US-Konjunktur mit unerwartetem Tempo
US-Wirtschaft wächst so stark wie seit 2023 nicht
Im dritten Quartal überrascht die US-Wirtschaft mit einem Wachstum von 4,4 Prozent. Stärkster Impulsgeber ist der Konsum – begleitet von steigenden Exporten und öffentlichen Ausgaben.
Die US-Wirtschaft hat im Sommer etwas stärker als erwartet Fahrt aufgenommen und ist so stark wie seit zwei Jahren nicht mehr gewachsen.
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US-Wirtschaft mit Aufwärtstrend
Die US-Wirtschaft hat im Sommer 2026 ein deutliches Zeichen gesetzt: Sie wächst so stark wie seit zwei Jahren nicht mehr. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im dritten Quartal zum Vorquartal um annualisierte 4,4 Prozent zu, wie das Handelsministerium in Washington laut einer zweiten Erhebung mitteilte. Damit wurde die erste Schätzung, die noch bei 4,3 Prozent lag, leicht nach oben korrigiert. Es ist das stärkste Wachstum seit dem dritten Quartal 2023.
Volkswirte hatten im Vorfeld mit einer Bestätigung der Erstschätzung gerechnet. Die überraschende Korrektur nach oben signalisiert eine stärkere Dynamik als angenommen. Im Vergleich dazu lag das Wachstum im zweiten Quartal noch bei 3,8 Prozent – die aktuelle Entwicklung stellt somit eine signifikante Beschleunigung dar.
Konsumausgaben treiben das BIP
Zentraler Treiber dieser positiven Entwicklung sind die Konsumausgaben. Sie legten um annualisiert 3,5 Prozent zu und stützten damit maßgeblich das Wirtschaftswachstum. Auch die Exporte entwickelten sich positiv, ebenso wie die Staatsausgaben. Die Beruhigung der Zollstreitigkeiten dürfte hier eine unterstützende Rolle gespielt haben.
Dagegen fiel die Entwicklung bei den Unternehmensinvestitionen weniger dynamisch aus. Im Vergleich zum Vorquartal schwächte sich das Investitionstempo leicht ab. Diese Entwicklung könnte ein erstes Signal für eine abwartende Haltung der Unternehmen sein, trotz der insgesamt positiven Rahmendaten.
Methodische Unterschiede bei Wachstumsdaten
Die Daten zum Wirtschaftswachstum werden in den USA in annualisierter Form veröffentlicht. Das bedeutet, dass das Quartalswachstum auf ein Gesamtjahr hochgerechnet wird, unter der Annahme, dass die Entwicklung über alle vier Quartale hinweg konstant verläuft. In Europa wird auf diese Methode verzichtet, weshalb die Zahlen nicht direkt vergleichbar sind.
Zur besseren Einordnung: Um eine mit europäischen Angaben vergleichbare Wachstumsrate zu erhalten, müsste die US-Zahl durch vier geteilt werden. Das bedeutet, das reale Wachstum im dritten Quartal lag – auf europäische Berechnungsmethoden übertragen – bei rund 1,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal.
Verzögerung durch Behördenstillstand
Die Veröffentlichung der Zahlen erfolgte mit Verzögerung. Grund dafür war ein vorübergehender Shutdown der US-Bundesbehörden. Solche administrativen Stillstände wirken sich regelmäßig auf die Pünktlichkeit wirtschaftsrelevanter Datenveröffentlichungen aus. Trotz dieser Umstände konnte die zweite Schätzung des BIP pünktlich nachgeholt werden und sorgt nun für neue Impulse in der Debatte um die wirtschaftliche Lage der Vereinigten Staaten.
Mit Material der dpa
FAQ zum Wachstum der US-Wirtschaft
Was bedeutet annualisiertes Wachstum? – Dabei wird das Quartalswachstum auf ein gesamtes Jahr hochgerechnet, unter der Annahme gleichbleibender Entwicklung.
Wie stark ist die US-Wirtschaft im dritten Quartal 2026 gewachsen? – Das BIP stieg um annualisierte 4,4 Prozent gegenüber dem Vorquartal.
Was trieb das Wirtschaftswachstum besonders an? – Vor allem die Konsumausgaben, wachsende Exporte und steigende Staatsausgaben.
Warum sind die US-Zahlen nicht mit europäischen vergleichbar? – Die USA verwenden eine annualisierte Darstellung, Europa hingegen berichtet das reale Quartalswachstum.
Warum wurden die Daten verzögert veröffentlicht? – Wegen eines vorübergehenden Shutdowns der US-Bundesbehörden.