Investitionsquote

Nettoinvestitionsquote Deutschland fällt auf Rekordtief

Die Nettoinvestitionsquote Deutschland ist 2025 erstmals seit 1990 negativ. Neue Daten belegen einen anhaltenden Rückgang der Investitionen in Anlagen und Infrastruktur.

Die Unternehmen investieren nur noch in Ersatzbeschaffungen .

Summary: Deutschland verzeichnet 2025 eine Nettoinvestitionsquote von minus 0,23 %. Daten von Bundeswirtschaftsministerium und Statistischem Bundesamt zeigen einen langfristigen Rückgang. Unternehmen investieren überwiegend nur noch in Ersatz, während staatliche Impulse begrenzt wirken.

Was zeigt die Nettoinvestitionsquote Deutschland? 

Die Nettoinvestitionsquote Deutschland ist 2025 auf minus 0,23 % gefallen. Damit liegt sie erstmals seit der Wiedervereinigung unter null, wie aus Daten des Bundeswirtschaftsministeriums und des Statistischen Bundesamts hervorgeht. Die Auswertung erfolgte durch den Linken-Abgeordneten Cem Ince, wie aus der vorliegenden Mitteilung hervorgeht.

Die Kennzahl beschreibt Anlageninvestitionen abzüglich der Abschreibungen. Sie umfasst Investitionen in Bau, Maschinen, Geräte und Infrastruktur – sowohl aus dem privaten als auch aus dem öffentlichen Sektor.

Langfristiger Abwärtstrend der Investitionen 

Die Entwicklung zeigt eine deutliche strukturelle Schwäche. Zwischen 1991 und 1999 lag die durchschnittliche Nettoanlageninvestitionsquote noch bei 7,31 %. In den Jahren 2000 bis 2009 sank sie auf 2,88 %, zwischen 2010 und 2019 auf 2,29 %.

In der jüngsten Periode von 2020 bis 2025 erreichte die Quote im Schnitt nur noch 1,02 %. Der Rückgang über mehrere Jahrzehnte verdeutlicht die sinkende Investitionsdynamik im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung.

„Deutschland fährt auf Verschleiß“ 

Cem Ince bewertet die Entwicklung kritisch: «Deutschland fährt auf Verschleiß. Marode Schulen, kaputte Straßen, eine Infrastruktur im Niedergang. Was viele Menschen längst im Alltag spüren, belegen auch die Zahlen. In unserem Land wird seit Jahren zu wenig investiert.»

Er verbindet diese Einschätzung mit der Forderung nach einer Vermögensteuer und einer breit angelegten Investitionsoffensive.

Welche Rolle spielt die Privatwirtschaft? 

Ein Großteil der Investitionen stammt weiterhin aus dem privaten Sektor. Nach Angaben des arbeitgebernahen Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) entfallen mehr als 80 % der Investitionen auf Unternehmen.

IW-Geschäftsführer Hubertus Bardt erklärt gegenüber der dpa: «Bei den Bruttoanlageinvestitionen sehen wir schon seit Jahren preisbereinigt einen negativen Effekt.» Besonders im Bau habe es zuletzt reale Rückgänge gegeben, «die nicht ausgeglichen wurde durch die ersten Tropfen aus dem Sondervermögen».

Fehlende Dynamik trotz staatlicher Impulse 

Die Investitionszurückhaltung der Unternehmen hängt laut IW eng mit der konjunkturellen Lage zusammen. Bardt betont: «Wenn jetzt die öffentlichen Investitionen aus dem Sondervermögen verstärkt fließen, wirkt das sicher positiv, aber es ist fraglich, ob das eine echte Dynamik in der Privatwirtschaft auslöst.»

Die Einschätzung bleibt verhalten: «Die Unternehmen sind nicht optimistisch. Wer jetzt investiert, der kümmert sich um reine Ersatzinvestitionen.»

Damit verschiebt sich der Fokus vieler Unternehmen weg von Wachstum und Kapazitätsausbau hin zur Bestandssicherung – ein Signal für eine insgesamt schwache Investitionsbereitschaft in der Industrie.

mit Material der dpa

Die Nettoinvestitionsquote

• Was bedeutet die Nettoinvestitionsquote Deutschland? – Sie misst Investitionen in Anlagen abzüglich Abschreibungen im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung.

• Warum ist die Nettoinvestitionsquote Deutschland negativ? – Weil die Abschreibungen die Investitionen übersteigen und somit netto weniger Kapital aufgebaut wird.

• Welche Entwicklung zeigt die Nettoinvestitionsquote Deutschland langfristig? – Seit den 1990er-Jahren ist ein deutlicher Rückgang zu beobachten.

• Welche Rolle spielt die Privatwirtschaft bei der Nettoinvestitionsquote Deutschland? – Über 80 % der Investitionen stammen aus dem privaten Sektor.