Flaggen von China und Deutschland auf Schachfiguren auf einem Schachbrett.

Viele deutsche Firmen haben einen Standort in China. - Bild: Rawf8 - stock.adobe.com

Müssen deutsche Unternehmen bald Angst vor der chinesischen Konkurrenz haben? Nein, aber die Volksrepublik holt auf. So gehen einer Umfrage zufolge 60 Prozent der befragten Firmen davon aus, dass die chinesischen Wettbewerber stark aufholen und den deutschen Firmen in einigen Jahren überlegen sein könnten. Derzeit sehen sich noch 40 Prozent gegenüber der Konkurrenz aus China gut aufgestellt. Für die Umfrage haben das China Netzwerk Baden-Württemberg (CNBW) und die Unternehmensberatung PwC mehr als 140 Unternehmen aus Baden-Württemberg befragt.

In Sektoren wie Künstlicher Intelligenz und Internet of Things haben chinesische Firmen die Wettbewerber bereits überholt. Und auch in der Automobilindustrie holen sie auf, erklärte Thomas Heck, Leiter der China Business Group Deutschland und Europa bei PwC. Chinesische Firmen würden inzwischen Elektroautos „auf Weltniveau“ produzieren. Das sei bei Verbrennern nicht so gewesen. So habe zum Beispiel der Sicherheitsstandard nicht den Ansprüchen genügt.

Die chinesischen Wettbewerber in der Elektromobilität seien zwar noch klein, könnten aber zu Konkurrenz werden. Das sei eine „reale Gefahr“, der sich Unternehmen aus Europa, den USA und Japan stellen müssen, sagte Heck heute (6.10.21) auf einer Online-Veranstaltung.

Chinesische Maschinenbauer holen auf

Und auch die chinesischen Maschinenbauer werden eine immer größere Konkurrenz. So hat das Land Deutschland dieses Jahr erstmals als Exportweltmeister in der Branche abgelöst. Heck erklärte: Auch die chinesischen Maschinenbauer seien auf einem guten Niveau. Qualität und Preis stimme.

Zwar sei die Technologie nicht immer die absolut neueste, aber viele Unternehmen würde auch auf die Kosten achten und nehmen im Zweifelsfall vielleicht doch das Produkt des chinesischen Wettbewerbers. Das habe dann zwar nicht zu 100 Prozent die Ansprüche erfüllt, sei aber günstiger.

Bei diesem Punkt sieht Heck aber auch Chancen für die deutsche Industrie. Die Firmen müssten sicherstellen, dass sie eine neue Generation entwickeln, technologisch weiterdenken und effizienter werden. Wichtig sei dabei auch, dass die Politik die Weichen stellt und Anreize für Unternehmen stellt, in Forschung und Entwicklung zu entwickeln.

Der Experte rät Unternehmen außerdem, ihre Aktivitäten in China im Hinblick auf den neuen Fünfjahresplan der chinesischen Regierung zu prüfen: „Danach möchte China die Binnenwirtschaft stärken und sich gleichzeitig von ausländischen Importen unabhängiger machen.“ Das könne es für hiesige Firmen schwieriger machen, im chinesischen Markt Fuß zu fassen.

Was sich die Parteien für die Handelspolitik mit China vorgenommen haben, lesen Sie hier.

Deutsche Firmen wollen weiter in China investieren

Allerdings gibt es seiner Ansicht nach auch weiterhin Wachstumspotenziale: „China hat einen hohen Nachholbedarf, wenn es um den Klimaschutz geht. Insbesondere für Unternehmen im Bereich von Umwelttechnologien, die zur Reduktion von CO2-Emissionen beitragen, sehe ich Chancen im chinesischen Markt.“

Und auch die Umfrage zeigt, dass die Unternehmen weiter in China präsent sein wollen. 60 Prozent der befragten Firmen gaben an, dass der dortige Absatzmarkt künftig wichtiger sein werde als heute. Knapp 30 Prozent erklärten, der chinesische Markt sei künftig genauso wichtig wie heute, sagte Dr. Elmar Stumpf, Vorstandsvorsitzender des CNBW.

Das sind die Herausforderungen in China

Trotz der Wachstumspotenziale gibt es für die Unternehmen weiter Herausforderungen in China. Die befragten Unternehmen sehen vor allem die Preis- und Lohnentwicklung als größte Hürde. Die wirtschaftliche, wettbewerbliche und rechtliche Sicherheit folgt auf Platz 2, die Zuverlässigkeit der Partner auf dem dritten Rang.

Weitere Herausforderungen sind: Gewinnung von geeignetem Personal, Aufbau einer Führungs- und Unternehmenskultur sowie interkulturelle Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern.

Mit der Infrastruktur in China ist die Mehrheit der Unternehmen dagegen zufrieden.

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