Zwilling, KI, Metaverse: Produktion 2026 neu definiert
Digitale Zwillinge, KI-gestützte Simulation und Industrial-Metaverse-Technologien treiben die Digitale Fabrik voran. Der gleichnamige Fachkongress zeigt, wie virtuelle Modelle Planung, Inbetriebnahme und Produktionsstrategien neu definieren.
Maximilian FestusMaximilianFestus
Digitale Zwillinge, KI-gestützte Simulation und Industrial-Metaverse-Technologien treiben die Digitale Fabrik in den industriellen Maßstab. Der Fachkongress Digitale Fabrik 2026 zeigt, wie virtuelle Modelle Planung, Inbetriebnahme und Produktionsstrategien neu definieren.BMW Group
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Summary:
Digitale Zwillinge, KI und Industrial Metaverse verändern die industrielle Produktion grundlegend. Auf dem Fachkongress Digitale Fabrik 2026 zeigen Unternehmen wie BMW, Siemens und EDAG, wie virtuelle Modelle Planung beschleunigen, Kosten senken und Produktionssysteme flexibler machen.
Die industrielle Produktion erlebt einen radikalen
Entwicklungsschub. Was lange als Vision galt, wird zunehmend zum skalierbaren
Werkzeugkasten für Fabrikplaner, Automatisierer und Produktionsstrategen.
Digitale Zwillinge, KI-gestützte Simulation und Industrial-Metaverse-Anwendungen
verschmelzen zu einem integrierten Gesamtsystem. Auf dem 21. Fachkongress
Digitale Fabrik am 10. und 11. Juni 2026 in Herzogenaurach verdichten sich
diese Entwicklungen zu einem klaren Bild: Die Digitale Fabrik ist kein Experimentierfeld
mehr, sondern strategischer Hebel für Wettbewerbsfähigkeit, Resilienz und
Geschwindigkeit.
BMW industrialisiert die Virtuelle Fabrik konsequent
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2026 steht die Umsetzung des Digitalen Zwillings bei
der BMW Group nicht mehr auf Pilotniveau, sondern in der breiten industriellen
Skalierung. Über 30 Produktionsstandorte sind in digitale Abbilder überführt.
Produktionsplaner arbeiten nicht mehr isoliert in einzelnen Tools, sondern in
einer durchgängigen Virtuellen Fabrik, die Gebäude-, Anlagen-, Logistik- und
Fahrzeugdaten intelligent miteinander verknüpft.
Kern dieser Strategie ist die Industrialisierung der
iFACTORY. Virtuelle Planung wird hier zum Taktgeber für reale Produktion. Neue
Fahrzeuganläufe werden vollständig im digitalen Raum abgesichert, bevor der
erste reale Umbau beginnt. Bis 2027 integriert das Unternehmen mehr als 40 neue
oder überarbeitete Modelle in die globale Produktion – zuerst virtuell, dann
stabil im Werk. Perspektivisch sinken die Planungskosten um bis zu 30 Prozent.
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Besonders eindrucksvoll zeigt sich der Fortschritt bei
der automatisierten Kollisionsprüfung. Während früher reale Karosserien über
Wochen manuell durch Produktionslinien bewegt wurden, simuliert die Virtuelle
Fabrik heute sämtliche Bewegungen digital. Konstruktionsdaten und 3D-Scans
bilden die Basis. Innerhalb von drei Tagen entsteht ein präzises Prüfergebnis –
statt vier Wochen Testbetrieb. Zeit, Kosten und Risiko werden radikal
reduziert.
Auch bei komplexen Rochaden bestehender
Produktionslinien spielt der Digitale Zwilling seine Stärke aus. Im BMW Group-Werk
München wurde die Integration neuer Anlagen für die „Neue Klasse“ vollständig
virtuell durchgespielt. Das Ergebnis: Bestehende Gebäudestrukturen sind
geeignet, ein zusätzlicher Neubau konnte vermieden werden. Simulation ersetzt
Beton.
Parallel entwickelt sich die Virtuelle Fabrik
technologisch weiter. Generative und agentische KI-Funktionen erweitern die
Planungslogik. Menschsimulationen optimieren manuelle Handgriffe bereits in der
Konzeptphase. Ergonomische Bewertungen erfolgen, lange bevor ein realer
Arbeitsplatz entsteht. XR-basierte Trainingsumgebungen bereiten Mitarbeitende
realitätsnah auf neue Prozesse vor.
René Simon, Team Lead, Scada & Industrial Controls bei Edag.Edag Production Solutions GmbH & Co. KG
Die Transformation bleibt jedoch nicht rein
technologisch. Skalierbarkeit erfordert kulturellen Wandel, klare
ROI-Fokussierung und umfassendes Upskilling. KI ist entlang der gesamten
Wertschöpfungskette im Einsatz – von Entwicklung über Produktion bis Vertrieb.
Hunderte Anwendungsfälle laufen bereits im Serienbetrieb. Produktivität und
Innovationsgeschwindigkeit werden systematisch gesteigert.
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Edag setzt auf
offene Ökosysteme und Physical AI
Auch bei Edag ist der Digitale Zwilling 2026 fest im
industriellen Alltag verankert. „Im Jahr 2026 ist der Digitale Zwilling längst
kein Zukunftsthema mehr, sondern ein etablierter Bestandteil moderner
Produktionsprozesse“, erklärt René Simon, Team Leader, Scada & Industrial
Controls, Edag Production Solutions GmbH & Co. KG.
Insbesondere in der SPS-Programmierung und Robotik ist
der Zwilling seit Jahren Standard für Qualitätssicherung und Inbetriebnahme.
Der tatsächliche Entwicklungssprung liegt jedoch in der Öffnung der
Systemlandschaften. „Der eigentliche Fortschritt liegt heute jedoch in der
Erweiterung hin zu Physical AI und einem zunehmend agnostischen Ansatz: Weg von
geschlossenen, proprietären Ökosystemen – hin zu vollständig vernetzten,
interoperablen Systemlandschaften.“
Damit entsteht eine durchgängige Datenbasis über den
gesamten Produktlebenszyklus. KI-Modelle ergänzen bestehende Planungstools und
ermöglichen signifikante Effizienzsprünge. Varianten können innerhalb desselben
Budgets mehrfach durchgerechnet werden. Simulation wird zum strategischen
Entscheidungsinstrument.
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Besonders dynamisch entwickelt sich das Zusammenspiel
aus physikalischen Modellen und Machine Learning. „Besonders Reinforcement
Learning eröffnet neue Wege, um komplexe oder bisher wirtschaftlich nicht
darstellbare Aufgaben zu lösen“, so Simon. Algorithmische Strategien treffen
auf Ingenieurwissen – eine Kombination mit enormem Innovationspotenzial.
Roboterbasierte Schweißzelle von Edag Production Solutions: Digitale Zwillinge und KI-gestützte Simulation ermöglichen die virtuelle Inbetriebnahme, präzise Bahnplanung und effiziente Absicherung komplexer Fügeprozesse bereits vor dem realen Produktionsstart.Edag Production Solutions GmbH & Co. KG
Im Arbeitsalltag verschiebt sich der Fokus deutlich.
„Tätigkeiten werden dynamischer, interaktiver und stärker kreativ geprägt“,
beschreibt Simon die Entwicklung. Routinetätigkeiten verlieren an Bedeutung,
während konzeptionelles Arbeiten zunimmt. Gleichzeitig bleibt der Mensch das
Zentrum der Smart Factory. „In der Smart Factory bleibt der Mensch der
gestaltende Faktor – er interpretiert, bewertet und trifft strategische
Entscheidungen.“
Die größten Hürden sieht Edag weniger in der Technik
als im Mindset. IT-Security und Datenschutz sind beherrschbar, doch kulturelle
Barrieren bremsen häufig die Skalierung. Erst wenn etablierte Routinen
hinterfragt werden, entfalten digitale Werkzeuge ihr volles Potenzial.
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Professor Fay
von der Ruhr-Uni mahnt zur differenzierten Betrachtung
Einen wissenschaftlich differenzierten Blick bringt
Prof. Dr.-Ing. Alexander Fay, Lehrstuhl für Automatisierungstechnik, Fakultät
für Elektrotechnik und Informationstechnik, Ruhr-Universität Bochum, ein. „Wir
sehen bisher Pilotprojekte, bei einigen Vorreitern“, ordnet er den Stand des
Digitalen Zwillings ein. Besonders in der diskreten Produktion gebe es
Unternehmen mit hohen Innovationsgraden, die Zwillinge für Teile ihrer Anlagen
produktiv nutzen.
Professor Alexander Fay erklärt, besonders in der diskreten Produktion gibt es Firmen mit hohen Innovationsgraden.Ruhr-Universität Bochum
Bei KI-gestützten Simulationssystemen rät Fay zur
Differenzierung. „KI-gestützte Simulationssysteme: das wird bisher wenig
verfolgt, da die meisten Unternehmen physik-basierte Simulationssysteme
aufgebaut haben und nutzen.“ Datenbasierte Modelle kämen punktuell zum Einsatz,
etwa wenn physikalische Zusammenhänge schwer zu erfassen seien oder
Surrogat-Modelle kürzere Rechenzeiten ermöglichen.
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Auch beim Industrial Metaverse bleibt die Einschätzung
zurückhaltend. „Die Anwender sind skeptisch, ob das einen langfristigen Nutzen
hat, über einen kurzen ‚Aha-Effekt‘ hinaus.“ Der direkte Durchgriff eines
Digitalen Zwillings auf reale Anlagen werde bislang kaum praktiziert.
Beim Einsatz generativer KI verweist Fay auf
sicherheitstechnische Aspekte. „Für generative KI ist auf jeden Fall eine On-premise-Installation
ratsam, um Rückfluss von eigenen Unternehmensdaten oder Kundendaten zu den
Providern der LLM zu verhindern.“ Datensouveränität wird damit zum
strategischen Kernfaktor.
VDI-Studie „Auswirkungen generativer KI auf die Arbeit in Ingenieurberufen“ (2025)
Die Studie
kommt zu dem klaren Ergebnis: Generative KI ersetzt Ingenieurinnen und
Ingenieure nicht, sondern verschiebt den Schwerpunkt ihrer Arbeit.
Routinetätigkeiten wie Dokumentation, Recherche, Variantenvergleiche oder erste
Entwurfsfassungen lassen sich deutlich beschleunigen.
Insbesondere in
frühen Entwicklungsphasen – etwa bei Konzeptfindung, Anforderungsanalyse oder
Systemarchitektur – kann generative KI Vorschläge generieren, Alternativen
strukturieren und Wissensbestände aufbereiten. Das steigert die
Geschwindigkeit, reduziert Suchaufwände und schafft Freiräume für
anspruchsvollere Aufgaben. Gleichzeitig bleibt die fachliche Bewertung,
Validierung und Verantwortung klar beim Menschen. KI generiert, Ingenieure
entscheiden.
Quelle: VDI
Siemens treibt
die virtuelle Inbetriebnahme in die Breite
Siemens beobachtet eine deutliche Marktdynamik. „Der
Digitale Zwilling findet zunehmend breite Anwendung in der industriellen
Produktion, beispielsweise der Digitale Zwilling des SINUMERIK CNC-Systems“,
sagt Dr. Stefanie Frank, Head of Machine Tool Systems, Siemens Digital
Industries.
Stefanie Frank, Head of Machine Tool Systems bei Siemens Digital Industries.Siemens Digital Industries
Die virtuelle Inbetriebnahme wird zum Gamechanger.
Fehler werden vor dem realen Aufbau identifiziert, Testphasen drastisch
verkürzt und Entwicklungszyklen beschleunigt. KI-gestützte Planungssysteme
analysieren frühere Simulationen, erkennen Muster und reduzieren manuellen
Aufwand. Forecasts und Analysen laufen automatisiert, Entscheidungen werden
belastbarer.
In der Planung verschiebt sich der Fokus von
Datensammlung zur strategischen Bewertung. Auf dem Shopfloor sorgen präzisere
Simulationen für stabilere Produktionspläne. Störungen und Stillstände sinken,
qualifizierte Tätigkeiten gewinnen an Bedeutung.
Gleichzeitig betont Siemens die Rolle des Menschen. KI
und Digitale Zwillinge liefern Transparenz und Optimierungsvorschläge, ersetzen
jedoch nicht die menschliche Urteilskraft. Der Mensch bleibt das steuernde
Element, KI erweitert seine Fähigkeiten.
Effizienzgewinne durch KI in Planung und Simulation
KI-gestützte
Planungs- und Simulationssysteme beschleunigen Entwicklungs- und
Planungsprozesse signifikant. Sie analysieren frühere Simulationen, erkennen
Muster schneller als klassische Methoden und automatisieren Forecasts sowie
Variantenvergleiche.
Das reduziert manuelle Aufwände, vermeidet Fehlplanungen
und optimiert den Ressourceneinsatz. Entscheidungen werden belastbarer, da
Auswirkungen von Änderungen in Echtzeit sichtbar sind und Prozesse insgesamt
stabiler laufen.
Quelle: Siemens Digital Industries
Zukunft nicht nur simulieren, sondern konsequent realisieren
Virtuelle Simulation trifft reale Zerspanung: Der Digitale Zwilling von Siemens Digital Industries visualisiert Bearbeitungsprozesse, prüft Kollisionen und optimiert CNC-Programme, bevor das Bauteil auf der Maschine entsteht .Siemens Digital Industries
Der 21. Fachkongress Digitale Fabrik zeigt 2026 ein
klares Bild: Die Digitale Fabrik verlässt die Experimentierphase und wird zum
industriellen Standardinstrument.
Während Konzerne wie die BMW Group und
Siemens bereits in die Skalierung gehen, treiben Engineering-Dienstleister wie
Edag die Öffnung der Ökosysteme voran. Die Wissenschaft mahnt zur
Differenzierung und Datensouveränität.
Virtuelle Zwillinge, KI-gestützte Simulation und
interoperable Plattformen entwickeln sich zum strategischen Rückgrat moderner
Produktionssysteme. Entscheidend bleibt die Balance aus technologischer
Exzellenz, wirtschaftlicher Skalierung und qualifizierten Mitarbeitenden.
Herzogenaurach
wird damit im Juni 2026 zum Brennpunkt einer Industrie, die ihre Zukunft nicht
mehr nur simuliert – sondern konsequent realisiert.
Die Digitale Fabrik beschreibt die virtuelle Planung, Simulation und Optimierung von Produktionssystemen mithilfe digitaler Modelle, KI und vernetzter Daten.
Welche Rolle spielen Digitale Zwillinge?
Digitale Zwillinge bilden reale Produktionsanlagen virtuell ab und ermöglichen Simulationen, Tests und Optimierungen noch vor der realen Umsetzung.
Wie unterstützt KI die Produktionsplanung?
KI analysiert Simulationen, erkennt Muster und automatisiert Prognosen sowie Variantenanalysen, wodurch Planungsprozesse beschleunigt werden.
Welche Bedeutung hat der Fachkongress Digitale Fabrik?
Der Kongress bündelt aktuelle Entwicklungen aus Industrie und Forschung und zeigt konkrete Anwendungen digitaler Technologien in der Produktion.