu gestalten.
• Ersetzt industrielle KI den Menschen? – Nach Scheunerts Einordnung soll KI den Menschen nicht ersetzen, sondern als Co-Pilot mit der steigenden Komplexität industrieller Prozesse skalieren.