Vier Arbeiter mit Mundschutz sitzen auf dem Boden und schauen betrübt auf einen Laptop

Auf den Maschinenbau kommen schwere Zeiten zu. - Bild: Adobe Stock/Supachai

| von Anja Ringel

Gibt es bald den großen Knall im Maschinenbau? Ja, sagt der scheidende VDMA-Präsident Carl Martin Welcker. Denn laut einer Umfrage planen rund drei Viertel der Betriebe, ihre Belegschaften zwischen fünf und 15 Prozent zu verkleinern. Das zeigt, dass die Unternehmen inzwischen nicht mehr davon ausgehen, dass sie ihre Mitarbeiter durch Kurzarbeit durch die Krise bekommen, sagte Welcker in einem Pressegespräch. Deshalb müssten die Firmen nun Stellen abbauen, um zu überleben.

Und das wird auch Folgen für die Zukunft haben. Welcker erklärte: Wenn der Maschinenbau „an der Front“ qualifizierte Mitarbeiter verliert, stehen die dann jahrelang nicht mehr zur Verfügung, weil sie in eine andere Branche wechseln. Das werde den deutschen Maschinenbau international schwächen. „Das macht mir große Sorge“, sagte der VDMA-Präsident. Angesichts eines Produktionsrückgangs von 17 Prozent hält er den Stellenabbau aber für ein „immer noch moderates Vorgehen“.

Er kann sich jedoch nicht daran erinnern, dass es schon einmal zu solchen Jobstreichungen kam. Das sei das bedrückende an der Sache. Während der Finanzkrise sei der Maschinenbau auch massiv betroffen gewesen, es habe aber relativ zügig wieder „Entspannungssignale“ gegeben und dann sei es auch wieder bergauf gegangen.

Politik soll nicht in Wirtschaft eingreifen

Der scheidende VDMA-Präsident Carl Martin Welcker
Der scheidende VDMA-Präsident Carl Martin Welcker will keine Staatsbeteilungen an Unternehmen. - Bild: VDMA

Derzeit sind noch knapp 30 Prozent der Maschinenbauer in Kurzarbeit. Die Kapazitätsauslastung lag im Juli bei rund 76 Prozent – und damit zehn Prozentpunkte unter der dem normalen Wert. Für 2021 rechnet Welcker noch nicht mit einer signifikanten Erholung der Branche. Die abgesackte Produktion werde nur um zwei Prozente zulegen, so die Prognose des Verbandes.

Zum Ende seiner Amtszeit warnte Welcker, dass die Politik nicht in Einzelfällen in die Wirtschaft eingreifen, sondern lieber die Rahmenbedingungen verbessern solle. So sieht er zum Beispiel bei Thyssenkrupp keine Notwendigkeit einer Staatsbeteiligung. „Muss es eine Staatsbeteiligung sein oder gibt es andere Vehikel, die weniger Wettbewerbsverzerrend sind“, fragte Welcker.

Die Stahlindustrie stehe mit Sicherheit vor enormen Herausforderungen, unter anderem durch unfairen Wettbewerb aus Asien. Aber die Antwort könne nicht sein, das Wirtschaftssystem auszuhebeln, Vielmehr müssten Maßnahmen ergriffen werden, die sich gegen eine Wettbewerbsverzerrung richten – zum Beispiel Schutzzölle oder Anti-Dumping-Verfahren.

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Warum Messen weiter wichtig sind

Lob gab es dagegen für den Umgang der Bundesregierung mit der Corona-Pandemie. Insgesamt habe das Krisenmanagement in den ersten Monaten gut funktioniert. Dazu zählt der VDMA-Präsident unter anderem die Verlängerung der Kurzarbeit.

Zum Thema Messen erklärte er, es habe sich gezeigt, dass es den unmittelbaren Bedarf an persönlichem Kontakt gebe. In Zukunft werde es aber sicherlich mehr hybride Formate geben. Vor allem als Maschinenbauer sei ihm der persönliche Kontakt jedoch wichtig: Er müsse eine Maschine auch einmal live sehen, um sie genauer inspizieren zu können. Zuletzt wurde die Automatica 2020 abgesagt. Mehr dazu lesen Sie hier.

Der VDMA wählt am heutigen Freitag (9.10.) auf seiner Mitgliederversammlung einen neuen Präsidenten. Wer der Neue wird, lesen Sie hier auf produktion.de.

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