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Robotik und KI: Bosch setzt auf Milliardenmarkt

Robotik und KI sollen Bosch neue Wachstumsperspektiven eröffnen. Der Konzern richtet sich stärker auf Automatisierung und humanoide Robotik aus.

Bosch richtet sich neu aus: Der Konzern will im Milliardenmarkt für Robotik und KI punkten – auch wegen der Ertragskrise im Stammgeschäft. Rückendeckung erhalten die Schwaben aus der Politik.
Bosch richtet sich neu aus: Der Konzern will im Milliardenmarkt für Robotik und KI punkten – auch wegen der Ertragskrise im Stammgeschäft. Rückendeckung erhalten die Schwaben aus der Politik.

Summary: Bosch will im Markt für Robotik und KI ein Geschäft in Milliardenhöhe entwickeln. Auf der Bosch Connected World in Berlin stellte der Konzern seinen Ansatz für humanoide Robotik, MEMS-Sensoren und KI-Training vor. Der Vorstoß erfolgt vor dem Hintergrund einer Ertragskrise im klassischen Automobilgeschäft und erhält politische Rückendeckung.

Warum Bosch bei Robotik und KI stärker angreift

Bosch richtet den Blick verstärkt auf einen Zukunftsmarkt, der für den Technologiekonzern strategisch an Bedeutung gewinnt: Automatisierung, humanoide Robotik und Künstliche Intelligenz. Auf der Bosch Connected World in Berlin machte das Unternehmen deutlich, dass Robotik und KI künftig eine größere Rolle im Portfolio spielen sollen.

Der Schritt erfolgt in einer Phase, in der das klassische Automobilgeschäft unter Druck steht. Bosch sucht nach neuen Wachstumsfeldern, die technologische Stärke, industrielle Erfahrung und vorhandene Produktionsdaten verbinden. «Bosch bewegt die Zukunft – auf Rädern und mit Armen», sagte Bosch-Digitalchefin Tanja Rückert auf dem Branchentreff in Berlin.

Konzernchef Stefan Hartung stellte in Aussicht, das Segment humanoide Robotik zu einem «Geschäft in Milliardenhöhe» zu entwickeln. Damit positioniert Bosch Robotik und KI nicht als Randthema, sondern als Baustein der künftigen Unternehmensentwicklung.

Bosch will nicht den Roboter bauen, sondern dessen Systemkern

Bosch verfolgt bei humanoider Robotik eine klare Rollenverteilung. Der Konzern will nicht selbst als Hersteller humanoider Roboter auftreten. Stattdessen sieht sich Bosch als Technologiepartner für zentrale Systemfunktionen.

Im Mittelpunkt steht nach Darstellung des Unternehmens das «Gehirn und Nervensystem» solcher Roboter. Gemeint sind Lösungen, die Wahrnehmung, Steuerung, Sensorik und Verarbeitung ermöglichen. Besonders wichtig sind dabei mikroelektromechanische Systeme, kurz MEMS-Sensoren.

Diese Sensoren sollen Robotern einen feineren Tastsinn ermöglichen. Dadurch können sie etwa ein empfindliches Glas von einem robusteren Gegenstand unterscheiden. Für industrielle Anwendungen ist diese Fähigkeit entscheidend, weil humanoide Roboter künftig nicht nur greifen, sondern auch differenziert reagieren müssen.

Welche Rolle MEMS-Sensoren für Robotik und KI spielen

MEMS-Sensoren zählen zu den Kerntechnologien, auf die Bosch bei Robotik und KI setzt. In diesem Bereich ist der Konzern nach eigenen Angaben bereits Weltmarktführer. Die Sensorik bildet eine technische Grundlage dafür, dass Roboter ihre Umgebung präziser wahrnehmen und Bewegungen kontrollierter ausführen können.

Das wirtschaftliche Potenzial ist erheblich. Schätzungen zufolge soll das Marktvolumen für MEMS-Sensoren bis 2030 auf über 19,2 Milliarden USD anwachsen. Für Bosch verbindet sich damit ein industriell skalierbares Geschäftsfeld mit einem Markt, der von Automatisierung und humanoider Robotik profitieren dürfte.

Neue Einheit soll Industrialisierung beschleunigen

Um die Aktivitäten in der Robotik zu bündeln, hat Bosch die Robert Bosch Robotics GmbH gegründet. Die neue Einheit soll helfen, die Industrialisierung entsprechender Lösungen schneller voranzutreiben.

Für den asiatischen Markt bündelt Bosch seine Aktivitäten zudem im Bosch Robotics Center China, kurz BROC. Damit adressiert der Konzern einen Markt, der für Automatisierung und industrielle Robotik eine hohe Relevanz besitzt.

Zusätzlich setzt Bosch auf Partnerschaften mit Start-ups. Dazu zählt das deutsche Unternehmen Neura Robotics. Gemeinsam sollen Entwicklungen im Bereich kognitiver Roboter vorangebracht werden. Als Basis für das Training von Künstlicher Intelligenz dient Bosch dabei ein großer industrieller Datenschatz aus weltweit über 230 eigenen Werken.

Warum der Umbau vor einem schwierigen Stammgeschäft steht

Der optimistische Auftritt in Berlin steht im Kontrast zur aktuellen Lage im Stammgeschäft. Die Bilanz für das Jahr 2025 zeigt, dass Bosch wirtschaftlich unter erheblichem Druck steht. Erstmals seit 2009 musste der Konzern einen Nachsteuerverlust verbuchen. Dieser lag bei 363 Millionen EUR. Der Umsatz stieg 2025 lediglich leicht auf 91 Milliarden EUR.

Die Ursachen sind vielfältig. Genannt werden eine schwache Weltkonjunktur, neue US-Zölle und eine deutlich verschärfte Konkurrenz durch chinesische Anbieter. Bosch räumt ein, in vielen Bereichen nicht mehr ausreichend wettbewerbsfähig zu sein.

Auch Zukunftsprojekte wie E-Mobilität oder Wasserstoffantriebe liefern bislang zu geringe Erträge. Gleichzeitig leidet das Geschäft mit Konsumgütern unter Marktschwäche, darunter Waschmaschinen der Tochter BSH und Elektrowerkzeuge.

Stellenabbau belastet das Jahresergebnis

Um die Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen, plant das Management umfangreiche Einschnitte. Allein im Zulieferbereich sollen in den kommenden Jahren rund 22.000 Arbeitsplätze wegfallen. Weitere Kürzungen sind bei BSH und im Bereich Elektrowerkzeuge vorgesehen.

Bereits bis Ende 2025 schrumpfte die deutsche Belegschaft um mehr als 5 % auf 122.968 Mitarbeiter. Die Kosten für den Stellenabbau belasteten das Jahresergebnis 2025 erheblich. Rückstellungen in Höhe von rund 2,7 Milliarden EUR drückten das Ergebnis zusätzlich.

Vor diesem Hintergrund bekommt der Ausbau von Robotik und KI eine strategische Dimension. Bosch versucht, technologische Kompetenzen aus Sensorik, Automatisierung, Software und industrieller Fertigung in neue Geschäftsfelder zu übertragen.

Wie die Politik den Bosch-Kurs einordnet

Auf der Bosch Connected World erhielt der Konzern politische Rückendeckung. Bundesdigitalminister Karsten Wildberger äußerte sich zuversichtlich, dass Bosch die aktuelle Transformation erfolgreich bewältigen werde.

Der CDU-Politiker würdigte das 140-jährige Bestehen des Unternehmens und hob hervor, Bosch bespreche die vernetzte Welt nicht nur theoretisch, sondern baue sie tatsächlich. Der Konzern sei ein Beispiel dafür, wie sich ein industrieller Champion durch Technologie immer wieder neu erfinden könne.

Wildberger ordnete den Wandel von Bosch hin zu einem KI-Unternehmen als bereits verinnerlicht ein. Für den Weg aus der Krise kündigte er zudem modernisierte staatliche Rahmenbedingungen an. Dazu zählt der Abbau von Bürokratie im Wert von 16 Milliarden EUR sowie der Ausbau von Glasfaser- und KI-Infrastruktur.

Der Staat solle künftig stärker als Wegbereiter agieren und verlässliche «Schienen» in Form offener digitaler Infrastruktur bereitstellen. Darauf könnten Unternehmen wie Bosch eigene Lösungen aufbauen. Die mutige Denkweise, für die sich Bosch im aktuellen Umbruch entschieden habe, sei laut Wildberger genau die Haltung, die Deutschland brauche, um wieder wirtschaftliche Stärke zu erlangen.

Mit Material der dpa

FAQ: Robotik und KI bei Bosch

• Warum setzt Bosch auf Robotik und KI? – Bosch will in einem wachsenden Zukunftsmarkt neue Ertragsperspektiven erschließen und das Segment humanoide Robotik zu einem Geschäft in Milliardenhöhe entwickeln.

• Welche Rolle spielt Robotik und KI im Bosch-Konzern? – Robotik und KI sollen künftig stärker mit Sensorik, Automatisierung, Software und industriellen Daten aus den eigenen Werken verbunden werden.

• Baut Bosch mit Robotik und KI eigene humanoide Roboter? – Bosch will nicht selbst als Hersteller humanoider Roboter auftreten, sondern zentrale Systeme wie «Gehirn und Nervensystem» liefern.

• Welche Sensorik nutzt Bosch für Robotik und KI? – Im Fokus stehen MEMS-Sensoren, die Robotern einen feineren Tastsinn ermöglichen und damit präzisere Anwendungen unterstützen.

• Warum ist Robotik und KI für Bosch strategisch wichtig? – Der Konzern steht im klassischen Automobilgeschäft unter Ertragsdruck und sucht mit Robotik und KI nach neuen industriellen Wachstumsmärkten.