Der Bosch-Stellenabbau wird zur Bewährungsprobe für den Technologiekonzern. Aufsichtsratschef Stefan Asenkerschbaumer verweist auf Robert Bosch und den langfristigen Erhalt des Unternehmens.
Bosch schrieb zuletzt rote Zahlen und will Stellen in großem Stil abbauen. Der Aufsichtsratschef sieht in der Krise eine Herausforderung. Sein Wertegerüst habe der Konzern aber nicht verloren.Bosch
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Bosch steht unter Druck, nachdem der Konzern zuletzt rote Zahlen schrieb. Aufsichtsratschef Stefan Asenkerschbaumer sieht im Bosch-Stellenabbau eine Herausforderung, verweist aber auf das Wertegerüst des Unternehmens. Der Konzern will vor allem über freiwillige Programme sparen, stößt damit jedoch auf deutliche Kritik der IG Metall.
Warum der Bosch-Stellenabbau das Wertegerüst berührt
Bosch steht vor einer tiefgreifenden Bewährungsprobe. Der Autozulieferer und Technologiekonzern schrieb zuletzt rote Zahlen und plant einen Stellenabbau in großem Umfang. Aufsichtsratschef Stefan Asenkerschbaumer sieht darin nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine wertebezogene Herausforderung.
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Mit Blick auf die Krise in der Industrie hob Asenkerschbaumer die Grundsätze des Unternehmers Robert Bosch hervor. „Im Hinblick auf unser Wertegerüst ist wichtig, dass für Robert Bosch immer das langfristige Überleben des Unternehmens im Mittelpunkt stand“, sagte Asenkerschbaumer der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Für dieses Ziel habe Robert Bosch keine Opfer gescheut. „Denn das Überleben des Unternehmens sichert alles andere.“
Bosch verweist auf langfristige Unternehmenssicherung
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Professor Dr. rer. pol. Stefan Asenkerschbaumer, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Robert Bosch GmbH und geschäftsführender Gesellschafter der Robert Bosch Industrietreuhand KG (RBIK).Wolfram Scheible
Robert Bosch hatte 1886 in Stuttgart mit der „Werkstätte für Feinmechanik und Elektrotechnik“ den Grundstein für die heutige Robert Bosch GmbH gelegt. Nach Darstellung Asenkerschbaumers war Bosch stets sozial orientiert, allerdings nicht losgelöst von der Entwicklung des Unternehmens.
„Aber eben immer mit dem Fokus darauf, dass sich das Unternehmen weiterentwickeln muss“, sagte Asenkerschbaumer. Entscheidend sei gewesen, fair und offen, zugleich aber konsequent mit Krisen umzugehen. „Insofern ist die aktuelle Krise eine Herausforderung, aber wir haben dabei nicht unser Wertegerüst verloren.“
Wie tief die Krise bei Bosch reicht
Der weltweit größte Autozulieferer leidet nicht nur im Kerngeschäft. Auch in fast allen anderen Geschäftsfeldern steht Bosch unter Druck. Wie aus der Meldung hervorgeht, belasteten Milliardenkosten für den Stellenabbau, US-Zölle und eine hohe Steuerbelastung den Technologiekonzern im vergangenen Jahr erheblich.
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Diese Faktoren drückten Bosch tief in die roten Zahlen. Nach eigenen Angaben ist das Unternehmen in vielen Bereichen mittlerweile nicht mehr wettbewerbsfähig. Das Management reagiert darauf mit Einschnitten bei Personal und Strukturen.
Bosch will im Zulieferbereich bis zu 22.000 Stellen streichen
Besonders stark betroffen ist der Zulieferbereich. Allein dort will der Konzern aus Gerlingen bei Stuttgart in den kommenden Jahren bis zu 22.000 Stellen abbauen. Ziel ist es, die Kostenbasis zu senken und die Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen.
Bosch setzt dabei vor allem auf freiwillige Programme. Genannt werden Vorruhestand, Altersteilzeit und Abfindungen. Der Abbau soll nach Unternehmensdarstellung möglichst sozialverträglich umgesetzt werden.
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Doch die Sparpläne gehen über den Zulieferbereich hinaus. Abbaupläne gibt es auch in weiteren Konzernteilen, darunter bei der Hausgerätetochter BSH und in der Sparte für Elektrowerkzeuge.
Warum die Kritik am Bosch-Stellenabbau scharf ausfällt
Die geplanten Einschnitte haben bei Arbeitnehmervertretern deutliche Kritik ausgelöst. Besonders scharf äußerte sich IG-Metall-Chefin Christiane Benner im September vergangenen Jahres in einer Mitteilung.
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Robert Bosch würde im Grab rotieren, warf Benner dem Management vor. „Sie treten die Werte mit Füßen, die Bosch erfolgreich gemacht haben: Zuverlässigkeit, Verantwortung und ein faires Miteinander“, so Benner.
Damit steht der Bosch-Stellenabbau nicht nur für ein industrielles Restrukturierungsprogramm. Er berührt auch die Frage, wie ein Traditionsunternehmen in einer Krise Kosten senkt, ohne den eigenen Anspruch an Verantwortung, Fairness und langfristige Stabilität zu verlieren.
Mit Material der dpa
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FAQ zum Bosch-Stellenabbau
• Was ist der Bosch-Stellenabbau? – Bosch plant einen umfangreichen Personalabbau, vor allem im Zulieferbereich, um Kosten und Strukturen zu reduzieren.
• Warum ist der Bosch-Stellenabbau notwendig? – Nach Angaben des Unternehmens ist Bosch in vielen Bereichen nicht mehr wettbewerbsfähig und schrieb zuletzt rote Zahlen.
• Wie viele Stellen betrifft der Bosch-Stellenabbau? – Allein im Zulieferbereich sollen in den kommenden Jahren bis zu 22.000 Stellen wegfallen.
• Wie soll der Bosch-Stellenabbau umgesetzt werden? – Bosch setzt vor allem auf freiwillige Programme wie Vorruhestand, Altersteilzeit und Abfindungen.
• Warum gibt es Kritik am Bosch-Stellenabbau? – Arbeitnehmervertreter werfen dem Management vor, zentrale Bosch-Werte wie Verantwortung, Zuverlässigkeit und faires Miteinander zu beschädigen.