Infineon übernimmt für mehr als eine halbe Milliarde Euro den Sensorik-Geschäftsbereich von ams Osram – und schärft damit sein Profil in Schlüsselindustrien wie Automotive, Industrieautomation und Medizintechnik.
Infineon kauft einen Bereich des Sensorgeschäfts des deutsch-österreichischen Unternehmens ams Osram.Ardan Fuessmann - stock.adobe.com)
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Worum geht es beim Deal zwischen Infineon und ams Osram?
Infineon Technologies übernimmt einen wesentlichen Teil des Sensorgeschäfts von ams Osram. Der Kaufpreis liegt bei rund 570 Millionen Euro. Konkret handelt es sich um das nichtoptische Automotive-, Industrie- und Medizinsensorgeschäft des deutsch-österreichischen Konzerns ams Osram. Mit dem Zukauf verfolgt Infineon das Ziel, die eigene Position im Sensor- und Analoggeschäft gezielt zu stärken und das bestehende Portfolio strategisch zu erweitern.
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Der Abschluss der Transaktion ist für das zweite Quartal des Kalenderjahres vorgesehen. Produktionsstätten sind von dem Deal nicht betroffen. Allerdings wechseln rund 230 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von ams Osram zu Infineon. Damit geht nicht nur Technologie, sondern auch spezifisches Know-how in den Konzern über.
Infineon rechnet damit, dass der übernommene Geschäftsbereich bereits im Jahr 2026 einen zusätzlichen Umsatz von rund 230 Millionen Euro beisteuern wird – ein klares Signal für die wirtschaftliche Bedeutung des Deals.
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Warum ist Sensorik für Infineon strategisch so wichtig?
Sensoren gelten als Schlüsselkomponenten moderner Industrie- und Mobilitätslösungen. Sie erfassen physikalische Größen, ermöglichen präzise Steuerung und bilden die Basis für automatisierte, sichere und intelligente Systeme. Infineon ist bereits stark im Bereich Leistungshalbleiter, Mikrocontroller sowie Analog- und Mixed-Signal-Lösungen positioniert. Mit dem Zukauf erweitert das Unternehmen diese Kompetenz gezielt um spezialisierte Sensortechnologien.
Das übernommene Portfolio umfasst unter anderem hochpräzise Sensoren für:
die Fahrwerkspositionsmessung im Automobil,
die Handkontakt-Erkennung am Lenkrad,
die Winkel- und Positionserfassung in der Robotik,
sowie Sensorlösungen für die Industrieautomation und Gebäudetechnik.
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Diese Anwendungen stehen exemplarisch für Märkte, in denen Präzision, Zuverlässigkeit und funktionale Sicherheit entscheidend sind – und in denen Infineon seine technologische Tiefe weiter ausbauen will.
Welche Rolle spielt der Medizintechnikbereich?
Ein besonders sensibler und technologisch anspruchsvoller Teil des übernommenen Geschäfts betrifft die Medizinsensorik. Dazu zählen unter anderem Detektoren für die Computer-Tomographie sowie Sensoren für die kontinuierliche Glukosemessung bei Diabetes-Patienten.
Diese Anwendungen erfordern höchste Genauigkeit, Langzeitstabilität und regulatorische Konformität. Die Integration dieser Technologien erweitert Infineons Reichweite in einen Markt, der durch hohe Eintrittsbarrieren und langfristige Produktzyklen geprägt ist. Gleichzeitig unterstreicht der Deal die zunehmende Bedeutung von Halbleiterlösungen in der modernen Medizintechnik.
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Wie stärkt der Zukauf die Industrie- und Automatisierungskompetenz?
Im industriellen Umfeld spielen Sensoren eine zentrale Rolle bei der Automatisierung von Prozessen, der Überwachung von Anlagenzuständen und der Optimierung von Energie- und Materialflüssen. Das von ams Osram übernommene Geschäft liefert Komponenten für Industrieautomation und Gebäudetechnik – Bereiche, die durch Digitalisierung und Vernetzung stark wachsen.
Durch die Integration dieser Sensorik kann Infineon seine bestehenden Systeme um zusätzliche Funktionalität ergänzen. Besonders relevant ist dabei die Kombination von Sensoren mit bestehenden Steuerungs-, Leistungs- und Sicherheitslösungen des Konzerns. So entstehen ganzheitliche Plattformen, die auf Effizienz, Sicherheit und Skalierbarkeit ausgelegt sind.
Welche neuen Perspektiven eröffnet der Deal für Infineon?
Infineon-Chef Jochen Hanebeck bezeichnete den Zukauf als eine strategisch perfekte Ergänzung des bestehenden Angebots. Neben den unmittelbaren Effekten auf Umsatz und Produktportfolio eröffnen sich dem Konzern neue Möglichkeiten in etablierten Zielmärkten sowie in aufstrebenden Technologiefeldern.
Explizit genannt wurde dabei die humanoide Robotik. Diese Anwendungen stellen besonders hohe Anforderungen an Sensorik, da sie komplexe Bewegungen, präzise Positionsbestimmung und sichere Mensch-Maschine-Interaktion erfordern. Die übernommenen Sensorlösungen bilden hierfür eine wichtige technologische Grundlage.
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Warum trennt sich ams Osram von diesem Geschäft?
Für ams Osram ist der Verkauf Teil einer klaren strategischen Neuausrichtung. Der Konzern, der aus der Übernahme des Lichtkonzerns Osram durch den Sensorspezialisten ams hervorgegangen ist, nutzt die Einnahmen aus dem Verkauf zur Reduzierung der Verschuldung.
Gleichzeitig soll der Fokus künftig stärker auf intelligente optische Halbleiter für Lichtemission und Sensorik gelegt werden. Damit konzentriert sich ams Osram auf jene Bereiche, in denen das Unternehmen seine größten technologischen Stärken sieht.
Konzernchef Aldo Kamper sprach davon, mit dem Deal zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen: finanzielle Entlastung auf der einen Seite und strategische Fokussierung auf der anderen.
Auch wenn Produktionsstätten nicht Teil der Transaktion sind, ist der Wechsel von rund 230 Beschäftigten ein zentraler Aspekt. Mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern übernimmt Infineon tiefgehende Expertise in Entwicklung, Applikation und Vermarktung der Sensorlösungen.
Dieser Know-how-Transfer erleichtert die Integration der Produkte in das bestehende Portfolio und beschleunigt die Weiterentwicklung. Gleichzeitig sorgt er für Kontinuität in den betroffenen Geschäftsbereichen.
Einordnung: Was sagt der Deal über den Sensormarkt aus?
Der Kauf unterstreicht die hohe strategische Bedeutung von Sensorik in nahezu allen industriellen Zukunftsmärkten. Ob Automobil, Industrie, Medizintechnik oder Robotik – überall steigt der Bedarf an präzisen, zuverlässigen und intelligent integrierbaren Sensorlösungen.
Gleichzeitig zeigt der Deal, dass sich Unternehmen zunehmend fokussieren und spezialisieren. Während Infineon gezielt sein Sensor- und Analoggeschäft ausbaut, richtet ams Osram seine Ressourcen stärker auf optische Halbleiter aus. Diese Arbeitsteilung entlang technologischer Stärken ist typisch für einen Markt, der von steigender Komplexität und hohen Investitionsanforderungen geprägt ist.
Mit Material der dpa
FAQ: Infineon kauft Sensorgeschäft von ams Osram
Was genau kauft Infineon von ams Osram? - Infineon übernimmt das nichtoptische Automotive-, Industrie- und Medizinsensorgeschäft von ams Osram. Dazu gehören hochpräzise Sensorlösungen für Fahrzeuge, Industrieanwendungen und medizinische Systeme.
Wie hoch ist der Kaufpreis? - Der Kaufpreis beträgt rund 570 Millionen Euro.
Wann soll der Deal abgeschlossen werden? - Der Vollzug der Transaktion ist für das zweite Quartal des Kalenderjahres geplant.
Welche Umsatzeffekte erwartet Infineon? - Infineon rechnet mit einem zusätzlichen Jahresumsatz von rund 230 Millionen Euro ab dem Jahr 2026.
Welche Anwendungen deckt das übernommene Sensorgeschäft ab? - Das Portfolio umfasst unter anderem Sensoren für Fahrwerkspositionsmessung, Handkontakt-Erkennung am Lenkrad, Winkel- und Positionserfassung in der Robotik, Industrieautomation, Gebäudetechnik, Computer-Tomographie sowie kontinuierliche Glukosemessung.
Sind Produktionsstandorte vom Verkauf betroffen? - Nein, Produktionsstätten sind nicht Teil der Transaktion.
Was passiert mit den Mitarbeitenden des Geschäftsbereichs? - Rund 230 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wechseln zu Infineon.
Warum verkauft ams Osram diesen Geschäftsbereich? - ams Osram nutzt die Einnahmen zur Reduzierung der Verschuldung und richtet den strategischen Fokus künftig stärker auf intelligente optische Halbleiter für Lichtemission und Sensorik aus.
Welche strategische Bedeutung hat der Deal für Infineon? - Der Zukauf stärkt das Analog- und Sensorportfolio, erweitert die technologische Basis und eröffnet neue Möglichkeiten in etablierten Märkten sowie in aufstrebenden Feldern wie der humanoiden Robotik.
Welche Rolle spielt die Medizintechnik in dem Deal? - Ein Teil des übernommenen Geschäfts liefert hochpräzise Medizinsensoren, etwa für die Bildgebung in der Computer-Tomographie und für die kontinuierliche Glukosemessung bei Diabetes-Patienten.